Le Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg Informations et Actualités du Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg
x x Recherche
x xx Recherche avancée x x
  Home | Nouveautés | Newsletter | Liens | Vos réactions | Contact Aide | Index | A propos du site
      ImprimerEnvoyer à

> home > Salle de presse > Interviews > 2010 > Janvier 2010 > Jeannot Krecké über die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Luxemburg

Interview
Jeannot Krecké über die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Luxemburg
"Leztebuerger Journal" du 06-01-2010

Vers le niveau supérieur

Lëtzebuerger Journal: Herr Minister, Ihr persönlicher Einzug in den Verwaltungsrat der Kapitalgesellschaft ArcelorMittal, ein bislang einmaliger institutioneller Vorgang in Luxemburg, kam überraschend und hat in Wirtschaftskreisen für etlichen Gesprächsstoff gesorgt, weil derartige Posten bislang ausschließlich von höheren Beamten aus der Regierungsverwaltung besetzt wurden. Was hat Sie zu diesem denn doch etwas ungewöhnlichen Schritt bewogen?

Jeannot Krecké: Zunächst einmal möchte ich unterstreichen, dass es sich hier um eine Entscheidung des Premierministers handelt, die ich mir selbst längere Zeit überlegt habe, weil ich darin einige Schwierigkeiten gesehen habe in meiner Kommunikation nach außen, die übrigens noch nicht ganz behoben sind. Mit dem Weggang des bisherigen Regierungsvertreters Georges Schmit, der bekanndich neue Aufgaben in San Francisco wahrnehmen wird, hat sich üblicherweise die Frage nach einem Nachfolger gestellt. Dabei vertrat der Staatsminister die Auffassung, die Stahlindustrie sei für Luxemburg ein derart wichtiger Sektor, der eng mit der luxemburgischen Wirtschaftsgeschichte verbunden ist, so dass man schon einen besonderen Wert auf die Person des Regierungsvertreters legen müsse.

Andererseits war ich in die Entwicklung der Fusion zwischen Arcelor und Mittal sehr stark eingebunden, so dass ich nicht nur sehr gut im Bilde bin über die beiden Unternehmen, sondern auch Herrn Mittal persönlich kenne, so dass gemeint wurde, ich solle mich um dieses Dossier persönlich kümmern. Ich möchte auch daran erinnern, dass es sich hier um einen einmaligen Vorgang handelt und es wurde ja auch schon unterstrichen, ein solches Vorgehen werde sich bei anderen Unternehmen mit staatlicher Beteiligung nicht wiederholen.

Lëtzebuerger Journal: Aus Deutschland, wo die Mitglieder von Landesregierungen einen Sitz in einzelnen Verwaltungsräten haben, wissen wir, dass derartige Posten nicht ganz unproblematisch sind, weil sich doch gewisse deontologische Probleme stellen, und gerade im Hinblick auf künftige Entscheidungen bei ArcelorMittal, die Luxemburg direkt betreffen könnten, erscheint Ihre Mission denn doch etwas delikat.

Jeannot Krecké: Delikat war es aber schon zuvor, weil auch Georges Schmit als erster Beamte des Wirtschaftsministeriums verpflichtet war, mir über alles zu berichten und selbst vom Gesetz her, wie alle Staatsbeamten als Regierungsvertreter in Verwaltungsräten, von jeglicher direkten Verantwortung entbunden war, so dass ich als Wirtschaftsminister ohnehin immer in die Entscheidungsprozesse eingebunden war und demnach auch in vorderster Front stand, ein Tatbestand übrigens, der mir nie Angst gemacht hat.

Vielleicht kann aber auch die persönliche Präsenz des Wirtschaftsministers, ohne dass dieser dafür großen Reden halten muss, dazu beitragen, dass verschiedene Optionen, die in der Konzernführung überlegt werden, etwas anders behandelt werden. Allein die persönliche Präsenz eines Regierungsmitglieds dürfte den besonderen Wert unterstreichen, den die Regierung der Untemehmensführung beimisst.

Lëtzebuerger Journal: Das Thema Stahlindustrie bringt uns zwangsläufig zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, die im abgelaufenen Jahr nicht besonders günstig war, wobei die luxemburgischen Unternehmen in aller Regel ohne direkte Einwirkungsmöglichkeiten die Konsequenzen von Vorgängen in den Nachbarstaaten oder auf dem Weltmarkt tragen mussten. Wie bewerten Sie die zurückliegenden 12 Monate, eher mit einem Gefühl, dass man die Probleme doch einigermaßen überstanden hat, oder aber mit dem Gefühl einer zusätzlichen Belastung aufgrund struktureller Probleme, die in der Vergangenheit nicht oder nur unzureichend einer Lösung zugeführt wurden?

Jeannot Krecké: Von vornherein muss man festhalten, dass es sektoriell doch sehr starke Unterschiede gibt und in einzelnen Bereichen längst nicht jene dramatischen Einbrüche zu spüren waren, die wir vom Ausland her kennen. Es war ja schon einmalig, mit welcher Geschwindigkeit im Herbst und Winter vergangenen Jahres alles zusammenbrach. Normalerweise sieht man eine Krise sich langsam entwickeln, doch diesmal ist sie regelrecht über uns hereingebrochen und zudem aufgrund eines Auslösers, der nicht direkt mit der Industrie zu tun hatte, auch wenn es dort bestimmte strukturelle Probleme gab.

Ich bin der Meinung, dass sich Luxemburg einigermaßen über die Distanz retten konnte, weil wir über ein Instrumentarium verfügen, dass eine wirkungsvolle Unterstützung der Betriebe erlaubte. Vor allem über Garantiegesetze und Unterstützung von Kurzarbeit konnten effektive Hilfen gegen die Auswirkungen der Krise geleistet werden.

Unter dem Strich gibt es natürlich nicht nur ein konjunkturelles Problem, sondern auch strukturelle Schwierigkeiten. Das gilt weniger für die Industrie, wo wir das Problem hoher Produktionskosten schon längere Zeit kennen, daher nicht mehr alle Produkte herstellen können, innovativ sein müssen, konsequent Nischen besetzen mit der Entwicklung spezialisierter Produkte und dort weltweit zu den besten zählen müssen.

Ein gravierendes strukturelles Problem haben wir vor allem auf dem Finanzplatz, weil sich die Regeln weltweit geändert haben und auf uns immer mehr Druck ausgeübt wird, genau wie auch auf die Schweiz und andere. Der Finanzplatz ist vor allem deshalb so wichtig, weil er in steuerlicher Hinsicht der wichtigste Wirtschaftszweig. Diversifizierungspolitik: ja, aber anders!

Lëtzebuerger Journal: Dies fuhrt uns logischerweise zur Diversifizierungspolitik, die ja auch Ihrer Meinung zufolge fortgeführt werden muss, auch wenn es erfahrungsgemäß immer schwieriger wird, Unternehmen aus Amerika oder anderen Weltregionen nach Luxemburg zu lochen. Inwiefern wird diese Politik mit den jüngsten Beschlüssen des Weltklimagipfels von Kopenhagen erleichtert oder doch eher noch schwieriger gestaltet.

Jeannot Krecké: Im Moment vermag ich noch nicht abzuschätzen, was die Konsequenzen der Nicht-Einigung von Kopenhagen sein werden. Die EU muss ja bekanntlich jetzt eine Reihe von Entscheidungen erst treffen, und dann erst sieht man, wo die Richtung hingeht. Sicher ist es für die Unternehmen geboten, neue Wege zu gehen. Wir wollen in diesem Zusammenhang weiter für den nötigen Druck bei Produkt- und Prozessinnovation sorgen und haben u.a. im vergangenen Sommer durch neue gesetzliche Bestimmungen bessere Rahmenbedingungen und starke Hilfestellungen für besondere innovative Leistungen geschaffen.

Lëtzebuerger Journal: Prospektionsreisen haben offensichtlich nicht mehr den gleichen Nutzen wie früher. Sind wir mit unserer bisherigen Strategie und den traditionellen Standortargumenten am Ende?

Jeannot Krecké: Man sollte von der Meinung abrücken, dass der Wirtschaftsminister von jeder Auslandsreise ein neues Unternehmen mitbringt. Das funktioniert mittlerweile ganz anders. Wir versuchen nach wie vor, Unternehmen direkt anzulocken, was uns bisweilen ja auch noch gelingt. Es sind in der Regel jedoch eher kleinere Betriebe, die sich langsam entwickeln, vielleicht sogar nur eine Struktur, die erst zu einem späteren Zeitpunkt eine eigentliche Produktion startet, weil man sich hier wohl fühlt.

Wir locken zwar nach wie vor Investoren an, doch geht es uns vor allem darum, den Standort und das Land als solches dar zu stellen. Dadurch kann es dann sein, dass eventuell sogar erst einige Jahre später ein Unternehmenschef uns in die engere Auswahl bezieht und einzelne Produktionseinrichtungen hier ansiedeln will, aus denen sich später neue Zweige, eventuell sogar Forschungs- oder Logistikabteilungen entwickeln können.

Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die interessantesten Märkte mit ungeheuren Verbraucher massen und steigender Kaufkraft nicht in Europa liegen, sondern in anderen Erdteilen. Deshalb geht es auch darum, den hiesigen Unternehmen zu helfen, dort Fuß zu fassen und sich zu entwickeln. Aus diesem Grund steht beispielsweise in den nächsten Tagen eine Prospektionsreise nach Indien auf dem Programm, während wir auch unsere Präsenz in China im Zusammenhang mit der Weltausstellung verstärken wollen.

Lëtzebuerger Journal: Kann ein EU-Land wie Luxemburg mit höhen Produktions-, Lohn-, Energie- und anderen Standortkosten auf solchen Märkten denn überhaupt noch wettbewerbsfähig sein?

Jeannot Krecké: Schwierig hat man es vor allem, wenn man in diesen Ländern nicht mit einer eigenen Niederlassung vertreten ist. Die Firma Rotarex beispielsweise verkauft sehr gut in China, ist dort aber auch mit einer eigenen Einheit vertreten. Das gilt auch für das Unternehmen Paul Wurth, das mit technischen Entwicklungen aus Luxemburg in China tätig ist und, genau wie in Indien, mit über 100 Mitarbeitern vor Ort unter Leitung eines Teams aus Luxemburg sehr erfolgreich arbeitet.

Lëtzebuerger Journal: Stichwort China: Stimmt der Eindruck, dass die Marschroute des luxemburgischen Stahlkonzerns nach der Fusion auf diesem Markt etwas ins Stocken geraten ist?

Jeannot Krecké: Man muss ehrlich gestehen, dass ArcelorMittal nach der Fusion in China eine gewisse Bremsung erfahren hat. Mit der Fusion wurde die neue Einheit der chinesischen Führung und auch kleineren Konkurrenzunternehmen etwas zu groß. Zu Arcelor-Zeiten waren Projekte und Partnerschaften gestartet worden, die nachher nicht mehr zum Zuge kamen. Hier hat sich eine gewisse Angst breit gemacht, nicht zuletzt auch weil der Konzern versucht hat, Mehrheitsbeteiligungen in den Partnerfirmen anzustreben.

Deshalb wurde die Strategie geändert in dem Sinn, dass man zu zwangloseren Partnerschaften überging, bei denen weniger die Unternehmen als vielmehr gemeinsame Entwicklungen im Mittelpunkt stehen. Sicher ist allerdings, dass auch ArcelorMittal auf diesem Markt präsent sein muss.

Lëtzebuerger Journal: Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit stellt sich immer aufs Neue. Äußerungen von Unternehmen und Verbänden zufolge verliert Luxemburg ständig an Konkurrenzfähigkeit gegenüber auswärtigen Standorten. Die nächste Tripartite-Runde, die sich diesem Thema wird widmen müssen, ist für den Monat Februar angesetzt. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in diese Verhandlungen und welche Probleme müssen vorrangig gelöst werden?

Jeannot Krecké: Ich wäre schon sehr froh, wenn man in Luxemburg eine Diskussion führen könnte, bei der nicht jedes Mal, wenn Zahlen auf den Tisch kommen, die einem nicht passen, diese sofort in Frage gestellt werden. Sicher hat das Messinstrument "Observatoire de la compétitivite" einige Schwächen, die allerdings systeminhärent sind weil verschiedene Zahlen nicht zur gebotenen Zeit in allen Ländern verfügbar sind, mit denen wir uns vergleichen müssen.

Es ist allerdings eine unleugbare Tatsache, dass wir laufend an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Das will allerdings nicht jeder wahrhaben, weil man Angst hat, dass dies verschiedene Maßnahmen nach sich ziehen könrtte. Aus diesem Grund versuchen wir ja auch zunächst mit den Sozialpartnern zu sprechen, ob wir uns nicht über tatsächliche Problembefunde einigen können, auf die wir reagieren müssen.

Wenn aber Zahlen nicht in Betracht gezogen werden, weil sie einem nicht passen, dann brauchen wir diese gar nicht. Dann kann man nur noch Entscheidungen treffen, die aus dem Gefühl oder aus dem Bauch kommen. Ich würde es aber vorziehen, verschiedene Dinge sehr ernst zu nehmen, anstatt das Instrument in Frage zu stellen, weil uns das Ergebnis nicht passt. Wir sind auf diesem Gebiet an einem sehr kritischen Punkt für Luxemburg angekommen. Wir stellen weiterhin Zahlen in Frage, während uns die Zeit fortläuft.

Lëtzebuerger Journal: Wäre denn nicht auch eine strikte Trennung angebracht zwischen einer effektiveren Sozialpolitik, die auch in einem reichen Land wie Luxemburg notwendig bleibt, und einer gezielten Standortpolitik, um nicht beide Anliegen ständig zu vermischen und dadurch Entscheidungen zu treffen, die in beiden Bereichen den Anforderungen nicht genügen?

Jeannot Krecké: Wir müssen in unserer Sozialpolitik zweifellos viel selektiver werden. Andererseits können wir auch Sozialpolitik nicht allein auf dem Buckel der Unternehmen austragen. Dabei stelle ich nicht grundsätzlich die Finanzfähigkeit der Unternehmen in Frage, warne aber davor, Unternehmen mit Exportaktivitäten zusätzliche Kosten aufzubürden, die sie auf ihre Verkaufspreise nicht umwälzen können. Das mag für die Lage in der Großregion noch tragbar erscheinen.

Wenn ich aber beispielsweise lese, dass mittlerweile bereits Betriebe in Rumänien nicht mehr wettbewerbsfähig sind, dann stelle ich mit doch ernsthafte Fragen über die Situation von Luxemburg. Ich will nicht auf das Lohnniveau von Rumänien oder gar China zurück, doch wir müssen aufpassen, dass wir mit der Progression der Löhne nicht zu schnell fortschreiten, weil wir schon ein hohes Niveau erreicht haben. Mit qualitativen Argumenten kann man zwar einiges ausbügeln, aber die Proportionen müssen auch weiterhin stimmen.

Lëtzebuerger Journal: Nun halten aber beispielsweise die Gewerkschaften dagegen, dass die Lohnkosten in den letzten Jahren weniger schnell gestiegen seien, als die Produktivität. Stimmt dieses Argument, oder aber haben wir im Gegenteil schon vorher zu weit zurück gelegen?

Jeannot Krecké: Alle anderen Quellen - ob das jetzt die EZB, die luxemburgische Zentralbank, Eurostat oder der "Observatoire de la compétitivite " sind - außer den von Ihnen zitierten kommen zu der Schlussfolgerung, dass dies eben nicht so ist. Der einzige Weg aus der aktuellen Lage bleibt eine Steigerung der Produktivität. Das bringt mit sich, dass in verschiedenen Produktionsbereichen aufgrund zusätzlicher Automatisierung weniger Leute arbeiten, deshalb ist die Entwicklung neuer Verfahren so wichtig, die wir gezielt unterstützen, um die Produktivität der Unternehmen generell zu verbessern.



Haut de page

Copyright © Service Information et Presse   Aspects légaux | Contact