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Interview
"Wir werden weiterhin 95 oder 96% unserer Energieversorgung über den klassischen Weg absichern." Jeannot Krecké au sujet du marché de l'énergie au Luxembourg
"Forum" du 11-09-2008

Vers le niveau supérieur
Forum: Herr Krecké, Sie sind seit 2004 luxemburgischer Wirtschaftsminister und in dieser Funktion auch "Energieminister". Inwieweit ist das Energieressort eine eigenständige Einrichtung?

Jeannot Krecké: Das Energieressort ist dem Wirtschaftsministerium angegliedert, jedoch als relativ eigenständige Abteilung, die übrigens sehr effizient arbeitet.

Forum: Wie viele Juristen und Ökonomen kümmern sich im Ministerium um diesen Bereich?

Jeannot Krecké: Zwei Ingenieure, ein Jurist, ein Ökonom, ein weiterer Akademiker, dazu ein paar Beamte mittlerer Laufbahn - alles in allem ein kleines Team.

Forum: Handelt es sich bei der Energiepolitik um eine strategische Domäne, die mit dem Premier- und dem Außenminister abgesprochen wird?

Jeannot Krecké: Mit Sicherheit. Die Energiepolitik hat große Bedeutung für die Wirtschaft im Besonderen und für das Land im Allgemeinen. Sie ist ein strategisches Element der Landespolitik.

Forum: Wie sehen Sie die Entwicklung des weltweiten Energiemarktes und wie analysieren Sie die Energiesicherheit West- und Mitteleuropas?

Jeannot Krecké: Ich war kürzlich wieder in China. Wer öfters in diesem Land war - ich reise seit Anfang der 90er Jahre regelmäßig nach China -, kann eine beeindruckende Entwicklung feststellen. Am Beispiel dieses Landes lässt sich mit bloßem Auge beobachten, wie immer mehr Autos, immer mehr Klimaanlagen, immer mehr Gebäude und Fabriken Energie verbrauchen. Der Energiebedarf Chinas und anderer Schwellenländer wächst rasant. An Ort und Stelle spürt man, dass wirklich Dramatisches geschieht, auf das wir selbstverständlich keinen Einfluss haben. Durch das Wachstum in diesen Ländern steigt der Weltenergieverbrauch weiterhin an. In Europa versuchen wir, bewusster Energie zu sparen, uns energieeffizienter auszurichten und wenn möglich, erneuerbare Energien einzusetzen. Aber die Absicherung der Energieversorgung in Europa wird leider nicht von Europa aus gesteuert. Nimmt man die großen primären Energiequellen, so sieht es innerhalb Europas düster aus: Öl gibt es immer weniger bei uns, in der Nordsee noch kleine Vorkommen, der Rest befindet sich jedoch in Ländern, die außerhalb Europas liegen; eine ähnliche Situation haben wir beim Gas. Da elektrische Energie immer eine andere primäre Energiequelle voraussetzt, ist klar, dass wir auch dort stark abhängig sind. Diese Abhängigkeit riskiert in den kommenden Jahren noch größer zu werden.

Forum: Wie ist es zu den hohen Öl- bzw. Energiepreisen gekommen? Welches sind die wichtigsten Faktoren?

Jeannot Krecké: Erstens, der gestiegene Energieverbrauch in einer Reihe von Ländern, die bisher nicht so sehr ins Gewicht fielen. Zweitens, der bis vor kurzem niedrige Barrel-Preis, der bewirkt hat, dass nicht mehr sehr viel oder nicht genug investiert wurde, besonders in Raffinerien. Und drittens gibt es mittlerweile Unsicherheiten im Zusammenhang mit CO2 -Emissionen, die zu verminderter Investitionsbereitschaft im Energiesektor geführt haben. Politisch ist die Situation auch kompliziert. Man kann nicht einfach morgen in den Iran gehen, um eine Raffinerie zu bauen, oder übermorgen im Irak nach Öl bohren. D. h., das Angebot ist nicht in dem Maße garantiert. Zu den Gründen für die steigenden Energiepreise gehört auch zum Teil das Phänomen der Spekulation. Es gibt Leute, die entdeckt haben, dass Energieressourcen, wie andere Assets, auch an der Börse gehandelt werden können. Schließlich bringt der globalisierte Markt auch mit sich, dass Vorkommnisse wie z. B. ein Hurrikan im Golf von Mexiko Ängste und Überreaktionen an der Börse provozieren. Aufgrund all dieser Faktoren stiegen die Energiepreise in den letzten Monaten. Sie werden sich wieder etwas beruhigen, aber auf lange Sicht werden sie hoch bleiben.

Forum: Wie wird sich Ihrer Ansicht nach der Ölpreis in den nächsten Jahren entwickelnd?

Jeannot Krecké: Ich hoffe, dass er nicht mehr auf die Höhen steigt, die er vor kurzem mit fast 150 Dollar pro Barrel erreicht hatte, und ich hoffe auch, dass er nicht - wie von Einzelnen vorausgesagt - auf 200 Dollar klettern wird, da bei diesem Preisniveau Probleme für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Länder entstehen. Obschon der Barrelpreis in den letzten Wochen wieder viel an Wert verloren hat, werden wir sicherlich nicht mehr zur Situation zurückkehren, wo wir Erdöl für 20 oder 25 Dollar pro Barrel einkaufen konnten.

Forum: Die International Energy Agency hat Luxemburg immer wieder vorgeworfen, dass es die Bereitstellung von Öl- und Benzinreserven vernachlässigen würde. Wie steht es mit der Versorgungssicherheit Luxemburgs im Falle einer wirklichen Krise? Für wie viele Tage hat das Land vorgesorgt?

Jeannot Krecké: Ich schätze, dass wir hierzulande selbst über Reserven für maximal 20 Tage verfügen können. Wir müssten aber den Bedarf von 45 bis 55 Tage in unserem Lande garantieren können. Diese Mengen haben wir zwar auch abgesichert, in der Tat haben wir Reserven für insgesamt 90 Tage abgesichert, doch diese Reserven befinden sich im Ausland und der Zugriff auf sie ist z. B. im Falle einer LKW-Blockade nicht garantiert. Deshalb müssen die Transportwege diversifiziert werden - Wasser, Schiene, Straße -, mit denen die Ölreserven im Falle eines Falles nach Luxemburg transportiert werden können.

Forum: Arbeitet Ihr Ministerium an einem Konzept, wie man das Land ohne zu große Verwerfungen aus dem Ölzeitalter herausholt?

Jeannot Krecké: Dieses Thema, sowie selbstverständlich auch andere Themen werden Teil der Studie "Erarbeitung einer Energiestrategie für Luxemburg" sein, die von den Herren Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer Institut, Dr. Dieter Ewringmann und Dr. Hans-Joachim Hziesing in Ausarbeitung ist.

Forum: Eine Umstellung wird aber nötig sein, oder?

Jeannot Krecké: Die Umstellung wird noch lange dauern. Das Ölzeitalter wird in zehn Jahren sicher noch nicht vorbei sein. Es gibt drei Ausrichtungen: Wir müssen besonders große Anstrengungen unternehmen, um weniger zu verbrauchen - durch Einsparungen und Effizienzsteigerungen in allen Bereichen. Zweitens müssen wir versuchen, alles was möglich ist im Bereich der erneuerbaren Energien auszuloten - aber, bedingt durch die geographischen, meteorologischen und geologischen Gegebenheiten, gibt es hier in Luxemburg kein sehr großes ausschöpfbares Potential für erneuerbare Energien. Drittens müssen wir - da der Anteil erneuerbarer Energien in den nächsten Jahren kaum über 4% steigen wird - weit über 90% unserer Energieversorgung über den klassischen Weg absichern. Darum sind sowohl Gas, Öl und andere fossile Energiequellen für Luxemburg weiterhin von großer Bedeutung. Nur eine Revolution in den Energietechnologien mag diese Situation verändern.

Forum: Spielt die Klimafrage in Ihren Überlegungen eine Rolle? Oder ist diese Problematik ein willkommenes Argument, um die Bürger zu größeren Anstrengungen beim Energiesparen anzuhalten, obwohl dies finanziell für den Einzelnen oftmals gar nicht zwingend ist?

Jeannot Krecké: Ja sicher. Seit den 70er Jahren wissen wir, dass wir sparen müssen, und haben dies nach der Ölkrise 1973 auch eine kurze Zeit durchgezogen. Danach ist das Sparen wieder aus der Mode geraten. Die Menschen ändern ihre Konsumgewohnheiten leider erst dann, wenn diese teuerer werden und wenn es ein anderes gutes Argument gibt. In diesem Fall handelt es sich um eine ernste Sache: der Treibhauseffekt und seine Konsequenzen. Hier muss jeder seine Verantwortung übernehmen. Das Problem ist nur, dass dies nicht umsonst ist, sondern große Anstrengungen mit sich bringt, hauptsächlich finanzieller Natur. Europa muss seine Verantwortung übernehmen. Leider wird das bei weitem nicht genügen, denn sollte das Problem in seinen Ausmaßen und Effekten derartig reell sein, dann ist Europa nur ein sehr kleiner Teil dieses Problems. Viele Länder außerhalb Europas befinden sich in dieser Frage auf einer ganz anderen Schiene. Die sind am Ausbauen und nicht am Zurückschrauben.

Forum: Haben Sie Zweifel, ob es sich um ein reelles Problem handelt?

Jeannot Krecké: Man weiß ja nicht, wie groß das Problem ist. Die Experten streiten darüber und es gibt viele Meinungen dazu. Die Luxemburger Regierung geht aber davon aus, dass es ein ernstes Problem ist.

Forum: Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen kommt der angekündigten Fusion zwischen den drei regionalen Energieanbietern eine besondere Bedeutung zu?

Jeannot Krecké: Wenn man die Energieversorgung im Strom-oder Gasbereich absichern will, muss man als Staat darauf zielen, einen starken Einfluss zu behalten - insbesondere auf die Infrastrukturen. Die Aktionärstruktur, wie ich sie vorfand, war ein einziges Sammelsurium, in dem man sich nicht zurecht findet. Es gibt hierzulande zwei Stromnetze: das industrielle der Sotel und das öffentliche der Cegedel. Die erste Idee war, diese beiden Akteure im Bereich Strom zusammenzubringen. Doch dann haben wir uns gesagt: Warum nicht auch die Gasversorgung mit einbeziehen? Warum nicht Soteg und Cegedel zusammenbringen? Denn ab einer gewissen Größe hat man bessere Einkaufschancen, hat man die Möglichkeit eine Balance herzustellen zwischen Gas und anderen Energieformen: Synergieeffekte entstehen, wenn man sowohl Elektrizität als auch Gas verkauft. Wir wussten auch, dass wenn wir wachsen wollen, wir überregional arbeiten müssen, um vom Volumen her besser einkaufen zu können. Unsere Einkaufs- und Verkaufspolitik darf nicht an der Grenze aufhören, sondern sollte auf Deutschland, Frankreich und Belgien ausgeweitet werden, um die gewünschte Größe zu erreichen. Plötzlich bot sich die Möglichkeit, mit SaarFerngas zusammenzuarbeiten. SaarFerngas hatte bereits vorher Gespräche mit der Soteg geführt, einmal wegen des gemeinsamen Aktionärs ArcelorMittal, zum anderen weil auch dieser Akteur sich bewusst war, dass er überregional wachsen muss.

Als also ArcelorMittal plötzlich 76% von SaarFerngas als Option hielt, haben wir uns gefragt, ob es nicht besser wäre, die drei Firmen zusammenzulegen. Wir haben die beiden Landesregierungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Die waren froh, dass Luxemburg bereit war, die Initiative zu ergreifen, denn sie hatten die Befürchtung, dass SaarFerngas sonst zerschlagen werden könnte.

Hauptidee war, dass wir als Staat weiterhin über die Netze verfügen. Der Staat muss stark in diesem Bereich vertreten sein, wohl wissend, dass ein Teil der Infrastrukturen sich sowieso in öffentlicher Hand befindet, nämlich bei den Gemeinden. Wir haben von Anfang an auch das Ziel verfolgt, für die Gemeinden, die hinzu stoßen wollen, offen zu sein. Momentan gibt es im Strombereich noch sieben Gemeinden, die in Eigenregie Elektrizität verteilen, im Gasbereich sind zwei Gemeinden, ein Gemeindesyndikat und eine Firma (Luxgaz), in der Staat und Gemeinden vertreten sind, aktiv. Um hier Synergien zu fördern, werden wir eine gemeinsame Plattform anbieten. Die Gemeinden sind im Hinblick auf die Einkaufsbedingungen zu klein, aber selbst wenn sie ihre Netze behalten wollen, wäre es besser, mit der neuen Gesellschaft zusammenzuarbeiten. Sie sollen sich insbesondere auch beraten lassen, da die neue Gesetzgebung vom 1. August 2007 sehr strenge Regeln setzt. Die Liberalisierung der Märkte sieht eine ganze Reihe von Bedingungen vor. Es macht keinen Sinn, dass jede Gemeinde sich diese Kompetenzen aneignet und dafür Leute einstellen muss. Das kann man gemeinsam effizienter angehen.

Um Versorgungssicherheit und günstige Preise zu garantieren, haben wir eine Struktur angestrebt, die in diesem Umfeld überleben kann, wohl wissend, dass wir große Partner an der Seite haben. ArcelorMittal ist ein großer Kunde und besitzt selbst auch ein Netz im industriellen Bereich. EON, RWE und Electrabel sind drei große Player. Wir waren der Meinung, es sei gut, das Aktionariat der neuen Gesellschaft ausbalanciert zu gestalten und nicht nur einen Partner mit im Boot zu haben. Im Hinblick auf künftige Energielieferverträge werden wir uns sowieso nicht auf diese drei Gesellschaften beschränken. Versorgungssicherheit kann jedoch auch gesteigert werden, indem ähnlich gelagerte Projekte wie das in Eisenhüttenstadt anvisiert werden: vorgesehen ist dort der Bau einer industriellen Stromproduktionsstätte in Kooperation mit Gazprom. Die Abkommen sehen vor, dass dieses Joint Venture auch Strom produzieren wird, der nach Luxemburg geliefert wird.

Hinter der Fusion steht ein Gesamtkonzept. Wir versuchen in Luxemburg den Energiesektor zu koordinieren im Hinblick auf Liefersicherheit, Qualität und günstige Preise. Das ist der Hintergrund dieser Fusion.

Forum: Der neue regionale Energieanbieter wird trotzdem immer noch ziemlich klein dastehen gegenüber den wirklichen Akteuren wie EDF, EON oder RWE. Statt winzig klein, ist man in Zukunft nur noch sehr klein ...

Jeannot Krecké: Das ist richtig, aber es gibt Bestrebungen besonders der Europäischen Kommission, die Marktmacht der großen Energiekonzerne tendenziell zu kontrollieren. Politisch gesehen, spüre ich in einigen Ländern, dass der Wunsch nach regionalen Energie-Playern besteht, damit wieder vermehrt Konkurrenz auf dem Markt spielt. Da sind wir mitten drin.

Forum: Inwiefern hat es einen günstigen Einfluss auf die Preise, wenn man seine Zulieferer im eigenen Aufsichtsrat hat? Das leuchtet mir nicht ein.

Jeannot Krecké: Es ist vorgesehen, dass diese keine Vorzugsrechte in Bezug auf Lieferverträge haben. Es wird dort eingekauft, wo es am günstigsten ist.

Forum: Also ist es im Hinblick auf die Preise auch nicht ein Vorteil, sich mit diesen Unternehmen zusammenzutun?

Jeannot Krecké: Doch. Was zählt, ist die Kompetenz in diesen Firmen - vor allem die Kompetenz in Bereichen, in denen wir vielleicht noch Hilfe brauchen. RWE und EON, entgegen dem, was viele vielleicht denken, haben zahlreiche Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien. Im Allgemeinen ist es interessant, von solchen Kompetenzen profitieren zu können. Man kann dort Rat suchen, ob man ein neues Kraftwerk bauen soll. Wo soll man es bauend Wie soll man das machend Ich kann mir natürlich auch Experten einkaufen. Ich will bloß nicht einen einzigen strategischen Partner an meiner Seite, sondern mehrere, die ich fragen kann und deren Erfahrungswerte mir dienlich sein können.

Forum: Einerseits haben Sie Ihre potenziellen Zulieferer im Kapital drin, andererseits haben Sie einen sehr sperrigen Großkunden mit im Boot. Besteht nicht ein unvermeidlicher Interessenkonflikt zwischen dem Großkunden und den vielen kleinen Privatkunden, die Sie als politischer Mandatsträger vertreten müssen?

Jeannot Krecké: ArcelorMittal wird Druck machen, die Preise für industrielle Abnehmer so niedrig wie möglich zu halten, und von Seiten des Staates wird Druck kommen, die Preise im Bereich der Privatkunden so niedrig wie möglich zu halten.

Der neue regionale Energieanbieter soll rentabel sein, aber auch auf ordentliche Preise achten. Die Präsenz von ArcelorMittal wird vielleicht hilfreich sein beim Einkauf, weil größere Volumen bessere Preise bringen.

Forum: Inwiefern hat die Fusion einen Einfluss auf die Sicherheit der Energieversorgung? Wenn es hart auf hart zugeht, entscheiden doch die Preise, oder haben Sie im Falle einer Krise vertraglich einen privilegierten Zugang zur Energie zugesichert bekommen?

Jeannot Krecké: Nein, das nicht. Wenn ich von Sicherheit spreche, dann meine ich die Infrastrukturen, die eine hohe Qualität aufweisen müssen. Mit strategischen Partnern, mit denen man bereits gearbeitet hat, denke ich, kommt man tatsächlich eher durch Krisensituationen und hat somit einen Vorteil. Größere Einkaufsvolumen werden es jedoch auch erlauben, mit anderen Anbietern zu reden. So waren wir z. B. in Norwegen, in Qatar, bald werde ich nach Algerien reisen. Auch verflüssigtes Erdgas - also LPG - wird eine größere Rolle spielen können. Es besteht übrigens auch ein Fünfer-Forum, in dessen Rahmen fünf Länder (Deutschland, Frankreich, Benelux) versuchen, einen verbesserten Netzzugang zu organisieren. Es werden also viele Anstrengungen unternommen, um die Energieversorgung abzusichern, und die Fusion ermöglicht uns, ernst genommen zu werden.

Forum: In der Pressemitteilung steht als zweite Begründung die Sicherheit der Arbeitsplätze. Gerade im Energiesektor schien es doch bislang keine Gefahr für die Sicherheit von Arbeitsplätzen zu geben.

Jeannot Krecké: Das ist nicht so sicher. Es könnte ja auch morgen ein großer Konzern nach Luxemburg kommen und versuchen, auf höchster Rentabilitätsebene das Ganze zu betreiben. Ich bin mir sicher, dass es dann zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen würde.

Forum: Warum musste der 15%-Anteil, den Luxempart an der Cegedel hält, an die RWE gehen? Hätte der Staat hier nicht besser seinen Anteil angehoben, gerade um seinen Einfluss auszubauen?

Jeannot Krecké: Nein, wir wollten nicht übermäßig stark werden. Es sollte ein kluges Ausbalancieren sein zwischen staatlich-öffentlichem Einfluss und privatwirtschaftlichem Interesse. Als Staat haben wir uns an anderer Stelle die Möglichkeit offen gelassen, noch zu wachsen: Wenn die Gemeinden hinzukommen, wird die öffentliche Hand die Netzsparte mehrheitlich halten können.

Forum: Wären die privaten Partner überhaupt bereit gewesen, in einen Deal einzusteigen, in dem die öffentliche Hand klar eine Mehrheit hat?

Jeannot Krecké: Ich glaube nicht.

Forum: Die Privaten können zur Zeit den Staat jederzeit in die Minderheit setzen, auch wenn er der stärkste Partner ist.

Jeannot Krecké: Der Staat hat jedoch auch Möglichkeiten, sich Mehrheiten zu sichern. Da mache ich mir keine Sorgen.

Forum: Wer vertritt den Staat bei solchen Verhandlungen? Die Kompetenzen dazu haben Sie ja nicht im Haus? Investmentbanken, Untemehmensberater, Anwälte?

Jeannot Krecké: Drei sehr kompetente staatliche Vertreter haben diese Verhandlungen geführt. In so einer Angelegenheit hat jedoch auch jeder seine eigene Investmentbank und seine juristischen Berater zur Seite, so auch der Staat.

Forum: Müssen Beratungsfirmen (Banken, Anwaltskanzleien) eigentlich eidesstattliche Erklärungen unterzeichnen, dass sie in keinerlei direkter oder indirekter geschäftlicher Beziehung zu den übrigen Verhandlungspartnern stehen?

Jeannot Krecké: Ja, da gibt es strenge Abmachungen und confidentiality agreements.

Forum: In der Pressemitteilung wird angekündigt, dass die im freien Besitz befindlichen Aktien von der Soteg gekauft werden sollen.

Jeannot Krecké: Das ist ein technischer Aspekt. Wir gehen diesen Weg über die Soteg, um den freefloat (Streubesitz) aufzukaufen. Die Fusion Arcelor-Mittal hat sich auch so vollzogen, dass Arcelor Mittal übernommen hat und nicht umgekehrt. Im vorliegenden Fall spielt der kleinste Player, die Soteg, die Rolle der Hülle, in die alle Anteile - also auch jene des Staates - einfließen.

Forum: Wer bezahlt den Aufkauf der Cegedel-Aktien, die sich im Streubesitz befinden?

Jeannot Krecké: Die Anteilseigner der zukünftigen Gesellschaft, also alle, im Verhältnis der zukünftigen Aufteilung.

Forum: Welche Summe hat der luxemburgische Staat für diesen Aktienrückkauf in die Reserve gestellt?

Jeannot Krecké: Keine, denn es ist die neue Firma, die diesen Ankauf tätigt.

Forum: Warum wollen Sie den Wert der einzelnen Gesellschaften nicht kommunizieren?

Jeannot Krecké: Das macht man in dem Geschäft nicht.

Forum: Man kann ihn aber anhand der vorliegenden Zahlen abschätzen.

Jeannot Krecké: Ja, das kann man, aber im Moment ist es nicht meine Aufgabe, darüber zu reden.

Forum: Werden diese Angaben im Nachhinein bekannt gegeben und begründet?

Jeannot Krecké: Wahrscheinlich werden sie irgendwann bekannt gegeben. Aber was heißt hier begründet? Es handelt sich um ein klug ausbalanciertes Verhandlungsresultat .

Forum: Und diese Verhandlungen hat für Sie Ihr Berater geführt?

Jeannot Krecké: Nein, die habe ich selbst zusammen mit meinen Leuten geführt.

Forum: Die Soteg ist vor anderthalb Jahren eine Partnerschaft mit Gazprom eingegangen zum Bau eines Gasturbinenkraftwerkes in der Nähe von Eisenhüttenstadt. Die gemeinsame Investition von 400 Millionen Euro hat dazu geführt, dass Gazprom indirekt in das Kapital der Soteg eingestiegen ist.

Jeannot Krecké: Nein, die Gesellschaften sind eine Joint Venture eingegangen.

Forum: Findet man Gazprom in der luxemburgischen Energielandschaft sonst irgendwo?

Jeannot Krecké: Nein.

Forum: Welche Aktivitäten hat Gasprom sonst noch in Luxemburg?

Jeannot Krecké: Das Unternehmen hält eine Bank in Luxemburg, die Gazprom-Bank.

Forum: Und sonst ein Energieunternehmen?

Jeannot Krecké: Nein. Jedenfalls weiß ich nichts davon.

Forum: Wie glauben Sie, wird sich unsere Energieabhängigkeit von Russland in Zukunft auswirken?

Jeannot Krecké: Es wird mit Sicherheit eine Abhängigkeit von Russland geben. Deshalb kommt es mir immer darauf an, eine privilegierte Beziehung auf politischer Ebene mit Russland zu haben und darüber hinaus mit dem großen Lieferanten Gazprom. Jedes Mal wenn ich in Moskau bin, sehe ich auch den Konzernchef Alexei Miller, um mit ihm über die Ausrichtung seiner Firma und seine Ideen zu Europa zu reden. Diese Beziehungen muss man pflegen.

Forum: Ist das ein gutes Gefühl?

Jeannot Krecké: Nicht immer.

Forum: Welche Rolle spielen die alternativen Energien in Ihrem Konzept?

Jeannot Krecké: Alternative Energiequellen müssen maximal ausgeweitet werden. Das ist eine Vorgabe für die neue Firma. Die neue Gesellschaft wird sicherlich gezielt in diesen Bereich investieren. Wir werden dies unterstützen und haben von den Partnern bereits Zusagen, dass sie uns logistisch dabei helfen. Es ist vorgesehen eine eigene Abteilung einzurichten, die sich speziell um die erneuerbaren Energien kümmern wird.

Forum: In der luxemburgischen Gesellschaft besteht ein Konsens gegen Atomstrom. Ihre Generation ist über den Kampf gegen das geplante Atomkraftwerk in Remerschen Ende der 70er Jahre politisch geprägt worden. Wie haben Sie dieses Element in Ihrem Konzept berücksichtigt?

Jeannot Krecké: Darüber wurde nichts besonderes vereinbart, weil wir wissen, dass je nachdem wo der Strom herkommt, er zu einem gewissen Teil aus Atomkraftwerken stammt. Wir haben uns geeinigt, dass wir in Luxemburg kein Atomkraftwerk bauen werden. Aber aus der Steckdose kommt ein gewisser Prozentsatz Atomstrom aus Deutschland, Frankreich oder Belgien. Dieser Prozentsatz kann zwischen 0% und 80% liegen. Davor kann man nicht die Augen verschließen. Eine neue Gesetzgebung wird jedoch die genaue Kennzeichnungspflicht einführen. Wohl kann man sich teilweise den Mix aussuchen, aber nur in beschränktem Maße. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Forum: Herr Krecké, wir bedanken uns für das Gespräch!



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