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Carlo Kass: Haben Sie als Wirtschaftsminister in der Krise überhaupt noch die nötige Zeit, um "Sport zu machen"?
Jeannot Krecké: Gelegentlich. Die Zeit ist natürlich eng bemessen, denn ich widme dem Politikum Sport, ohne meine Interventionen an den Wochenenden und die zahlreichen Auslandsreisen mitzuzählen, umgerechnet immerhin zwei bis drei Stunden am Tag. Doch die Arbeit leidet darunter weniger als meine Präsenz vor Ort.
Carlo Kass: Da wir leider nicht an der Finanzkrise vorbeikommen: Hat diese auch ihre Auswirkungen auf das Sportgeschäft, da dieses ja scheinbar nicht ohne Geld und Drogen, diese fatale Mischung, auskommt?
Jeannot Krecké: Reden wir also nur vom Geld, denn Sie müssen mir wohl beipflichten, dass das andere Thema den Rahmen eines Interviews über die einheimischen Sportinfrastrukturen sprengen würde.
Sicher wird das Geld nicht mehr so fließen wie noch vor einem Jahr und wir müssen uns Gedanken machen über andere, vielleicht gemischte Unterstützungformen des Sports.
Carlo Kass: Funktioniert das unglückliche, doch sehr ertragsreiche Tandem Glücksspiel und Sport nicht mehr?
Jeannot Krecké: Glücklicherweise doch, muss man hier im doppelten Sinn des Wortes wohl sagen. Doch haben wir herausgefunden, dass nur die Erträge der eigentlichen Nationallotterie, nicht aber die zahlreichen und lukrativen Nebenprodukte wie Rubbellose und vies andere mehr, den Weg in die Oeuvres Grande-Duchesse Charlotte fanden. Um diesem Umstand, der u.a. dem Olympischen Komitee dramatische Geldeinbußen bescherte, Rechnung zu tragen, haben wir jetzt einen Gesetzesvorschlag in der Abgeordnetenkammer eingebracht, der hoffentlich in absehbarer Zukunft gestimmt werden kann.
Carlo Kass: Das Velodrom ist jetzt ja endlich auf den Schienen. Wie kommt das Projekt Stade Josy Barthel weiter? Weht Ihnen da auch ein raverer Wind aus der Ecke der Privatwirtschaft entgegen?
Jeannot Krecké: Ich habe das schon mehrere Male erwähnt: Es kommen keine hundert Unternehmer in Frage, um auf den Weg eines neuen Stadions mit angeschlossener Wohn- und Wirtschaftswelt zu gehen. Und was das Velodrom angeht, so haben wir einige ernste Startprobleme mit unserem derzeitigen Partner und Pistenbauer.
Carlo Kass: Doch nun zu unserem Hauptanliegen: Wann bekommen die Schulkinder aus dem Norden endlich ein Schwimmbad, das ihrer würdig ist?
Jeannot Krecké: Vorweg seien hier die Anlagen von Ulflingen und Wintger genannt, die, sowohl den Schulen wie auch dem Publikum zugänglich, zur vollsten Zufriedenheit ihrer Nutzer bereits funktionieren. Der im letzten Fünfjahresplan vorgesehene Ausbau des öffentlichen Hallenbades in Colmar-Berg, der mit den Gemeinden Bissen, Erpeldingen, Ettelbrück, Feulen, Mertzig und Schieren betrieben wird, hat leider etwas Verspätung bekommen, wird aber nun in Angriff genommen.
Laut dem neuen Fünfjahresplan soll in Wiltz eine Mehrzweckhalle mit Schwimmbad erachtet werden
Carlo Kass: ... die aber lediglich den alten Sportkomplex ersetzen soll.
Jeannot Krecké: Richtig, doch werden die Anlagen dann auch den Bedürfnissen der Bevölkerung besser angepasst sein. Dann sind noch Schulbäder in den Lyzeen von Redingen und Clerf vorgesehen. Neben dem Schulcampus in Diekirch wird die bestehende Infrastruktur mit einem 25-Meter-Schwimmbecken ausgebaut, das auch von Schülern der umliegenden Gemeinden genutzt werden kann. Doch dies muss alles im Rahmen eines globalen Planes für die Nordstad und dieser wiederum im Rahmen der Landesplanung gesehen werden. Im Rahmen des laufenden Fünfjahresplans ist dann auch noch der Bau eines Schwimmbads in der Regionalschule von Hosingen vorgesehen, dies im Zusammenschluss mit dem interkommunalen Syndikat der Modellschule. Außerdem plant der Eigentümer des Campings Fuussekaul in Heiderscheid den Bau eines Erlebnisbades auf der anderen Straßenseite ...
Carlo Kass: ... das sicher nicht den Schulklassen der Gemeinde, sondern eher den hier angesiedelten aber nicht angemeldeten Dauerbewohnern und Gästen zur Verfügung stehen dürfte. Diesem Thema werden wir einen gesonderten Artikel widmen. Was steht noch im 9. Fünfjahresplan, der bis 2012 gut ist?
Jeannot Krecké: Multisporthallen in Harlingen und Dahl sowie der Ausbau des Nationalen Moto-Crosszentrums in Goesdorf. Und natürlich das Projekt Kiischpelt, das auch etwas Verspätung bekommen hat.
Carlo Kass: Spukt die gedeckte Skipiste in Bourscheid immer noch in einigen Köpfen herum oder hat die Aufregung sich gelegt?
Jeannot Krecké: Ich kann schlecht beurteilen, ob dieses Projekt noch in einigen Köpfen umherspukt, doch wurde es nicht an mich herangetragen.
Carlo Kass: Würden Sie es unterstützen?
Jeannot Krecké: Wenn private Geldgeber gefunden werden könnten, warum nicht. Ich würde aber keine konsequente Summe aus der öffentlichen Hand dazugeben.
Carlo Kass: Sie sind selbst ein begeisterter Segler. Vor 30 Jahren, also in unserer Jugendzeit, war es schon fast ein Muss, dass die "Städter" eine Wochenendbleibe am Stau hatten und sich dem Segeln und später dem Surfen hingaben. Dieser Trend scheint heute gebrochen. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Jeannot Krecké: (lacht) Der Wind hat sie auf offene See hinausgetrieben.
Carlo Kass: Könnten Sie sich vorstellen, dass an der Uni Luxemburg eines Tages Sport gelehrt wird?
Jeannot Krecké: Bei der Ausbildung der Primärschullehrer wird schon Sport gelehrt an unserer Uni. Ich bin aber nicht recht zufrieden mit dieser beiläufigen Option. Sport sollte den Schülern schon in sehr jungen Jahren ernsthaft beigebracht werden. Das verhindert Verletzungen und sorgt für Selbstbewusstsein.
Carlo Kass: Sie wären also nicht abgeneigt, die Schwemme an universitären Sportlehrern mit der Offerte einer adäquaten Karriere im primären Schulunterricht abzubauen?
Jeannot Krecké: So kann man es auch sagen.
Carlo Kass: Es werden aber keine Sportlehrer in Luxemburg ausgebildet?
Jeannot Krecké: Nach meinen Informationen haben unsere Schüler dazu genug Möglichkeiten im nahen Ausland. Und was wir im Sport zurzeit eher benötigen, sind gut ausgebildete Kinesiotherapeuten.
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