Interview de François Bausch avec le Télécran

"Wir müssen global umdenken, in der Art und Weise wie wir uns fortbewegen (...)"

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Interview: Télécran (Mireille Meyer)

Télécran: Ist Ihrer Meinung nach die Ost-Variante der "Nordstrooss" auch die optimale Variante?

François Bausch: Rein verkehrstechnisch gesehen ganz sicher nicht. Die West -Variante wäre sicherlich weniger teuer zu stehen gekommen und in puncto Verkehrsführung optimal gewesen. Die Ost -Variante war ein politischer Kompromiss, der derzeit ausgehandelt worden ist. Der damalige Bautenminister (Robert Goebbels, LSAP) wollte von vornherein die Ost -Variante durchsetzen und hatte dafür auch eine einfache Erklärung: Sie führt durch dünn besiedeltes Gebiet und vor allem den "Grengewald" und man ging davon aus, dass man sich nur mit den Umweltschutzorganisationen anlegen müsse. Damals konnte man sich politisch einfacher gegen diese durchsetzen, als das heute möglich ist. Die größte Kritik, die ich auch heute noch anbringe, ist, dass nie rational über die "Nordstrooss" diskutiert wurde. Das hat dazu geführt, dass vollkommen berechtigte Warnungen der Umweltschutzorganisationen einfach ignoriert wurden. Wie zum Beispiel, dass das Gelände von seiner Geologie her für den Tunnelbau nicht wirklich geeignet ist, was ja späterhin zu Stabilitätsproblemen in den Röhren geführt und die Kosten des Projekts in die Höhe getrieben hat.

Télécran: Kann die "Nordstrooss" das bringen, was erwartet wurde?

François Bausch: Sicherlich wird ein Teil des Verkehrs sich von der N 7 auf die Autobahn verlagern. Vor allem diejenigen, die auf dem Kirchberg arbeiten, werden die A7 sicher nutzen. Es wird eine substantielle Verkehrsentlastung im Alzettetal geben. Allerdings ist es eine Illusion zu glauben, die "Nordstrooss" würde das grundsätzliche Verkehrsproblem in Luxemburg lösen. 10.000 Arbeitsplätze werden pro Jahr geschaffen, größtenteils in und um Luxemburg-Stadt. Das bringt immer mehr Autos ins Zentrum des Landes. Will man das fundamentale Problem lösen, dann macht es keinen Sinn, nur über den Bau von Straßen zu diskutieren. Dann muss man über die Verlagerung des Autoverkehrs auf öffentliche Transportmittel und über die sanfte Mobilität reden. Das ist die einzige Lösung, die es für das Problem gibt.

Télécran: Und eine Dezentralisierung der Arbeitsplätze?

François Bausch: Das ist ein wichtiger Punkt, Ich kann verstehen, dass die Einwohner des Nordens froh sind über eine Straße, die es ihnen erlaubt, schneller ins Zentrum des Landes zu gelangen. Ich war und bin aber immer noch der Meinung, dass die "Nordstrooss" ökonomisch gesehen dem Norden nichts bringen wird. Der Zentrum des Landes wird davon profitieren. Luxemburg -Stadt und Umgebung wird durch sie attraktiver, und nicht der Norden. Der Norden wird erst attraktiv, wenn wir in Anziehungspole im Norden investieren. Die "Nordstad" ist aus diesem Grund für mich als Landesplanungsminister extrem wichtig. Ich befürworte, auf der Zentralachse zwischen Ettelbrück und Diekirch einen Entwicklungsschwerpunkt zu etablieren, von dem der Norden profitieren kann.

Télécran: Personen, die in den Westen der Hauptstadt wollen, werden wohl weiter über Kopstal fahren...

François Bausch: Das ist ein großes Risiko. Zumal, wenn man denn über den Kirchberg fahren würde, der "Contournement" (Trierer Autobahn) morgens extrem belastet ist. Man darf nicht vergessen - und das ist die einzige Entschuldigung, die man bei der Planung der "Nordstrooss" gelten lassen muss - anfangs der 1990 er Jahre gab es Prognosen für die Entwicklung der Einwohnerzahlen und Arbeitsplätze in Luxemburg, die bereits großzügig ausgelegt waren. Und trotzdem sind sie alle weit übertroffen worden. Das heißt, es gab eine unwahrscheinliche wirtschaftliche Dynamik in Luxemburg. Wir freuen uns über den dadurch entstandenen Wohlstand, doch sie bringt auch Probleme mit sich. Ich ziehe daraus die Schlussfolgerung: Wir müssen global umdenken, in der Art und Weise wie wir uns fortbewegen - multimodal denken und funktionieren. Die Regierung hat deswegen auch die absolute Priorität, die Infrastrukturen für den öffentlichen Verkehr massiv auszubauen. Konkret: Zur Entlastung des Straßenverkehrs aus dem Norden in Richtung Zentrum wird die Haltestelle "Kirchberg-Pfaffenthal" viel mehr beitragen, als die "Nordstrooss".

Télécran: Ist das Chaos auf Kirchberg vorprogrammiert, wenn die A7 eröffnet wird?

François Bausch: Der Kreisverkehr Serra wird momentan zum "Turbo Rond-Point" ausgebaut. Er wird allerdings für die Eröffnung der "Nordstrooss" nicht fertig sein. Das wird am Anfang sicherlich zu Schwierigkeiten führen, besonders wegen der Baustelle. Man hätte sich schon früher bewusst sein müssen, dass auf dem Kirchberg durch den Anschluss der A7 ein grundsätzliches Problem entstehen wird. Die Unterführung (Bypass) auf die Autobahn wird im Oktober fertig und wird den Verkehr schon zu einem Teil entlasten, auch auf der "Rouder Bek", über die viele Verkehrsteilnehmer das Autobahnnetz erreichen. Wir gehen davon aus, dass der Turbo -Kreisverkehr von der Kapazität her ausreichen wird. Doch auch hier möchte ich hinzufügen: Das ändert nichts am Verkehrsproblem auf Kirchberg, das besonders in Anbetracht der dortigen Entwicklung bestehen bleibt. Auch hier heißt die Lösung: Umsatteln auf den öffentlichen Transport.