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Luxemburger Wort: Am Ende waren es unüberbrückbare Differenzen zwischen den USA und Indien, die das Scheitern verursachten. Wo stehen die Europäer?
Nicolas Schmit: In diesem spezifischen Streit um Schutzmaßnahmen gegen zu hohe Importe, der schlussendlich zum Abbruch der Gespräche führte, haben die Europäer sich herausgehalten. Bei vielen Delegationen spürte ich aber Sympathien für die Position der Inder. Immerhin leben auf dem Subkontinent 600 Millionen mittellose Bauern, und die indische Regierung musste ihre Verantwortung übernehmen, um sie zu schützen.
Luxemburger Wort: Sind die Entwicklungsländer selbstbewusster geworden?
Nicolas Schmit: Ohne Zweifel gibt es Kräfteverschiebungen bei den multinationalen Verhandlungen. China und Indien sind neue, mächtige Akteure. Brasilien sieht sich als Agrarriese und nimmt eine Sonderrolle ein. Doch die Entwicklungsländer sind kein zusammenhängender Block mehr. Tatsache ist, dass die wirklich armen Länder durch das jetzige Scheitern sehr schlecht weggekommen sind. Bei der Baumwolle sind die Probleme noch immer nicht gelöst.
Luxemburger Wort: Wie steht Luxemburg zum Abbruch der Beratungen?
Nicolas Schmit: Mit Bedauern nehmen wir das Scheitern dieser Gespräche zum Abschluss der Doha-Runde zur Kenntnis. Als kleines Land haben wir ein großes Interesse an einer weiteren Liberalisierung bei den Dienstleistungen. All die Fortschritte, die in diesem Bereich erzielt wurden, liegen jetzt auf Eis, denn es kann ja immer nur das Gesamtpaket verabschiedet werden. So ein Kompromiss muss von allen 153 WTO-Landern gebilligt werden - ohne Ausnahme.
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