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Interview
"Schule in Bewegung", Mady Delvaux-Stehres au sujet de la nouvelle école fondamentale et de la réforme de l'enseignement secondaire
"Télécran" du 16-09-2009

Vers le niveau supérieur

TELECRAN: Sie betreten im Gegensatz zu manchen Ihrer Ministerkollegen kein Neuland. Und doch wird die diesjährige "Rentree" in gewisser Weise auch für Sie ein Neuanfang: Die Reform der Grundschule muss umgesetzt werden. Sind Sie bereit?

MADY DELVAUX-STEHRES: Ich bin vor allem sehr froh, dass ich meine Funktion als Bildungsministerin weiter ausüben kann, denn nun soll das Gesetz, das wir in den vergangenen Jahren ausgearbeitet haben, in die Praxis umgesetzt werden. Das bedeutet für jeden Beteiligten eine große Umstellung. In der ersten Phase des neuen Gesetzes wurden verwaltungstechnische Änderungen durchgeführt, die wir geschafft haben. Das Lehrpersonal wurde vom Staat übernommen und alle Posten wurden besetzt. Auch die Regionalbüros der Inspektoren sind personell aufgestockt worden und können ihre Arbeit aufnehmen. Die Schulkomitees wurden gewählt, genauso wie die Präsidenten, die von uns Informationsmaterial für ihre zukünftige Arbeit bekommen haben.

TELECRAN: Spannend wird es nun auch bei der zweiten Phase, dem pädagogischen Teil des neuen Grundschulgesetzes ...

MADY DELVAUX-STEHRES: Der neue Lehrplan, der einen kompetenzorientierten Unterricht erlaubt, steht. Die Grundlage für die Arbeit der Lehrer ist nun nicht mehr eine Liste von Inhalten und Themen, sondern es sind Kompetenzen, die die Schüler am Ende eines Zyklus beherrschen müssen.

Im ersten und zweiten Zyklus stehen die größten Neuerungen bevor: Hier wird das neue Evaluierungssystem schon in diesem Schuljahr eingeführt und die Zensur durch ein "bilan intermediaire" ersetzt. Diese Zwischenbilanz, in der sämtliche zu erwerbenden Kompetenzen aufgelistet sind, soll den Eltern den Fortschritt des Kindes belegen und aufzeigen, wo es sich in Bezug auf das angestrebte Ziel befindet. Wir möchten natürlich erreichen, dass so viele Schüler wie möglich den Sockel überschreiten.

TELECRAN: Sie haben am Ende des vergangenen Schuljahres viele Informationsversammlungen abgehalten, um den Eltern die Reform zu erklären. Konnten alle Unklarheiten beseitigt werden?

MADY DELVAUX-STEHRES: Die Reaktionen der Teilnehmer waren gemischt. Der kompetenzorientierte Unterricht stieß weitgehend auf Zustimmung. Die größten Sorgen machen viele Eltern sich über das neue Benotungssystem. Sie haben Angst, dass die Bewertung nicht mehr objektiv ist, und glauben nicht daran, dass es ohne Punkte funktioniert. Dabei liegt es auf der Hand, dass die Punkte nichts über die Fähigkeiten des Kindes aussagen. Sie erlauben nur einen Vergleich der Schüler untereinander. Wir wollen erreichen, dass der Schüler etwas lernt. Diejenigen, die immer nur schlechte Noten haben, sind aber nicht motiviert. Ihnen müssen wir also anhand eines Kompetenzrasters aufzeigen, welche Fortschritte sie schon gemacht haben.

Im Gymnasium zeigt sich noch deutlicher, wie unsinnig das Punktesystem ist: Wir basieren uns auf einen Punktedurchschnitt. Ein Schüler, der im ersten Trimester einen Durchschnitt von 20 Punkten, im zweiten Trimester 30 Punkte und im dritten 50 Punkte hatte, hat am Ende den gleichen Notendurchschnitt wie ein Schüler, der mit 50 Punkten angefangen hat und danach nur mehr 30 und im dritten Trimester 20 Punkte hatte. Das ist doch nicht gerecht. Wir wollen den Schülern doch vermitteln, dass es sich lohnt, sich bis zum Schluss anzustrengen.

TELECRAN: Was wird für die Lehrer die größte Herausforderung sein?

MADY DELVAUX-STEHRES: Die Teamarbeit. In einer Schule müssen sich alle Lehrer eines Zyklus mindestens einmal in der Woche treffen, um gemeinsam zu entscheiden, wie der Unterricht gestaltet werden soll. Es geht ja nicht mehr nur darum, nur Inhalte zu vermitteln, sondern Kompetenzen zu vermitteln. Da kann die Mannschaft sehr hilfreich sein, weil man sich mit Kollegen absprechen und Ratschläge bei ihnen holen kann. Das wird anfangs für niemanden leicht werden, der das bisher nicht gewohnt war. Wir sagen ja immer, dass wir die Kinder dort abholen müssen, wo sie gerade stehen. Das Gleiche gilt für die Lehrer: Sie werden nicht alle gleich damit zurecht kommen. Aber sie müssen zumindest alle jetzt damit beginnen.

TELECRAN: Die Eltern sollen nun stärker in das Schulgeschehen mit einbezogen werden. Wie wird diese neue Zusammenarbeit konkret aussehen?

MADY DELVAUX-STEHRES: Den ersten Schritt machen wir im Oktober. Dann werden die Elternvertreter gewählt, die später in der Schulkommission mit gewählten Vertretern der Lehrer und der Gemeinde zusammen am "plan de réussite scolaire" arbeiten. Ich appelliere also an alle Eltern, zu kandidieren und zur Wahl zu gehen. Sie erhalten damit das Recht, ihre Meinung einzubringen und an der Schulorganisation teilzunehmen.

TELECRAN: Sie haben den "plar de reussite scolaire" angesprochen. Jede Schule muss nun einen solchen Plan ausarbeiten. Was bringt er?

MADY DELVAUX-STEHRES: Er bedeutet nicht, dass die Schulen nun selbst entscheiden können, was ihre Schüler lernen sollen. Die Schule soll mit diesem Schulentwicklungsplan festlegen, welchen Weg sie einschlagen will, damit die Schüler die vorgegebenen Ziele unter idealen Bedingungen erreichen. Dafür muss jede Schule erst einmal eine Analyse machen - über die Zusammensetzung der Schülerschaft, die Gewaltbereitschaft in der Schule, das allgemeine Abschneiden der Schüler im Vergleich zu anderen Schulen und so weiter. Danach werden Prioritäten gesetzt, die sowohl von der Gemeinde als auch vom Ministerium abgesegnet werden müssen. Diese Ziele müssen realistisch sein und sie sind oft mit einem gewissen Budget verbunden, wenn zum Beispiel ein Erzieher eingestellt werden soll, um die Gewaltprävention zu betreiben. Nach Inkrafttreten ist dieser Plan drei Jahre lang gültig. Das gibt den Schulen eine gewisse Freiheit und lässt sie den Blick auf die wahren Bedürfnisse der Schüler richten. Bisher wurde der Erfolg einer Schule daran gemessen, ob Lehrer es schafften, die Lehrpläne durchzuboxen. Was die Schüler dabei davontrugen, wurde eigentlich kaum berücksichtigt. Mit dem Schulentwicklungsplan soll der Blick auf die Schüler gerichtet werden.

TELECRAN: Die Orientierung der Schüler ist und bleibt ein wichtiges Thema. Im Regierungsprogramm ist sowohl das Abändern der Übergangsprozedur von der Grund- in die Sekundärschule festgehalten, als auch das Einrichten eines nationalen Orientierungszentrums für Sekundärschulen Wie weit sind diese Projekte?

MADY DELVAUX-STEHRES: Die Prozedur des Übergangs von der Grundschule ins Gymnasium muss zwangsläufig geändert werden, weil sie auf dem Punktesystem beruht, das es in drei Jahren im vierten Zyklus nicht mehr geben wird. Ich erwarte vom neuen Evaluierungssystem, dass es ein genaueres Profil des Schülers liefert, damit schon frühzeitig dessen Stärken und Schwächen aufgezeigt werden. Dadurch wird es einfacher, das Kind in eine gewisse Richtung zu führen. Wir werden die Prozedur ändern, wenn wir Erfahrungen mit dem neuen Evaluierungssystem gesammelt haben.

Für die Studien- und Berufsorientierung hatten wir zusammen mit der Studienberatungsstelle Cedies und dem Berufsinformationszentrum des Arbeitsamts ein Pilotprojekt in einigen Schulen durchgeführt. Das hat sehr gut funktioniert und genau so eine Struktur wollen wir nun zentral einrichten: ein Zentrum, in dem alle Informationen zusammenkommen. Das ist sehr personalintensiv und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Struktur steht. In der Zwischenzeit möchten wir erreichen, dass im Gymnasium von Anfang an gezieltei informiert wird und die Schule sich der Berufswelt öffnet - konsequent und nicht nur punktuell. Die meisten Schüler kennen nur sehr wenige Berufsbilder und wissen daher meistens nicht, welche Möglichkeiten sie nach der Schule haben.

TELECRAN: In der Sekundärschule werden ja für die Zukunft viele Änderungen angestrebt. Auch hier steht eine Reform bevor. In welche Richtung soll diese gehen?

MADY DELVAUX-STEHRES: Die Reform wird kommen, aber wir wollen nichts überstürzen. Zuerst müssen wir uns darüber klar werden, welche Kompetenzen wir von einem Schüler verlangen, damit er sein Abitur bekommt. Erst danach werden wir entscheiden, wie wir dieses Ziel erreichen können. Dafür werden wir uns Zeit geben.

TELECRAN: Wird es in der Zwischenzeit eine Änderung bei den Promotionskriterien geben, die ja in letzter Zeit immer wieder für Unmut sorgten?

MADY DELVAUX-STEHRES: In dieser Frage bin und bleibe ich stur. Ich hatte diese Änderung auf Druck der Gymnasiallehrer durchgeführt und werde daran kurzfristig nichts mehr ändern. Ich fordere ein ganz neues Evaluierungssystem auf Grund des kompetenzorientierten Unterrichts. Und bis es so weit ist, werden wir mit den bestehenden Instrumenten arbeiten. Ich möchte daran erinnern, dass die Möglichkeit des Kompensierens bereits vor 20 Jahren eingeführt wurde. Das war nicht meine Erfindung, obwohl ich der Meinung bin, dass es ein gutes System ist. Wir haben auch festgestellt, dass es ganz gleich ist, wie hoch der Notendurchschnitt zum Kompensieren sein muss. Es ändert an der Erfolgs- beziehungsweise Misserfolgsquote überhaupt nichts.

TELECRAN: Für Aufregung hat nach den Wahlen auch der Sprachenunterricht gesorgt...

MADY DELVAUX-STEHRES: Ich möchte noch einmal deutlich wiederholen, was ich bereits die letzten drei Jahre gesagt habe: Wir werden an der Mehrsprachigkeit festhalten. Jedes Kind muss luxemburgisch, deutsch, französisch und englisch sprechen, lesen und schreiben können. Nicht jeder Schüler muss aber alle Sprachen gleich gut beherrschen. Deswegen haben wir im Regierungsprogramm festgehalten, dass jeder Schüler in mindestens einer der drei Fremdsprachen sehr gut sein muss, und in den anderen Sprachen mindestens ein Niveau erreichen muss, das seine Studierfähigkeit gewährleistet.

Das ermöglicht uns in Zukunft, viel genauer festzulegen, in welchen Bereichen man für eine bestimmte Berufswahl besonders gut sein muss. Wer Deutsch-Lehrer werden will, muss in Deutsch natürlich den höchsten europäischen Standardwert, also C, erreichen. Wer später beim Staat arbeiten will, muss die administrative Sprache, also Französisch, sehr gut beherrschen und so weiter.

TELECRAN: Was wünschen Sie sich für die nächsten fünf Jahre am meisten?

MADY DELVAUX-STEHRES: Motivierte Lehrer! Denn ohne engagierte Pädagogen läuft in der Schule überhaupt nichts. Für mich gehört dieser Beruf immer noch zu den schönsten, die es gibt. Man kann einem jungen Menschen auf dem Weg ins Leben helfen. Ich gehe davon aus, dass jeder, der den Lehrerberuf ergriffen hat, diese Ambition hat. Und ich wünsche jedem Lehrer, dass er dieses Ziel immer weiter verfolgt und gerne zur Schule geht.



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