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WDR2: Wie schwer war es gestern Einigkeit zu erzielen?
Jean Asselborn: Ich glaube es war schon schwieriger, denn wir sind uns bewusst geworden, dass die Einzigen die eine Rolle als Vermittler spielen können in diesem Konflikt, die Europäer sind, wir das sind. Die Amerikaner haben sehr schnell Position bezogen, und haben sich, das ist ja eine Tatsache, in eine Situation begeben, wo sie zur Zeit nur schwer mit Russland auf einen gemeinsamen Nenner kommen können, und damit eine Vermittlerrolle übernehmen können. Dieses Bewusstsein hat uns auch vielleicht das Selbstbewusstsein gegeben, dass wir diese Verantwortung die wir jetzt zu tragen haben, dass wir die auch ernst nehmen.
WDR2: Sie haben es gesagt, es war schon schwieriger in der Vergangenheit, weil die EU-Aussenpolitiker sich häufig durchaus zerstritten, Stichwort Irakkrieg. Hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?
Jean Asselborn: Ja, das wurde gestern von vielen Delegationen aufgeworfen, 2003 waren wir zerstritten. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir eine, sagen wir einmal, eine Appreziation, eine Herangehensweise im Osten und im Westen Europas haben, vor allem was Russland angeht, wo wir nicht immer auf derselben Schiene sind. Das ist eben die Geschichte, die uns das mit auf den Weg gegeben hat, und das soll man verstehen und respektieren.
Aber der Streit zwischen Ost und West darf die Europäische Union nicht lähmen, das haben vor allem auch die osteuropäischen Länder eingesehen. Auch viele westeuropäischen Länder, wenn ich so sagen darf, haben eingesehen, dass man eine Balance finden muss, einen Ausgleich finden muss, auch im Umgang mit Russland und ich glaube das haben wir versucht, oder anständig hinbekommen.
WDR2: Aber haben Sie denn auch den Eindruck, dass Russland sich durch diese europäische Geschlossenheit beeindrucken lässt?
Jean Asselborn: Also Russland, das sehen Sie ganz klar am 26. August als die Börse in Russland nicht gut aussah, braucht die Europäische Union, vor allem wirtschaftlich, aber auch, glaube ich, politisch. Umgekehrt brauchen wir auch als Europäische Union, die ja diesen Kontinent mit Russland politisch wie auch, geographisch zu teilen haben, wenn ich so sagen darf, brauchen Russland.
Also folgendes darf man nicht unterschätzen: Russland weiss haargenau was auf dem Spiel steht, und macht auch sehr viele Anstalten, auch wenn die nicht immer ins Publikum kommen, um auch zu helfen diese Situation zu bereinigen. Die Spirale, wie der Aussenminister Deutschlands gesagt hat, der Eskalation wurde ja zurückgedreht, das ist wichtig. Vergessen wir nicht, dass Russland nicht nur in der demokratischen Entwicklung, sondern auch in der wirtschaftlichen Entwicklung sehr, sehr viel Interesse an Europa hat, und darum soll man nicht unterschätzen was wir getan haben.
WDR2: Zu den Ergebnissen des Sondergipfels der Europäischen Union in Sachen Kaukasus war das der Aussenminister von Luxemburg und Vize-Premierminister Jean Asselborn im WDR2-Gespräch. Ich danke Ihnen, auf Wiederhören.
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