Lydia Mutsch à la Journée d’Echange Interrégionale MAG-NET2

Discours – Publié le

Le 26 mars 2014, la ministre de la Santé, Lydia Mutsch a tenu une allocution d’ouverture à l’occasion de la Journée d’Echange Interrégionale MAG-NET2 au centre de Prévention des Toxicomanies. Le but principal du projet MAG-Net 2 consiste à élaborer  et à offrir  des formations pour le secteur médical et paramédical dans la Grande Région sur la consommation récréative de drogues.

[…], sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich sie alle zu diesem Fachtag, der sich mit den zentralen Themen der Ethik und Praxis in der Drogenarbeit beschäftigt, begrüßen zu dürfen und danke den Verantwortlichen herzlichst für diese Einladung.

„Ethik“ ist eines der großen Teilgebiete der Philosophie und befasst sich mit Moral und mit dem menschlichen Handeln.

Die Ethik baut auf das Prinzip der Vernunft auf. Das Ziel der Ethik ist die Erarbeitung von allgemeingültigen Normen und Werten. Der Themenbereich  ’Ethik´ für diese Fachtagung erscheint mir demnach als eine durchaus mutige Wahl, nicht zuletzt weil sie bei jedem Ansatz einer Antwort  vielfach neue Fragen aufwirft.

Die Frage der Ethik in der Behandlung und Betreuung von Menschen sei es in medizinischen oder sozial-medizinischen Bereichen betrifft grundsätzlich das Wie? und Warum? des Verhältnisses zwischen dem  bedürftigen und dem hilfeleistenden Menschen. 

Eines der wichtigen gesundheitspolitischen Ziele im Bereich Drogensucht ist es, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, die leider oft am Rande der Gesellschaft stehen.

Jedoch sind Bedarf, Not und Leiden keine einheitlich definierten Begriffe. Das Leiden eines Menschen kann zum Beispiel als selbstverschuldet, überbewertet oder gar verdient wahrgenommen werden! Wir denken hier an Krankheiten wie die die durch Rauchen, Alkohol-, oder Drogenkonsum schlechthin, hervorgerufen werden können. Das Leiden mag relativierbar sein, jedoch hat es die Eigenschaft das Leben eines jeden Einzelnen negativ zu beeinflussen und das  größtenteils unabhängig von seiner Erstehungsgeschichte.

Einen wichtigen Grundsatz  zum heutigen Thema findet man, so glaube Ich, in den Worten von Albert Schweizer.  Ich zitiere: “ Das Wesen des Guten ist: Leben erhalten, Leben fördern, Leben auf seinen höchsten Wert bringen. Das Wesen des Bösen ist: Leben vernichten, Leben schädigen, Leben in seiner Entwicklung hemmen. Das Grundprinzip der Ethik ist also Ehrfurcht vor dem Leben.“  (Ende des Zitats)

Ausgehend davon, dass jedes menschliche Leben den gleichen Wert hat und demnach jede Gesundheit gleichermaßen schützenwert ist, werden Fragen von Selbstverschuldung  oder Verantwortungslosigkeit, wie Manche sie bei drogenabhängigen Menschen vermuten, in ein differenzierteres Licht gerückt und werden schlussendlich nebensächlich.

Beschäftigt man sich mit diesem Thema wird schnell klar, dass sich eine Vielzahl an Überlegungen förmlich aufdrängen:

Wie steht es um das Recht auf Selbstbestimmung von drogenabhängigen Menschen?

Welche Verantwortung kommen süchtigen Menschen rechtlich und moralisch zu und wieviel Autonomie und Handlungsfreiheit steht Ihnen oder trauen wir Ihnen zu?

Ist eine dosierte Einmischung in die Entscheidungsgewalt eines Menschen  vertretbar wenn das Endresultat eine Verbesserung seiner Situation und Verminderung seines Leidens ist?

Was sind strafrechtliche Aspekte und gegebenenfalls Widersprüche in Sachen Ethik die der Drogenkonsum und seine Konsequenzen mit sich ziehen?

Ist der Drogenkonsum etwa dort zuhause wo die Suche nach dem Glück beginnt und die eines gesunden Lebens endet oder wenigsten nicht mehr im Vordergrund steht?

Und schlussendlich, in wie fern, beeinflussen diese Fragen das Empfinden und Handeln von Fachkräften die täglich mit suchtkranken Menschen in Kontakt sind?

Sucht im Allgemeinen und Drogensucht allen voran vermögen es polarisierte Debatten zu entfachen und die Meinungen auseinanderklaffen zu lassen.

Provokativ könnten wir uns fragen ob man sich nicht auf abstinenzorientierte Angebote beschränken sollte und hoffen, dass diese menschlich und gesellschaftlich ausreichend sind?

Es scheint mir jedoch sinnvoller, wenn auch unvergleichbar anstrengender, die Betroffenen als Individuen in verschieden Lebens- und Problemlagen zu betrachten.

Und betroffen sind wir im gewissen Sinne in allen Lebenslagen:

  • der Heranwachsende der der Versuchung einer zunehmend breiteren Auswahl von psychoaktiven Substanzen ausgesetzt ist,
  • der unauffällige Bürger der jeden Tag zur Arbeit fährt und gelegentlich ein Bier trinkt oder einen Joint raucht und eines Tages beide intensiver nutzt weil er hofft dadurch eine schwierige Lebenssituation besser meistern zu können,
  • oder der gestresste Angestellte der sich mit den verschiedensten Mitteln aufputscht um dem Druck standzuhalten,
  • bis hin zu denen Menschen die die Sucht schleichend heimgesucht hat und eines Tages das Glück jedoch nicht gefunden jedoch ihre Gesundheit verloren haben und plötzlich auf Hilfe angewiesen sind.

Unser Ziel sollte es sein diesen Menschen anzubieten sie dort abzuholen wo sie stehen. In anderen Worten bedeutet dies im präventiven Sinne jungen Menschen objektive Informationen verständlich zu vermitteln, Behandlungsangebote so zugänglich und vielfältig wie möglich zu gestalten und Risiko- und Schadensminderung bei suchtkranken Menschen als einen festen Bestandteil des Hilfeangebots und nicht als Kapitulation vor dem Feind anzusehen.

In der Prävention besteht demnach die Herausforderung hauptsächlich darin verschiedene Zielgruppen in die Lage zu versetzen aufgeklärte Entscheidungen zu treffen ohne sie zu bevormunden.

In Sachen Suchtbehandlung sollte Qualität, Vielfalt, optimierter Zugang, Anonymität und Anpassung der Angebote an oberster Stelle stehen.

Des Weiteren sind akzeptanzorientierte Angebote die diesen Namen verdienen, keineswegs Verwaltung des Elends, wie sie manche vielleicht empfinden. Ganz im Gegenteil sind sie ein Beispiel wie der Respekt einer selbstbestimmten Lebensgeschichte sich mit Verantwortung im moralischen Sinne vereinen können.    

Das Unterlassen eines jeden moralischen Urteils über den Hilfesuchenden und zukunftsorientiert eine Lebenshilfe anzubieten, die weder zu bewerten noch zu bevormunden versucht, ist sicherlich ein schwieriges aber jedenfalls notwendiges Unterfangen.

Diese sogenannte akzeptanzorientierte Drogenarbeit ist in Luxemburg im europäischen Vergleich durchaus gut entwickelt. Und in diesem spezifischen Bereich stellt sich in der Tat eine Vielzahl von ethischen Fragen, nicht nur bei den Fachleuten oder Betroffenen sondern auch in der breiteren Bevölkerung, was immer wieder deutlich wird wenn solche Angebote aufgebaut oder erweitert werden.

Der nationale und mittlerweile dritte Drogenaktionsplan (2010-2014) bezieht diese Bereiche und Überlegungen mit ein und versucht den Betroffenen in den Mittelpunkt zu setzten. Er trägt teilweise und meistens indirekt auch den Bedürfnissen der Bevölkerung nach mehr Sicherheit im öffentlichen Raum Rechnung. Zweierlei Anforderungen deren Ausführungen nicht immer gleichermaßen einfach sind.

Die Maßnahmen der Drogenhilfe sind somit gesundheitspolitisch, sozial und gesellschaftlich motiviert.

Drogenarbeit bedarf in diesen Sinne eines kontinuierlichen Austauschs zwischen Theorie und Praxis, zwischen Richtlinien und Erfahrung.

Lebenssituationen, vor allem die von suchtkranken Menschen, sind größtenteils vielschichtig und kennen keine einfachen und schnellen Lösungen.

Fachleute kennen die sich immer wiederholenden negativen Problembewältigungsstrategien vieler drogenabhängiger Menschen, die es aufzudecken und umzuwandeln gilt, in positive und lebensfördernde Strategien.

Sie handeln nach dem Prinzip der Menschenwürde, der Autonomie und der Solidarität. Vorurteile und Diskriminierungen von süchtigen Menschen sind ihnen dennoch bestens bekannt.

Es werden sicherlich einige dieser Fragen und Tatbestände, die ich hier nur andeutend ausführen konnte heute von ihnen diskutiert um Handlungs-und Lösungsvorschläge auszuarbeiten.

Der heutige Fachtag kann wahrscheinlich keine universal gültigen Lösungen auf so komplexe Fragen liefern. Dennoch können durch diesen interregionalen Fachtag, neue Herangehensweisen und Sichtweisen erarbeitet werden, die zu konsensfähigen Aussagen führen können.

Die Vernetzung engagierter Fachleute der Drogenhilfe aus dem In-und Ausland ist eine weitere Errungenschaft dieser Tagung, die auch dazu dienen sollte, Grenzen der Drogenhilfe aufzeigen und Hindernisse gegebenenfalls gemeinsam zu überwinden.

Hiermit wünsche abschließend allen Beteiligten und Veranstaltern einen informativen und zugleich intensiven Austausch über Ethik und Praxis in der Drogenarbeit, der vor allem den Betroffenen selbst und deren Angehörigen zugute kommen wird.