Francine Closener au sujet des projets du gouvernement dans le domaine du tourisme

Interview – Publié le

Revue: Wo liegen die derzeitigen Stärken des Tourismus in Luxemburg?

Francine Closener: Eine Stärke ist sicherlich die, dass das Großherzogtum ein kleines Land ist, das dem Touristen auf kleinster Räche ein enorm vielfältiges und breit gefächertes Angebot bietet. Ein zweites Plus sehe ich in der Qualität der Infrastrukturen. Beim letzten Kompetitivitätsindex des "World Economic Forum" belegte Luxemburg den 23. Platz unter 140 Ländern. Dieses positive Resultat verdanken wir zum größten Teil den hervorragenden Infrastrukturen. Hier tragen die Bemühungen aus der Vergangenheit ihre Früchte. Der Kongresstourismus gehört ebenfalls zu den Stärken.

Revue: Inwiefern?

Francine Closener: Diese Art von Tourismus zeichnet für über 50 Prozent der Übernachtungen verantwortlich. Dabei muss man wissen, dass der Geschäftstourist im Durchschnitt ungefähr zweieinhalbmal mehr Geld als ein normaler Tourist ausgibt. Wir werden versuchen diesen Tourismuszweig noch weiter auszubauen.

Revue: Welche Schwächen gilt es auszumerzen?

Francine Closener: Tatsache ist, dass die Zahl der klassischen Touristen, damit meine ich zum Beispiel die, die drei Wochen Urlaub in Luxemburg machen, über die Jahre etwas abnimmt. Heute kommen zwar noch immer viele Touristen nach Luxemburg, die Zahl der Übernachtungen ist weiterhin steigend - zwischen Januar und Oktober 2013 um 4,6 Prozent -, der Trend geht allerdings eindeutig in Richtung kurze Aufenthalte mit ein, zwei, drei Übernachtungen. Es ist an uns, das Angebot auf die spezifischen Anforderungen der einzelnen Touristen auszurichten. Es wäre deshalb sinnvoll, veistärkt maßgeschneiderte Angebote auszuarbeiten. Hier gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Des Weiteren müssen wir den ganzen Service-Bereich weiter vorantreiben.

Revue: Wie meinen Sie das?

Francine Closener: Touristen möchten eine optimale Betreuung von A bis Z. Der Staat und das Ministerium können den einzelnen Betrieben, wenn diese gewollt sind neue Wege einzuschlagen, helfend unter die Arme greifen, zum Beispiel wenn sie ein bestimmtes Qualitätslabel erhalten wollen.

Revue: Welche Ziellkundschaft wird anvisiert?

Francine Closener: Wir sollten uns grundlegend Gedanken machen, welche Touristen wir nach Luxemburg locken möchten. Die traditionelle Kundschaft, immerhin rund 60 Prozent, kommt nach wie vor aus Holland, Belgien, Frankreich und Deutschland, aber Märkte wie Osteuropa, China oder Japan dürfen wir nicht vernachlässigen, in denen steckt noch jede Menge Wachstumspotenzial.

Revue: Hat Luxemburg als Urlaubsland ein Imageproblem?

Francine Closener: Nein, ansonsten würden wir bei dem angesprochen Kompetitivitätsindex nicht so gut abschneiden. Wir können in Sachen Natur nicht mit Ländern wie Frankreich, Deutschland oder Schweiz mithalten und punkten deshalb vor allem mit der Infrastruktur. Was allerdings sinnvoll wäre, und das möchte die neue Regierung auch tun, ist eine nationale Strategie auszuarbeiten, um Schwächen und Stärken des Tourismus hierzulande zu analysieren, zielgerichtete Maßnahmen auszuarbeiten und eine spezifische Investitionspolltik tätigen zu können. Ein Alleingang seitens der Regierung wird es hier allerdings nicht geben. Wir werden uns mit allen Akteuren an einen Tisch setzen und überprüfen, ob die bisherige Vorgehensweise die richtige war und weiterhin sinnvoll ist, oder ob wir neue Wege einschlagen müssen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass alle an einem Strang ziehen.

Revue: Wie sieht es mit der Vermarktung aus?

Francine Closener: Hier werden wir sehr konkrete Sachen ins Auge fassen und umsetzen. An strategischen Orten, wie zum Beispiel dem Findel, dem Zentrum der Hauptstadt oder den großen Autobahntankstellen, um nur die zu nennen, müssen wir den Reisenden besser auf die Stärken und Qualitäten unseres Landes hinweisen. Hin und wieder habe ich fast den Eindruck, wir hätten Angst, typische Luxemburger Produkte, wie zum Beispiel den Moselwein, zu vermarkten. Wir sollten uns eigentlich einiges bei den Schweizern abschauen, die haben in Sachen Vermarktung den Dreh raus. An jeder erdenklichen Ecke werden Touristen die typischen Schweizer Produkte, von Schokolade bis Uhren, angeboten.

Revue: Wird die Strategie der Vermarktung im Ausland die gleiche bleiben?

Francine Closener: Wir müssen zuerst eine nationale Strategie entwickeln, um eine Arbeitsbasis zu haben. Erst dann können wir analysieren, welche Aspekte wir beibehalten wollen und welche nicht. Sicher ist allerdings, dass wir Bereiche wie unter anderem den Weintourismus und den Aktivtourismus verstärkt bewerben wollen. Mit 5.000 Kilometer beschilderten Wandeiwegen, was der Länge der chinesischen Mauer entspricht, ist Luxemburg zum Beispiel ein richtiges Wanderparadies.

Revue: Welches Potenzial steckt noch im Wirtschaftszweig Tourismus?

Francine Closener: Das Potenzial steckt, wie schon erwähnt, in den Märkten Osteuropa und Asien aber auch im Geschäftstourismus. Um dieses voll auszuschöpfen, müssen wir weiterhin die Karte der Qualität spielen, so viel ist klar. Deshalb ist auch wichtig, dass das von der vorherigen Regierung ausgearbeitete Klassifikationssystem endlich umgesetzt wird. In diesem System werden alle Betriebe, von der Jugendherberge bis zum Hotel, obligatorisch nach dem europäischen System "Hotelstars-Union" bewertet. Dies wird uns erlauben, uns besser mit den anderen Ländern messen und den Qualitätslevel vergleichen zu können.

Revue: Welche Vorteile hat es, dass Mittelstands-, Tourismus- und Wirtschaftsministerium jetzt in einer Hand liegen?

Francine Closener: Dies wird sich in meinen Augen als Pluspunkt entpuppen. Dank dieser Kurzschließung können wir sämtliche Anstrengungen, die Werbetrommel für unser Land zu rühren, viel besser aufeinander abstimmen. Unter anderem kann man zum Beispiel auf Wirtschaftsmissionen neben der Tatsache, dass man Investoren anlocken möchte, auch die touristischen Pluspunkte des Landes hervor streichen.

Revue: Kann diese Zusammenlegung der Ministerien eventuell dazu dienen, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen?

Francine Closener: Direkt und indirekt arbeiten zurzeit im Tourismussektor 17.000 Personen. Wenn wir davon sprechen, Menschen ohne Schulabschlüsse zu Arbeit zu verhelfen, setzt die Regierung auf den Logistiksektor und eben den Horesca-Bereich. Schade ist, dass die Horesca-Berufe verpönt sind, denn mit der Dreisprachigkeit, die wir haben, kann man hier weit kommen und die Karriereleiter erklimmen, auch wenn es an viel Arbeit gekoppelt ist. Zudem werden in diesem Bereich ständig noch neue Arbeitsstellen geschaffen, 2012 waren es 1.850 und 2013 immerhin 1.942 Stellen.

Revue: Wo soll der Tourismus in Luxemburg in fünf Jahren stehen?

Francine Closener: Ein Ziel ist noch nicht gesteckt. Wenn man neu ist, muss man sich erst einmal mit den einzelnen Akteuren treffen um sich ein genaues Bild der Lage machen zu können. Erst dann kann ich ein Ziel definieren. Sicher ist, dass wir Werbung für die Jobgelegenheiten im Tourismusbereich machen wollen und den "esprit d'entreprise" wieder verstärkt fördern wollen.

Revue: Welches ist Ihr persönliches touristisches Highlight in Luxemburg?

Francine Closener: Ich glaube, an der Hauptstadt mit ihrer Attraktivität, ihrer Vielseitigkeit und ihrem Charme kommt keiner vorbei. In der Regel entdeckt man als Tourist ein Land über die Hauptstadt. Das alles bedeutet nicht, dass andere Gegenden nicht ihre Reize hätten. Aber die Hauptstadt ist schon schön.