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Discours
Jean-Marie Halsdorf, Discours prononcé à l'occasion de la commémoration annuelle des victimes des camps de concentration nazis, Hinzert
20-09-2012

Vers le niveau supérieur
Wir alle hier sind der Einladung des Komitees für die Erinnerung an den Widerstand (CDSR) und der "Amicale Hinzert" gefolgt, um den Luxemburgern zu gedenken, die im Lager Hinzert interniert waren. Die Namensliste der hier ermordeten Gefangenen ist lang. Hier wurden unzählige Häftlinge vieler Nationen geknechtet und gefoltert. Sie alle sind Opfer des Nationalsozialismus. Unsere Gedanken gelten ihnen und ihren Familien.

Dieses nur wenige Kilometer von Luxemburg im Hunsrück gelegene Lager erinnert an jene dunklen Stunden, die unser Land vor mehr als 70 Jahren durchleben musste. Hier wurden Menschen gebrochen und vernichtet. Für viele Familien ist dies noch heute ein Ort der Trauer.

Hinzert steht sinnbildlich für das erfahrene Leid und die Entbehrungen, als auch den gelebten Widerstandswillen des Luxemburger Volkes. Hinzert spricht von der unvorstellbaren und unsäglichen Barbarei, welche eine tiefe Wunde in die Luxemburger Seele gerissen hat. Die hier internierten Personen waren hier, weil sie den Mut hatten, Widerstand zu leisten. Sie waren hier, weil sie dem Eindringling und dessen unerbittlichen Unterdrückung die Stirn boten.

Für uns – heute - ist die Gedenkstätte ein Ort des Innehaltens, des Nachdenkens. Ein Ort der Stille!

Zugleich aber mahnt uns Hinzert zur Verantwortung, zur Wachsamkeit. Ein Ort des Aufschreis!

Heute tragen wir die Verantwortung, dass weder das von den Nazi-Schergen in der "Hinzerter Hölle" begangene Unrecht, noch die beispielhafte Haltung vieler Luxemburger in Vergessenheit geraten.

Diese unsere Verantwortung ist groß! Wir verpflichten uns jene Menschen dankend zu würdigen, die ihr Leben einsetzten, um unsere Freiheit wieder zu erkämpfen. Durch ihr Handeln wurde unser Land zu dem was es heute ist. Darüber hinaus möchten wir mit aller Kraft künftige Generationen vor solchen Situationen bewahren. Deshalb müssen wir einen ständigen Dialog mit unserer Jugend fördern. Wir sollen Ihnen das weiterreichen was unsere Eltern und Grosseltern uns an Lebenserfahrung mitgegeben haben.

1945 lag Europa in Schutt und Asche. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, hatte man eine gute Wahl getroffen: die kriegsgezeichnete Generation verzieh den einstigen Feinden. Sie rückten zusammen. Gemeinsam bauten sie Europa und den Frieden wieder auf. Luxemburg engagierte sich in den Vereinten Nationen und in der Europäischen Union.

Damals hatten wir verstanden: wenn wir künftig die Spannungen und Zerrissenheiten der Vergangenheit nicht wiederholen wollen, müssen wir solidarisch sein.

Auf dieser Basis gründend kannten wir dann eine Periode großen Wachstums und beispielsloser Stabilität. Trotzdem waren Konflikte nicht gebannt. Doch sie schienen uns sehr fern. Eine gewisse Bequemlichkeit beschlich unser Denken. Der Fall der Berliner Mauer und das Ende des Kalten Krieges verstärkten diese Haltung.Das Erwachen war umso schmerzhafter: Die Ereignisse in Ex-Jugoslawien und im Kosovo erinnerten uns daran, wie verwundbar wir wirklich sind! Freiheit und Frieden sind keine Selbstverständlichkeit.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts mussten wir feststellen, dass erneut dunkle Wolken den europäischen Horizont verfinsterten. Wir wurden gezwungen, unsere Blickwinkel auf die Welt um uns herum und ihre zeitgenössische Geschichte zu ändern. Hatten wir doch tatsächlich geglaubt, dass sämtliche Konflikte regionalen Charakter hatten und lediglich Ausdrücke einer Spannung zwischen zwei Blöcken wären! Ihr Fortbestand und Wiedererstärken nach 1990 hat uns eines Besseren belehrt.

Vor allem der Anschlag auf das World Trade Centre am 11. September 2001 - vor fast genau elf Jahren – lehrte uns, dass in einer globalisierten und mediatisierten Welt örtliche und regionale Kriege, sowie der Aufstieg extremistischer Geisteshaltungen und Handlungen eine äußerst beklemmende und destabilisierende Wirkung auch auf uns im so sicher geglaubten Europa haben.

Wir leben in schwierigen Zeiten. Fast täglich werden wir Zeugen wie erneut Gräben zwischen Völkern und Kulturen von hasserfüllten und machtgierigen Demagogen gezogen werden. Wie ein Schneeball, der nur all zu schnell zu einer tödlichen Lawine wächst, kann heute ein örtliches Ereignis den Weltfrieden in Flammen setzen.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 bahnte Kräften den Weg an die Macht, welche unbeschreibliches Unheil über Luxemburg, Europa und die Welt brachten. Auch wenn wir nicht all zu leichtfertig mit Vergleichen umgehen sollten, so gibt es gewisse Parallelen zwischen damals und heute. Die gegenwärtige gespannte wirtschaftliche und politische Lage birgt große Risiken für die Stabilität der Staatengemeinschaften.

Luxemburg hält seit Jahrzehnten an einer aktiven "3 D" Doktrin, d.h. Diplomatie, Entwicklung, Verteidigung fest. Zwei Mal im Laufe 20. Jahrhundert, 1914 und 1940, musste unser Land feststellen, dass Neutralität keine Lösung war.

Auch wenn im Jahre 2012 der Kontext ein anderer ist, Verantwortung für das was er sagt und tut muss jeder von uns als Mensch, Bürger des Großherzogtums oder Bürger Europas übernehmen!

Hinzert sollte uns besonders in diesen Tagen zu Weitsicht und Nachhaltigkeit aufrufen. Zum Teil wird der soziale Frieden innerhalb unserer Gesellschaft in Frage gestellt. Engagement und Solidarität sind keine leeren Begriffe. Wir müssen sie leben, sie praktizieren, so wie es jene getan haben an welche wir hier und heute erinnern. Die Alternative zu dieser Haltung wäre Passivität gegenüber den Geschehnissen in unserem Umfeld. Wir dürfen und wir können keine Vogel Strauß Politik betreiben und uns vor unserer Verantwortung drücken. Eine solche Einstellung würde dem Vermächtnis jener, welche an diesem Ort gelitten haben, nicht gerecht werden.

70 Jahre sind es nun her, dass in den frühen Septembertagen 1942, 21 Luxemburger hier in Hinzert ermordet worden sind. 70 Jahre sind es her dass ein kleines Volk sich gegen eine brutale Besatzungsmacht zur Wehr setzte, als diese versuchte nach dessen Jugend als Zwangssoldaten für einen verbrecherischen Vernichtungskrieg zu greifen. Hinzert wurde in den folgenden Monaten und Jahren zum Tatort grausamer Verbrechen an unseren Landsleuten.

Die "Stätten der Unmenschlichkeit", das Wercollier Denkmal, sie warnen uns heute: Seht zu was der Mensch fähig ist! Die Luxemburger Regierung arbeitet konsequent daran, die Jugend Geschichts- und Erinnerungsarbeit mit gestalten zu können. Nur so wird nicht vergessen, was nicht vergessen werden sollte. Die jungen Leute müssen zunächst verstehen was passiert ist, damit sie die Gegenwart besser deuten können. Das Bildungswesen, sowie die Forschungseinrichtungen sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung.

Anlässlich der Eröffnung des Dokumentations- und Begegnungshauses vor 7 Jahren, unterstrich Premierminister Jean-Claude Juncker, dass Orte der Erinnerung wie dieser, "Meilensteile auf dem Weg in die Zukunft" sind. Ich stimme dem vollkommen zu. Wir sollten uns zum einen vor der bequemen, gar überheblichen Vorstellung hüten, uns könne nichts passieren. Zum anderen sind wir dazu verpflichtet, den nachkommenden Generationen die Flamme der Erinnerung weiter zu reichen.

Nur so geraten die Menschen, welche die "Hölle von Hinzert" erleben mussten nicht in Vergessenheit. Nur so werden wir unserer Verantwortung vor der Geschichte gerecht. Nur so bauen wir unsere gemeinsame Zukunft.



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