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Dietmar Ringe: Jean Asselborn, Aussenminister Luxemburgs und erfahrener Europapolitiker ist bei mir am Telefon. Guten Morgen Herr Asselborn.
Jean Asselborn: Guten Morgen Herr Ringe.
Dietmar Ringe: Was sagen Sie? Ausser vielen guten Absichten, nicht viel gekonnt in Washington?
Jean Asselborn: Ich bin nicht ganz einverstanden mit Ihnen. Ich glaube, das direkte Ziel war es die Finanzmärkte zu regulieren, und der Weltwirtschaft einen neuen Impuls zu geben. Ob das gelungen ist, wissen wir nicht heute früh, auch nicht morgen früh. Das braucht Zeit.
Eher optimistisch waren die Teilnehmer, und auch die Kommentatoren, aber was Sie angedeutet haben, ist für mich das aller, aller wichtigste, auch als Aussenminister. Dieser G20, wenn Sie so wollen, könnte in die Geschichte eingehen. Es ist das erste Mal tatsächlich, dass, in dieser geballten Form, der sogenannte Westen zugibt, dass er in Wirtschaftsfragen, in Finanzfragen nicht mehr das Monopol hat, weder die Lösungen, und auch nicht die Verantwortung.
Selbstverständlich, Bretton Woods, Sie können sich erinnern, war eine Sache der Engländer und der Amerikaner. Ich wage zu behaupten, dass nicht nur in Finanzfragen und in Wirtschaftsfragen, die Einsicht, dass dieses Monopol gebrochen ist, wirklich gekommen ist, und dass aus diesem G8, der ja nicht richtig funktioniert hat, ein G20 werden kann. Diese Position müsste ja, Herr Ringe, die UNO übernehmen, leider ist es sie nicht, es sollte sie sein, oder zumindest der Sicherheitsrat. Man redet seit 30 Jahren über die Reform, die also noch nicht möglich ist, so dass dieser G20 mit China, Brasilien, Indien, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika, wie Sie gesagt haben, ein neuer Anlauf werden kann, um endlich in der globalisierten Welt die richtigen Strukturen zu schaffen.
Dietmar Ringe: Nun stellt sich aber doch die Frage, in wie weit von Washington die richtigen Impulse ausgehen, um möglichst rasch etwas zu tun, um die Weltwirtschaft-, und Weltfinanzkrise in den Griff zu kriegen.
Also viele gute Absichten sind ja drin, aber schon bei der Interpretation geht es ja los. Also Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, sagt, keine Märkte, keine Marktteilnehmer, keine Produkte auf der Welt dürfen künftig ausserhalb von Transparenz und Regulierung stehen. Und die Amerikaner, und die Briten sagen schon, na ja bitte schön, aber zu viel Staat wollen wir auch nicht. Also da wird noch viel Interpretationsspielraum drin sein.
Jean Asselborn: Herr Ringe, ich gebe Ihnen ganz Recht, aber nehmen wir einmal das Positive. Jedes der 20 teilnehmenden Länder hat gesagt, dass der Protektionismus abgebaut werden muss. Das heisst auf deutsch, oder auf luxemburgisch, dass wir ganz schnell eine Lösung finden müssen bei den Gesprächen der Doha-Runde. Das wäre ja wunderschön wenn das so wäre.
Das zweite ist, dass man wirklich eingesehen hat, dass die Globalisierung ja kein Thema ist für Dissertationen, sondern dass man ihr Strukturen geben muss.
Und das dritte ist, dass die Märkte, die Investoren, die Konsumenten wissen, dass es ein konzertiertes Vorgehen gibt. Das ist glaube ich das Wichtigste, und das ist auch der erste Schritt zu einem neuen Aufschwung.
Ich glaube, wenn Sie das anschneiden, diese Differenz zwischen den Europäern und den Amerikanern wundert mich nicht. Sarkastisch müsste man ja sagen, die USA haben die Probleme geschaffen, die EU ist dabei die richtigen Lösungen zu finden. Aber, mir scheint wesentlich zu sein, dass der internationale Währungsfond, sowie die Bedenken der USA abgebaut werden müssen in den nächsten Monaten, damit dieser internationale Währungsfond die Regulierung auch überwachen kann. Das scheint mir wesentlich zu sein.
Dietmar Ringe: Die nächste Frage ist ja, wie schnell kann man jetzt handeln? Es wird einen weiteren Gipfel geben in 4 Monaten etwa, dann auch mit dem künftigen amerikanischen Präsidenten Obama. Haben wir wirklich so viel Zeit so lange mit konkreten Lösungen zu warten?
Jean Asselborn: Die Welt ist, auch in Amerika, so wie sie ist. Am 20. Januar tritt der neue Präsident erst sein Amt an. Präsident Bush hat gesagt, dass, über Madeleine Albright und andere, ein direkter Informationsaustausch stattfand. Das hat auch Obama gesagt, dass er komplett informiert ist, und dass er auch schon erste Schritte eingeleitet hat im Kongress, um die notwendigen Schritte, aus amerikanischer Sicht, zu nehmen.
Die Welt hat selbstverständlich keine Zeit zu warten. Das ist ja auch, glaube ich, jetzt sehr, sehr zügig gegangen, dass wir als Europäer, mit unseren Vorstellungen, aus dem europäischen Rat nach Washington gehen konnten und mit einer Stimme gesprochen haben. Man sieht wirklich, und das ist für mich auch eine grosse Erkenntnis, dass die EU ein grosses Rad ist im Getriebe der Welt, und dass wenn dieses Rad richtig funktioniert, und wenn es keine 27 grösseren oder kleinere Räder sind, dass wir sehr viel mitbestimmen können, und sehr viel auch die Richtung angeben können auf der Welt. Und das ist, glaube ich, eine Erkenntnis worauf wir auch als Europäer ein wenig stolz sein sollten.
Dietmar Ringe: Sagt Jean Asselborn, der Aussenminister Luxemburgs. Ich danke Ihnen herzlichst für dieses Gespräch.
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