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Interview
"So einen würde ich einstellen". François Biltgen au sujet de la Reel 2008
"Luxemburger Wort" du 20-10-2008

Vers le niveau supérieur

Luxemburger Wort: Minister Biltgen, Sie sind zuständig sowohl für Arbeit als auch für Hochschule und Forschung. Zwei Ressorts, die sich wohl gut ergänzen ...

François Biltgen: Auf jeden Fall: Diese Doppelfunktion hat dazu beigetragen, dass eine Reihe konkreter Projekte umgesetzt werden konnten, die mir persönlich am Herzen liegen. So konnten wir zum Beispiel die Unterstützung für junge Forscher verbessern. Eine Hauptsorge bestand nämlich darin, den Betroffenen auf arbeitsrechtlicher Ebene frühestmöglich zu einem abgesicherten Arbeitsvertrag zu verhelfen, damit sie nicht in unsicheren Verhältnissen arbeiten müssen. Zweitens ist es uns gelungen, zusammen mit dem Unterrichtsministerium ein Pilotprojekt auf die Beine zu stellen, das eine gezielte Berufsorientierung in den Gymnasien fördert. Das Cpos des Unterrichtsministeriums, das Cedies des Hochschulministeriums und die "Orientation professionnelle" des Arbeitsministeriums arbeiten hier Hand in Hand an neuen Ideen. In diesem Zusammenhang war es sicherlich von Vorteil, an beiden Tischen zu sitzen.

Luxemburger Wort: Wie sieht dann eine erste Bilanz ein Jahr vor Ende der Legislaturperiode aus?

François Biltgen: Besonders stolz sind wir im Hochschulministerium darauf, dass sich das "Schiff" Universität langsam von einem kleinen Segelboot zum Linienschiff mausert - mit einem Kapitän, einem Kurs und einem kräftigen Rückenwind. Das ist eine wichtige Errungenschaft, vor allem, da zu Beginn der Legislaturperiode das Projekt Universität noch kräftig in Frage gestellt wurde. Was die Forschung angeht, so konnten wir innerhalb von zweieinhalb Jahren den OECD-Bericht von Mai 2006 zur Förderung der Forschung in sämtlichen Teilen umzusetzen, auch was ein Forschungsrat, leistungsbezogenere Verträge und eine bessere Unterstützung junger Forscher angeht. Forschung und Hochschule wurden in den letzten vier Jahren ein gutes Stück nach vorne gebracht. Zwar sind damit längst nicht alle Probleme gelöst, allerdings konnten strukturelle Verbesserungen für die Zukunft angebracht werden.

Luxemburger Wort: In Ihrem Gespräch mit den Studenten heute haben Sie den Wert einer akademischen Mobilität nochmals unterstrichen. Ist das Konzept einer Universität Luxemburg kein Widerspruch in dieser Hinsicht. Geht dem Luxemburger dadurch nicht die wertvolle Erfahrung eines Auslandsaufenthaltes verloren?

François Biltgen: Dazu muss ich ganz klar sagen, dass die letzten Statistiken an diesem Mythos der "großen Mobilität" eines Luxemburger Unistudenten rütteln. Denn bei den beliebtesten Universitätsstädten der Luxemburger liegen bis auf Innsbruck, Paris und Wien alle anderen Top-Ten-Städte in einem Umkreis von 200 Kilometern. Davon abgesehen müssen die Studenten der Uni Luxemburg in ihrem Bachelor-Studiengang mindestens sechs Monate im Ausland verbringen. Außerdem arbeiten derzeit Ministerium und Uni z. B. an einer Kooperation mit portugiesischen Universitäten: Angehendes Lehrpersonal soll die Möglichkeit erhalten, ein Auslandssemester in Portugal zu verbringen wegen der hohen Anzahl an portugiesischen Kindern in unseren Schule eine ganz interessante Geschichte. Schlussendlich unterstützen wir Bachelor-Absolventen, ihren Master-Studiengang im Ausland zu absolvieren oder umgekehrt. Die Uni Luxemburg stellt die Mobilität keineswegs in Frage, ganz im Gegenteil: Sie bietet weitere Möglichkeiten an.

Luxemburger Wort: Sie unterstreichen oft, dass Sie niemandem vorschreiben möchten, was er zu studieren hat. Andererseits gibt es aber eine Nachfrage an Akademikern in gewissen Bereichen, wie zum Beispiel Industrie oder Wissenschaft ...

François Biltgen: Wir brauchen einfach generell mehr Hochschulabsolventen. Natürlich wäre es von Vorteil, möglichst viele Kompetenzen zu besitzen, sich nicht auf einen bestimmten Beruf festzulegen. Wir haben derzeit mehr Kunst- als Jura-Studenten. Dazu will ich sagen, dass ein Kunststudium zu vielen Berufen führen kann. Nicht nur zur Kunstprofessur, wo auf einen Posten mindestens acht Kandidaten kommen. Allerdings fehlt es dem Land immer noch an Ingenieuren und Wissenschaftlern - ein Berufsstand, der übrigens rückläufig ist. Mehr Studenten führen gewissermaßen zu mehr Akademikern. Deshalb müssen wir generell dafür sorgen, dass mehr junge Menschen die Universität besuchen wollen. Was die Wissenschaft angeht, müsste man versuchen, Kinder bereits im Primärschulalter auf den Geschmack der Wissenschaften zu bringen, ihnen zeigen, dass diese Fächer später zu ganz spannenden Berufen führen können.

Luxemburger Wort: Zur Reel: Sie ist der wichtigste Termin im akademischen Jahr und Sie, Herr Biltgen, sind der Studentenminister schlechthin. Wie bereiten Sie sich auf dieses Event vor?

François Biltgen: So wie jedes Jahr, nämlich gar nicht (lacht). Nein, im Ernst: Ich habe das Glück, jedes Jahr im Voraus an die Fragen der Studenten zu gelangen. Insofern kann ich mich adäquat auf die Antworten vorbereiten. Was ich aber über allem an der Reel schätze, ist die ungezwungene Atmosphäre. Die Studenten stellen mich nicht auf den Prüfstand, sondern zeigen das, was ich von ihnen verlange: kritischen Geist. Das führt zu einer angenehmen Diskussionsrunde, die bereichernd für beide Seiten ausfällt. Umso glücklicher wäre ich, wenn mehr Menschen aus Politik und Wirtschaft diese Gespräche mitverfolgen würden, denn die Fragen entsprechen durchaus einer gewissen Aktualität. Studenten und ihr Minister liegen meist auf einer Linie. Wichtig wäre es, wenn ihre Stimme auch nach außen gehört wird.

Luxemburger Wort: Wie hat sich denn nach außen hin das Bild der Studenten in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

François Biltgen: Zwischen 1968 und 2008 liegen Welten. Wissen Sie, was mich bei meiner ersten Reel als Minister am meisten geprägt hat: die schicke Kleidung der Studenten (lacht). Ich war noch derjenige, der am saloppsten gekleidet war. Aber Spaß beiseite: 1968 hatte ein Student quasi keine Daseinsberechtigung. Heute aber nähern wir uns wieder der Auffassung aus dem Mittelalter. "Universität" kommt von "Universitas magistrorum et scolarum" die Universalität der Lehrenden und Gelehrten. Und genau das wollen wir auch an der Uni Luxemburg wieder durchsetzen: Dass der Student im Mittelpunkt steht.

Luxemburger Wort: Die Reel wurde 1984 ins Leben gerufen, um den Luxemburger Studenten - die durch ganz Europa verstreut waren - ein Mal im Jahr die Möglichkeit zu bieten, sich zu sehen und sich Ober ihre Anliegen austauschen zu können. Hat die Reel vor dem Hintergrund der Uni Luxemburg und den modernen Kommunikationsmitteln heute überhaupt noch eine Daseinsberechtigung?

François Biltgen: Ich bleibe dabei: Wir wollen nicht, dass die Luxemburger ausschließlich die Uni Luxemburg besuchen. Genau so wenig wollen wir, dass die Uni Luxemburg nur von Luxemburgern besucht wird. Wir wollen unsere Studenten überall sehen. Die Reel hat auf keinen Fall an Attraktivität und Daseinsberechtigung verloren: Es ist nach wie vor wichtig, dass sich Studenten aus den verschiedensten Studienrichtungen ein Mal im Jahr an einen Tisch setzen, um sich auszutauschen und sich der Politik zu stellen. Übrigens lege ich den Organisatoren einer Reel immer wieder ans Herz, ihre Arbeit an dem Event in ihren Lebenslauf einzutragen. Denn einen Studenten, der die logistische und materielle Herausforderung einer Reel in einer Metropole wie Paris meistert, würde ich persönlich sofort einstellen.

Luxemburger Wort: Herr Minister, was machen Sie nach den Wahlen zur "Schoulrentrée 2009/2010"? Sehen wir Sie vielleicht wieder im Hochschulministerium?

François Biltgen: Die Entscheidung liegt natürlich nicht bei mir allein. Ich kann nur sagen, dass ich die Funktion immer gerne ausgeübt habe und der Posten mir stets Spaß und Zufriedenheit bereitet hat. Eine Arbeit, die man gerne macht, würde man natürlich auch gerne fortsetzen.



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