Interview de Lydia Mutsch avec le Tageblatt

"Wir brauchen eine nationale und eine europäische Strategie(...)"

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Interview: Tageblatt

Tageblatt: Welche Bilanz ziehen Sie und welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesteckt?

Lydia Mutsch: Da ich erst seit 2013 im Amt bin, will ich keine Bilanz der vorherigen Jahre ziehen. Allerdings muss man hervorheben, dass das Ministerium für Chancengleichheit viel Arbeit geleistet und dazu beigetragen hat, Vorurteile gegenüber den Frauen zu bekämpfen. Ich persönlich setzte mich für eine breite Diskussion ein. Am Montag waren beispielsweise in Brüssel zum ersten Mal die europäischen Arbeitsminister und die Minister für Chancengleichheit an einem Tisch, um über die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu diskutieren. Das ist ein großer Erfolg.

Tageblatt: Muss man von einem traurigen Geburtstag sprechen, weil wir immer noch solch ein Ministerium brauchen?

Lydia Mutsch: Muss man auch traurig sein, weil es ein Umweltministerium gibt und die Menschen demnach nicht genug für die Umwelt tun? Das ist eine künstliche Debatte. Wir brauchen eine nationale und eine europäische Strategie, um für eine Chancengleichheit zwischen Mann und Frau zu sorgen. Dieses Ziel haben wir allerdings noch nicht erreicht. Es gibt beispielsweise immer noch einen durchschnittlichen Gehaltsunterschied von acht Prozent.

Tageblatt: Das Ministerium für Chancengleichheit hat das kleinste Budget aller Ressorts. Spielt es für die Regierung nur eine untergeordnete Rolle?

Lydia Mutsch: Nein, wir haben ein Budget von rund 13 Millionen Euro, hiervon werden 12 Millionen Euro an Vereinigungen abgegeben, die sich für die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau einsetzen. Die restliche Million Euro gibt das Ministerium für Informations- und Sensibilisierungskampagnen aus. So werden wir zum Beispiel Anfang nächsten Jahres eine Kampagne starten, um zu erklären, warum es wichtig ist, dass Frauen sich auf den Wählerlisten eintragen. Wir erhalten demnach viel Geld und investieren es auf eine gute Art und Weise.