Interview de Claude Meisch avec le Tageblatt

"Ein Streik würde überhaupt keinen Sinn ergeben(...)"

Interview – Publié le

Interview: Tageblatt (Damien Valvasori)

Tageblatt: Zwischen der Lehrergewerkschaft Féduse und der Gewerkschaft der "Chargés" (ACEN) ist es zu einem Kleinkrieg um die Rolle der Lehrbeauftragten gekommen. Während die ACEN die Lockerung der Zulassungsbedingungen zum "Examen-Concours" als unzureichend einstuft und den hohen Gehaltsunterschied zwischen den Sekundarlehrern und den "Chargés" kritisiert, befürchtet die Lehrergewerkschaft Féduse bei weiteren Reformen ein "nivellement vers le bas". Wie stehen Sie zu diesem Streit?

Claude Meisch: Es ist schade, dass diese Diskussion öffentlich geführt wird. Allerdings frage ich mich, ob diese nicht ein Stück weit inszeniert ist, denn beide Seiten haben die Lockerung der Zulassungsbedingungen zum "Examen-Concours" befürwortet. Dank dieser Reform geben wir mehr Personen die Möglichkeit, Lehrer zu werden und bekämpfen so den Mangel an verbeamteten Sekundarlehrern bzw. die zu hohe Anzahl an "Chargés". Eine Reform des eigentlichen "Examen-Concours" wird es allerdings nicht geben. Wir setzen weiterhin auf Qualität und werden das Fachwissen der Kandidaten abfragen. Den Gehaltsunterschied zwischen verbeamteten Lehrern und Lehrbeauftragten betreffend habe ich bereits mehrmals erwähnt, dass ich die Forderung nach einer Bezahlung nach Diplom bei den nächsten Gehälterverhandlungen im öffentlichen Dienst berücksichtigen werde.

Tageblatt: Bezüglich der Berufsausbildung wurden Sie diese Woche von einer "Intersyndicale" heftig kritisiert. Die Gewerkschaften Apess, Féduse und SEW fordern eine komplette Umgestaltung der aktuellen Berufsausbildung. Bleiben Sie bei ihrem Vorhaben, nur punktuell reformieren zu wollen?

Claude Meisch: Zuerst muss man festhalten, dass ihre Forderungen eigentlich mit unserer Sichtweise übereinstimmen. Heute wurde beispielsweise im Ministerrat ein Gesetzesprojekt angenommen, das eine jährliche Versetzung bei der Berufsausbildung vorsieht. Zudem wollen wir einen "bilan intermédiaire" einführen. Demnach sind wir durchaus bereit, tiefgreifende Reformen durchzuführen. Man darf allerdings nicht vergessen, dass das Bildungsministerium nicht alleine für die Berufsausbildung zuständig ist. Die Berufskammer und die Arbeitnehmerkammer spielen auch eine Rolle. Dies gilt besonders, wenn es um die Aufwertung der Berufsausbildung geht. Dies kann man nicht per Gesetz aufzwingen. Da ist ein gesellschaftlicher Prozess nötig, an dem alle Akteure teilnehmen müssen.

Tageblatt: Eine komplette Umgestaltung der aktuellen Berufsausbildung schließen Sie also aus?

Claude Meisch: Wir sind bereit, über alles zu diskutieren, allerdings ist die Aufhebung der Reform der Berufsausbildung aus dem Jahr 2008 sicherlich keine, Lösung. Wir würden hierdurch nur die Lehrer verunsichern, die sich seit acht Jahren in die damalige Reform eingearbeitet haben. Mein Ziel ist es nicht, alle Reformen meiner Vorgänger rückgängig zu machen. In der Politik kann man nicht einfach fünf Jahre in die eine Richtung und dann fünf Jahre wieder in die andere Richtung arbeiten. So kommt man nicht voran.

Tageblatt: Die "Intersyndicale" sowie eine deutliche Mehrheit der von ihr befragten Lehrer können sich einen Streik vorstellen.

Claude Meisch: Ein Streik würde überhaupt keinen Sinn ergeben, da die Gewerkschaften offene Türen einrennen. Wir teilen viele Kritikpunkte und sind bereit, zu reformieren. Im vergangenen Oktober habe ich bereits angekündigt, in zwei Phasen zu reformieren. Die dringlichsten Punkte, wie die Wiedereinführung der jährlichen Versetzung, werden bereits zur nächsten "Rentrée" greifen.

Tageblatt: Sie betonen immer wieder, bereit zu sein, mit den Gewerkschaften zu diskutieren. Die "Intersynclicale" wirft Ihnen und Ihrem Ministerium allerdings vor, seit Anfang Dezember nicht mehr mit ihr gesprochen zu haben.

Claude Meisch: Ich kenne nicht die Agenda aller Mitarbeiter des Ministeriums, allerdings weiß ich, dass alle drei Gewerkschaften im Bildungsministerium regelmäßig ein und aus gehen. Es geht zwar nicht immer um die Berufsausbildung, aber von Funkstille kann keine Rede sein.