|
d'Wort: Es gab ein Jahr der Logistik, das Jahr der Gesundheitstechnologie, unter welches Motto stellt der Wirtschaftsminister 2008?
Jeannot Krecké: 2008 steht die Umsetzung derjenigen Initiativen an, die ich auf den Weg gebracht habe. Vieles ist in der Vorbereitung und es bringt nichts, noch weitere Großprojekte anzufangen. Inzwischen greifen einige Initiativen. Ich denke aber, dass ich mich noch mehr bemühen muss, Luxemburger Unternehmen für ausländische Märkte zu interessieren. Wir sind im Moment noch nicht hungrig genug. Es ist jedoch eine Tatsache, dass wir Wachstum auch verstärkt im Export suchen müssen.
d'Wort: Was ist aus den Plänen geworden, in Düdelingen eine spezielle Zone für den Bereich Gesundheitstechnologie zu gründen?
Jeannot Krecké: Die Umsetzung dieser Initiative verzögert sich, weil die Grundstücksfrage noch nicht abschließend geklärt ist. Wir haben uns daher nach Alternativen umgesehen und ich kann sagen, dass wir ein größeres Forschungsprojekt im Bereich der Gesundheitstechnologie auf dem Gelände der Universität vorbereiten. Aus der Forschungsarbeit könnten sich konkrete Geschäftspläne ergeben. Bei diesem Projekt arbeite ich eng mit den Ministern François Biltgen und Mars Di Bartolomeo zusammen. Ich hoffe, dass wir vor der Sommerpause Konkretes mitteilen können.
d'Wort: Neben der Gesundheitstechnologie soll die Logistikbranche zur Diversifikation der Luxemburger Wirtschaft beitragen. Sind Sie zufrieden mit der bisherigen Entwicklung?
Jeannot Krecké: Der Aufbau des Logistikzentrums läuft gut. Wir müssen aber verstärkt den Anschluss an die europäischen Häfen suchen. Ich war zu Gesprächen in Hamburg, Anfang Mai besuche ich den Hafen in Rotterdam und Antwerpen. Außerdem müssen wir schauen, wie sich CFL Cargo entwickelt. Sie spielt eine besondere Rolle für den Anschluss an die Häfen. Insgesamt müssen wir schneller vorankommen. Die Genehmigungsprozeduren dauern vielfach zu lang.
d'Wort: Wie nah ist der Wirtschaftsminister seinem ehrgeizigen Ziel gekommen, die Luxemburger Wirtschaft unabhängiger vom Finanzplatz zu machen?
Jeannot Krecké: Nicht weit genug. Aber nicht aus dem Grund, dass wir nicht genug unternommen hätten, um die Wirtschaft zu diversifizieren, sondern weil das Wachstum des Finanzplatzes anhaltend stark war. Im Klartext: Der Finanzplatz entwickelt sich mindestens mit derselben Geschwindigkeit wie unsere Diversifikationspolitik.
d'Wort: Es ist schon Tradition, dass der Wirtschaftsminister viel unterwegs ist. Zuletzt in Saudi-Arabien, demnächst in Israel, der Türkei und China. Welche Ergebnisse bringen Sie mit von den jüngsten Reisen?
Jeannot Krecké: Viel macht viel möglich. Ich fahre nicht in einzelne Länder, nur um Unternehmen nach Luxemburg zu holen. Es geht darum, unseren Betrieben den Schritt nach draußen zu erleichtern, sei es um ihre Produkte zu verkaufen oder um mit möglichen Partnern in Joint Ventures' neue Märkte zu erschließen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Investitionen anzuziehen. Geld ist in Ländern wie Saudi-Arabien oder China genügend vorhanden. Wir haben nicht genug Projekte, um Kapital z.B. aus den Staatsfonds für attraktive Unternehmungen zu binden. Luxemburg hat einen guten Namen in der Welt, allerdings nutzen wir unseren Ruf nicht ausreichend.
d'Wort: Warum fällt es so schwer, Luxemburger Unternehmen verstärkt für Geschäfte im Ausland zu interessieren?
Jeannot Krecké: Es ist ein Zeichen dafür, dass es hierzulande noch genug zu verdienen gibt. Es ist außerdem kein einfacher Schritt, auf neuen Märkten Fuß zu fassen. Astron Buildings z.B. wird sein Werk in Russland nicht dort aufbauen, wo es ursprünglich geplant war. Vor Ort haben sich die politischen Verhältnisse verändert, es gab einen neuen Gouverneur und einst getroffene Abmachungen werden über den Haufen geworfen. Das würde in Luxemburg so nicht passieren. Wir preisen im Ausland unsere politische Stabilität und an solchen Ereignissen erkennt man, was das wert sein kann. Ausländische Investoren wissen das.
d'Wort: Für die Aktivitäten im Ausland spielt die neue Agentur LuxembourgforBusiness eine wichtige Rolle. Was erwarten Sie sich von dieser Agentur?
Jeannot Krecké: In der Agentur wollen wir die verschiedenen Promotions-Aktivitäten bündeln, um ein einheitliches Bild Luxemburgs im Ausland zu vermitteln. Es sind also vor allem Koordinierungsaufgaben zu bewältigen. Außerdem muss die Nachbereitung optimiert werden, Kontakte, die geknüpft wurden, müssen gepflegt werden. Wir machen die Türen auf, aber die Betriebe müssen die Möglichkeiten nutzen. Die Agentur soll Unternehmen für die Auslandsmissionen begeistern.
d'Wort: Der Staat investiert fünf Millionen Euro in die Agentur, rund zwei Millionen Euro kommen aus dem Privatsektor. Was passiert mit dem Geld?
Jeannot Krecké: Das ist eine Startkapitalisierung, die finanzielle Basis der Agentur. Die laufenden Kosten der Agentur werden aus den Erträgen bezahlt, die sich aus der Anlage des Startkapitals ergeben. Für gezielte Maßnahmen schießen der Staat und die Chambre de Commerce zusätzliches Geld bei.
d'Wort: Warum ist LuxembourgforBusiness nicht nach einem ähnlichen Modell organisiert wie LuxembourgforFinance, also in Form einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Staat und Privatsektor?
Jeannot Krecké: Bei Luxembourgforßusiness greifen wir auf vorhandene Strukturen zurück, die es im Finanzsektor vorher so nicht gab. Unsere Aufgabe besteht weniger darin, Kunden zu gewinnen. Wir nehmen Unternehmen mit, damit die für sich Kunden und Märkte gewinnen können. Das ist ein anderer Ansatz. Im Finanzsektor ist zudem die Motivation höher, etwas gemeinsam mit dem Staat zu unternehmen. Der Industrie fällt ein solcher Schritt schwerer.
d'Wort: Wie fügt sich das Board of Economic Development (BED) in die Agentur ein? Welche Rolle spielt Erbgroßherzog Guillaume, Präsident des BED?
Jeannot Krecké: Wir wollen den Erbgroßherzog in einer ähnlichen Funktion wie im BED integrieren. Wir haben ihm angeboten, Präsident von LuxembourgforBusiness zu werden. Das BED konzentriert sich auf die Aufgabe, Investitionen anzuziehen. Das geschieht in der Regel ohne große Öffentlichkeit. Daher kann man das BED nicht einfach der Agentur unterordnen. Es bestehen aber enge Verbindungen zwischen den Entscheidungsgremien.
d'Wort: Die ganze Welt spricht vom Beginn einer wirtschaftlichen Abkühlungsphase. Muss auch Luxemburg den Gürtel enger schnallen?
Jeannot Krecké: Luxemburg ist keine Insel. Daher werden wir die Auswirkungen einer allgemeinen konjunkturellen Abkühlung zu spüren bekommen. Die Frage ist wie stark? Es gibt zwei Faktoren: Zum einen den Einfluss der Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten und zum anderen die Entwicklung um uns herum. Unsere Exporte hängen zu etwa 56 Prozent von den direkten Nachbarn ab und zu über 80 Prozent von der EU. Wir müssen weiter über den Tellerrand hinausschauen. Luxemburgs Industrie muss sich geografisch diversifizieren. Das ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Wir dürfen uns nicht allein auf den europäischen Markt verlassen.
d'Wort: Wie ist eine steigende Inflation, eine konjunkturelle Abkühlung und eine Steigerung der Lohnmasse um 2,5 Prozent zum 1. März in Einklang zu bringen?
Jeannot Krecké: Wir haben es bislang geschafft, diese drei Faktoren mit verschiedenen Abmachungen in der Tripartitc in Einklang zu bringen. Wir haben bis auf kleine Differenzen dieselbe Inflationsrate wie der Durchschnitt der EU. Viele Sachen wie die Energiepreise können wir nicht steuern. Den kleinen Teil, den wir beeinflussen können, werden wir beeinflussen. Die Luxemburger Lohn- und Preisstruktur lässt es nicht zu, dass wir die günstigsten Preise haben.
d'Wort: 2009 läuft die Vereinbarung der Tripartite zur Steuerung der automatischen Lohnanpassung aus. Gibt es eine Verlängerung oder einen neuen Vertrag?
Jeannot Krecké: Wir müssen das von der wirtschaftlichen Situation abhängig machen. Diese bedingt, was geschieht. Wenn die Situation gut ist, werden wir den Automatismus wiederherstellen. Ist sie es nicht, müssen wir mit den Sozialpartnern reden. Das ist das Luxemburger Modell.
d'Wort: Was hält der Wirtschaftsminister von der Abschaffung des Index?
Jeannot Krecké: Das ist meiner Ansicht nach keine Lösung. Wir haben durch die Indexierung der Löhne und Gehälter auch eine Reihe Vorteile. Wir haben z.B. Ruhe in den Betrieben, weniger Streiks und trotzdem einen gewissen Ausgleich des Kaufkraftverlustes. Das Instrument ist keine Bremse für unser Wachstum, solange wir daran arbeiten, die Produktivität zu steigern.
|