„Eigentümerquote von rund 70 Prozent". Fernand Boden au sujet de la situation du logement au Luxembourg

Interview – Publié le

Luxemburger Wort: Herr Boden, Sie sind seit 1995 ununterbrochen Wohnungsbauminister. Wie hat sich der Wohnungsmarkt in dieser Zeit bis heute in Luxemburg entwickelt?

Fernand Boden: Der Wohnungsmarkt war im Laufe dieser Jahre sehr dynamisch. Er war stets Opfer des wirtschaftlichen Erfolgs von Luxemburg, eine Tatsache, welche die Zuwanderung anregte und die Nachfrage am besagten Markt ununterbrochen anheizte. Zudem erlaubten großzügige Beihilfen und niedrige Hypothekenzinsen vielen Familien vom Mieter zum Eigentümer der eigenen vier Wände zu werden, was zugleich einen zusätzlichen Druck auf die Nachfrage in punkto Quantität, Qualität und Größe bewirkte. Leerstand, Zweckentfremdung, zunehmende Anzahl der Einpersonenhaushalte, Unterbelegung, mangelnde Bereitschaft einzelner lokaler Entscheidungsträger, ihre Gemeinde oder Stadt zukunftsfähig wachsen zu lassen, usw. forderten das Wohnungsbauministerium immer aufs Neue heraus. Ständig jedoch wurde auf diesen Nachfrageüberhang durch eine aktive Wohnungsbaupolitik reagiert: Kontinuierliche Anhebung der individuellen Wohnungsbeihilfen, Einführung des super-reduzierten Mehrwertsteuersatzes, Verdopplung der Wohnungsbautätigkeit seitens der öffentlichrechtlichen Promotoren, um nur diese Beispiele zu nennen. Dies erklärt auch, warum die durchschnittliche finanzielle Belastung der Haushalte hinsichtlich der Ausgaben für die Wohnung im Vergleich zum Einkommen, so wie es vom "Observatoire de l'Habitat" kürzlich festgestellt wurde, in den letzen beiden Dekaden kaum gewachsen ist.

Luxemburger Wort: Als Wohnungsbauminister sind Sie sowohl zuständig für künftige Wohnungseigentümer als auch und vor allem für Mieter. Wie präsentiert sich die derzeitige Wohnlage in Luxemburg?

Fernand Boden: Die ausgeprägte Verbundenheit des Luxemburgers mit der Scholle und sein starker Wunsch nach einem Eigenheim für seine Familie waren stets der Motor für die überdurchschnittliche Eigentümerquote in unserem Land. Die Zuwanderung aus dem Ausland, insbesondere die temporär begrenzte, beflügelt auch die Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt.

Luxemburger Wort: Und im Vergleich mit dem Ausland?

Fernand Boden: Luxemburg liegt mit einer Eigentümerquote von rund 70 Prozent weit über dem europäischen Durchschnitt. Dazu haben nicht zuletzt auch die obengenannten Maßnahmen der Wohnungsbaupolitik beigetragen.

Luxemburger Wort: Es ist ein offenes Geheimnis, dass in der letzten Zeit viele Luxemburger im benachbarten Grenzgebiet, vor allem in Deutschland und Frankreich, nach geeignetem Wohnraum suchen, sprich dort ansässig werden. Wie reagieren Sie als Wohnungsbauminister auf diese Auswanderungswelle?

Fernand Boden: In den letzten Jahren haben die übertrieben hohen Baulandpreise den Bauwilligen die Erfüllung des Wunsches nach einem Eigenheim sehr erschwert, und manche sind bereit, den Weg ins Grenzgebiet zu gehen. Dies wollen wir ja durch den Wohnungsbaupakt vermeiden. Ein größeres Angebot, das der Nachfrage gerecht wird, soll dazu beitragen. Von Auswanderungswelle kann aber keine Rede sein, da unseren Informationen entsprechend etwa 1.900 Familien im grenznahen Gebiet eine neue Heimat gefunden haben, während jährlich mehr als 4.000 Menschen in Luxemburg ansässig werden. Übrigens sind diese neuen Wohngebiete im grenznahen Raum Teile der Großregion, die wir als integrierten Raum ausbauen wollen. Ich werde nicht müde diejenigen, die im nahen Ausland ansässig werden wollen, darauf hinzuweisen, dass man die Rechnung sehr genau machen muss, das heißt, alle finanziellen Nachteile (Wohnungsbauhilfen, Versicherungen, Steuern, Taxen, Arbeitslosenunterstützung, Erbschaftsrecht, u.v.a.m.) und alle sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen und insbesondere die Einschulung der Kinder mit in den Vergleich zum "billigen Bauland" einfließen lassen muss.

Luxemburger Wort: Hie und da hört man, die Luxemburger würden im Grenzgebiet die "Preise kaputt machen". Gibt es Druck von der ausländischen Politik?

Fernand Boden: Der Preis für Wohnungen wird mehr oder weniger durch die Zahlungsfähigkeit des Käufers definiert, unabhängig davon, ob er als Luxemburger oder als Ausländer in Luxemburg sein Geld verdient. Der Wohnungsbauminister ist keinem Druck der ausländischen Politik ausgesetzt. Im Gegenteil wird vom Grenzgebiet her in Luxemburg vielfach aktive Werbung betrieben, um Grundstücke oder Häuser zu günstigen Preisen dort zu erwerben.

Luxemburger Wort: In vielen größeren Ortschaften des Landes stehen zahlreiche Häuser und Wohnungen zum Verkauf an. Am Angebot scheint es demnach nicht zu hapern, jedoch auch nicht an der Nachfrage. Dennoch tun sich viele Haus- bzw. Wohnungsbesitzer schwer, ihre "Ware" an den Mann oder die Frau zu bringen. Woran mag das liegen? Sind die Preise in Luxemburg definitiv zu teuer?

Fernand Boden: Insbesondere der Altbaumarkt war überhitzt, und hier freuen sich sogar die Immobilienhändler und Promotoren, dass die ungesunde Preisexplosion gestoppt ist. Gesucht sind immer gute Immobilien zu einem nicht übertriebenen Preis. Wer sich von Profitgier treiben lässt, wird auf seiner Immobilie sitzen bleiben. Auch wird der Energiepass dazu beitragen, dass ältere Immobilien richtiger bewertet werden.

Luxemburger Wort: Inwiefern kann die Politik im Allgemeinen bzw. können Sie als Wohnungsbauminister im Besonderen die derzeitige Lage auf dem hiesigen Wohnungsbaumarkt beeinflussen resp. entschärfen?

Fernand Boden: Wie eben bemerkt, ist eine Beruhigung an der Preisfront eingetreten. Wenn jetzt noch am 15. Oktober dieses Jahres die Abgeordnetenkammer dem "pacte logemenf'-Gesetz zustimmt, verfugen sowohl der Zentralstaat als auch die Gemeinden endlich über wirkungsvolle Instrumentarien, um das Marktgeschehen nachhaltig zu beeinflussen und die angestrebten Ziele besser zu erreichen.

Fernand Boden: Der "Soziale Wohnungsbau" wird seit eh und je in Luxemburg groß geschrieben. Kommt der Staat den an ihn gerichteten Anforderungen noch immer nach bzw. welche Projekte sind in punkto sozialer Wohnungsbau für die Zukunft geplant?

Fernand Boden: Wir sprechen in Luxemburg generell nicht von "sozialem" Wohnungsbau, sondern in erster Linie von "subventioniertem" Wohnungsbau. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die öffentlichrechtlichen Promotoren, ich denke besonders an die beiden parastaatlichen Institutionen Societe nationale des habitations a bon marché (SNHBM) und Fonds du logement, ihre Bautätigkeit quasi verdoppelt haben. Und ich kann ihnen verraten, dass wirklich bedeutende Projekte sich in der Planungsphase befinden. Ebenso haben viele Gemeinden sich verpflichtet, im Rahmen des eigentlichen "pacte-logement"-Vertrages ihren Beitrag zur Förderung eines kostengünstigeren Wohnungsbaus zu leisten.

Luxemburger Wort: Vermehrt hört man Mieter über zu hohe Mieten klagen. Sind diese Klagen gerechtfertigt? Wenn ja, gibt es in diesem Land einen ausreichenden Mieterschutz?

Fernand Boden: Luxemburg besitzt seit Ende des Jahres 2006 ein modernes Mietgesetz, das darauf ausgerichtet ist, beide Seiten, den Mieter und den Vermieter, vor Missbrauch zu schützen. Ausgewogene Bestimmungen sorgen dafür, dass der Mieter finanziell nicht überfordert wird, und dass der Vermieter die geschuldete Miete auch tatsächlich bekommt, seine Wohnung am Ende des Mietvertrages in gutem Zustand wiedererhält, und, was wichtig ist, das Gefühl hat, tatsächlicher Eigentümer der vermieteten Wohnung zu sein. Man kann sagen, dass die Mieten seit Inkrafttreten des Mietgesetzes nicht in die Höhe geschnellt sind. In anderen Worten, es ist eine gewisse Stabilisation eingetreten.