Interview von Romain Schneider im Luxemburger Wort

"Wir sitzen in einem Boot"

Interview – Publié le

Interview: Luxemburger Wort (David Thinnes)

David Thinnes: Herr Minister, wie verlaufen die Budgetgespräche mit dem Finanzminister? 

Romain Schneider: Diese Diskussionen sind noch nicht abgeschlossen, aber die ersten Resultate sind sehr positiv. Wir müssen diese Gespräche mittel-und langfristig sehen. 2018 muss es ein erstes Zeichen geben, dass der Wille bei der Regierung und beim Parlament vorhanden ist. 

David Thinnes: Das heißt, der Sport erhält mehr Mittel? 

Romain Schneider: Es wird - für unsere Verhältnisse - eine prozentual substanzielle Erhöhung geben. Das Sportministerium hat das zweitkleinste Budget aller Ministerien. Die Verbände müssen sich professionell aufstellen können. Einige Föderationen sind diesbezüglich etwas schwach auf der Brust. Qualität ist nur bis zu einem gewissen Grad garantiert. 

David Thinnes: Wenn man von mehr Geld spricht, wird auch immer der Stellenwert des Sports in Luxemburg thematisiert. Spüren Sie den Druck, den Sie von Verbänden oder auch teilweise aus dem Parlament bekommen? 

Romain Schneider: Ich sehe das nicht als Druck. Wir sitzen in einem Boot, um den Sport weiterzubringen. Jeder kann durch seinen Input dem Sport helfen. Es ist zum Beispiel egal, welches Ministerium etwas für den Sport unternimmt. Wichtig ist aber, dass etwas passiert. Hier muss es zu einem Umdenken kommen. Ich beobachte, dass die Sportwelt sich manchmal selbst zu sehr infrage stellt. 

David Thinnes: Die Tour de France in Luxemburg und die Nation-Branding-Kampagne sind gut für das Image, aber wäre dieses Geld nicht besser in die Jugendarbeit investiert? 

Romain Schneider: Sehr oft wird der Wert des Sports in der Öffentlichkeit nur am Geld gemessen. Aber der Sport funktioniert mit seinen Sportlern, Trainern, freiwilligen Helfern. Das Budget der Jahre 2017 und 2018 ist auf diese Bereiche ausgerichtet.  Die Arbeit der Vereine muss aufgewertet werden. Und es müssen mehr qualifizierte Personen in den Sport kommen. Unsere Programme müssen übergreifend sein. Es müssen neue Wege gegangen werden, wie zum Beispiel das Projekt 'Bewegte Schule'. Diesbezüglich werden wir in unserem elften Fünfjahresplan der Sportinfrastrukturen die sogenannten Motoriksäle unterstützen. 

David Thinnes: Kann trotzdem mehr unternommen werden? Zum Beispiel im Bereich der Gesundheit? 

Romain Schneider:  Zusammen mit dem Gesundheitsministerium haben wir präventive Programme laufen. Wir versuchen über das Ministerium für soziale Sicherheit, Mittel zu vergeben, um die Bürger dazu zu bewegen, mehr für ihre Gesundheit zu tun. Resultate werden wir aber hier erst 2030 sehen, nicht schon in fünf Jahren. 

David Thinnes: Wäre es nicht interessant, eine Statistik erstellen zu lassen, die aufzeigt, wie viel Geld durch Sport in Luxemburg eingespart werden kann? 

Romain Schneider: Es gibt beide Statistiken: wie viel der Sport kostet und wie viel der Sport einspart. Ganz klare Zahlen werden wir diesbezüglich nie bekommen. Viele Leute waren sicherlich schon mal im Fall, dass sie nach einem Sportunfall nicht arbeiten gehen konnten. Es gibt viele Aktivitäten, die der Gesundheit förderlich sind. Und hier müssen wir gezielter arbeiten, wie zum Beispiel im Kardiobereich. Wir wollen jetzt versuchen, den Sport vermehrt in den Berufsalltag zu integrieren. Der Staat soll mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb arbeiten wir ein Projekt mit dem Staat aus. Die Chefs erhalten fittes Personal. Auf diesem Weg können wir alle Werte des Sports ausspielen. 

David Thinnes: Kommen wir zu den Infrastrukturen. Wird das neue Fußball- und Rugby-Stadion wie angekündigt im Oktober 2019 fertig? 

Romain Schneider:  Alles läuft nach Plan, auch budgettechnisch. Die Grundsteinlegung ist für den 18. September programmiert. 

David Thinnes: Wurde sich bereits Gedanken über den Namen gemacht? Wäre es eine Möglichkeit, den Namen an einen Sponsor zu verkaufen? 

Romain Schneider: Das Thema wurde in kleinem Kreis angesprochen, aber nicht konkret. Die Stadt Luxemburg hat hier sicherlich auch ein Wort mitzureden. Man muss auch bedenken, dass das jetzige Stadion einen Namen hat. Der Name soll in Verbindung mit dem Land und dem Sport stehen. Ohne einer Entscheidung vorzugreifen, werden wir den Namen nicht an einen Sponsor verkaufen. Es gibt andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel in Frankreich, wo es mit "Stade de France" neutral ausfällt. 

David Thinnes: 2016 hatten Sie in Rio mit dem Gedanken gespielt, die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft für das Eröffnungsspiel einzuladen. Ist das realistisch? 

Romain Schneider: Ich hatte das am Rande der Olympischen Spiele 2016 in Rio angesprochen und das einige Wochen danach bei den Paralympics noch einmal vertieft. Der luxemburgische Honorarkonsul in Brasilien hat Kontakt zum brasilianischen Verband aufgenommen. Bislang gab es auf jeden Fall keine Absage. Es geht darum; ein renommiertes Nationalteam für die Eröffnung zu bekommen: Da hat die FLF zu unseren Nachbarn gute Beziehungen. Mit Brasilien ist jedenfalls noch nichts entschieden. Wir werden zum richtigen Moment nachhaken. 

David Thinnes: Vor einigen Monaten haben Sie im Interview mit der Zeitung "Le Quotidien" gesagt, es wäre unabdingbar, dass das neue Internat in der Nähe des Sportlycée gebaut werden müsse. Ist das machbar? 

Romain Schneider: Prioritär wird nach einer Lösung auf dem INS-Gelände gesucht. Ich sehe das kurz- und mittelfristig, zwischen drei und fünf Jahren: Wir haben etwas auf diesem Areal aufgebaut. Das Gelände muss optimal genutzt werden. Wenn das Sportlycée dieselbe Dynamik und dasselbe Renommee längerfristig behält, muss man weiter schauen und träumen: Wo können wir ein ganz neues Zentrum bauen? Längerfristig müssten sich dann wieder neue Gedanken gemacht werden. 

David Thinnes: Wäre es denn eine Lösung, das Sportlycée an einem neuen Standort zu bauen? Das aktuelle Gebäude wird bald zu klein sein ... 

Romain Schneider: Längerfristig müssen wir diese Diskussion sicherlich führen. Wir müssen bilanzieren und schauen, was wir gezielt verbessern können und was wir noch benötigen. Auf dem Gelände fehlt eigentlich nicht viel. Wenn es einige Hektar größer wäre und weniger problematisch läge, wäre es optimal. Eine Überlegung ist, inwiefern das Sportministerium in Fetschenhof bleiben muss. Falls das aber dann eine Lösung verhindern solle, dann werden wir unseren Beitrag leisten. Aber aktuell gibt es keine Option, wo wir hingehen könnten. 

David Thinnes: Gibt es einen Zeitrahmen für das Internat?

Romain Schneider: Bis Ende des Jahres soll es eine klare Lösung geben.