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Tageblatt: Wie würden Sie einem Beschäftigten die Bedeutung des Einheitsstatuts erklären?
Mars Di Bartolomeo: Das Einheitsstatut ist eine der sozialpolitisch enorm wichtigen Reformen, weil alle bisherigen Differenzen zwischen Arbeiter und Angestellten im Arbeits- und Sozialrecht abgeschafft werden. Es wird kein Statut des Arbeiters und des Angestellten, sondern nur noch das der Beschäftigten geben, mit den gleichen Rechten bei der Lohnfortzahlung, bei der Vergütung der Überstunden, bei den Abgangsentschädigungen. Damit wurde den Vereinbarungen der Tripartitc Rechnung getragen, wo eine der Vorgaben lautete, sich beim Einheitsstatut an das der Angestellten anzunähern.
Tageblatt: Was waren die schwierigsten Momente bei den doch recht langen und langwierigen Verhandlungen?
Mars Di Bartolomeo: Die schwierigsten Augenblicke waren wohl die, wo aneinander vorbei geredet wurde, wo immer wieder dieselben Vorwürfe wiederholt wurden, insbesondere bezüglich der Kostenneutralität. Es gelang, die Versprechen gegenüber den Gewerkschaften einzuhalten, d.h. die Harmonisierung nach oben. Gegenüber dem Patronat einigten wir uns bezüglich der Kostenneutralität. Der Knoten löste sich, nachdem der Staat sich bereit erklärte, sich ernsthaft finanziell an der Mutualitätskasse zu beteiligen. Was auch berechtigt ist, weil die Reform auch auf strukturellem Plan extrem wichtig ist. Aus den vielen Krankenkassen des Privatsektors wird eine nationale Gesundheitskasse, was die Steuerungsmöglichkeiten des Systems verbessern wird. Dazu gehört auch, dass jeder in diesem System das bekommt, was er braucht, und nicht daraus nimmt, was ihm nicht zusteht. Das gilt für alle, die mit diesem System zu tun haben, das heißt die Ärzte und die direkten Nutznießer.
Tageblatt: Welche Zugeständnisse machte die Regierung an das Patronat in der Frage des "Absentéisme"? Müssen Kranke verstärkt mit Kontrolleuren an der Haustür rechnen?
Mars Di Bartolomeo: Die Diskussion über Fehlzeiten kann nicht auf Missbräuche reduziert werden. Wir sind kein Land von Blaumachern. Die Statistiken zeigen, dass wir uns diesbezüglich gut halten.
In der Frage des Absentéisme wollen wir nicht mit dem Finger auf die zeigen, die Missbrauch betreiben, sondern sämtliche Facetten dieser Problematik beleuchten: Gesundheitsförderung, Ursachenbekämpfung, Vermeidung von Fehlzeiten statt Hexenjagd also.
Die Regierung will einen Prozess vorschlagen, der wirksamer ist als die bloße Kontrolle. Wir wollen eine Kultur der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz schaffen.
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