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d'Handwierk: Frau Hetto. Sie haben zu einem denkbar schwierigen Moment das Mittelstandsressort übernommen. Die Krise ist längst im Handwerk angekommen. Neben Bauunternehmen geraten nun der Ausbau und die technischen Gebäudeausrüster unter Druck und sogar in eher krisenfesten Branchen, wie das Lebensmittelhandwerk oder der Bereich Hygiene und Mode verschlechtert sich die Auftragslage. Wo kann die Politik den Hebel in dieser Situation ansetzen?
Françoise Hetto-Gaasch: Auf den Mittelstand warten viele Herausforderungen, die mit vereinzelten Maßnahmen sicherlich nicht zu lösen sind.
Kurzfristig gilt, die Auswirkungen der Krise auf mittelständische Strukturen möglichst gering zu halten. Aus diesem Grund hat die Regierung, trotz der angespannten Wirtschaftslage, ein antizyklisches Konjunkturprogramm aufgelegt. Auf der einen Seite stützen wir die Kaufkraft der Verbraucher und auf der anderen Seite hat die Regierung, neben ihren geplanten Investitionsausgaben, zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, um Handwerksbetriebe auf regionaler Ebene mit Aufträgen zu versorgen solange die private Nachfrage schwächelt. Auch beim Vergabegesetz wurden verschiedene Schwellenwerte angepasst, was es u.a. den Gemeinden erlaubt, Unternehmen auf regionaler Ebene zu unterstützen. Von dieser Ausnahmesituation abgesehen, begleiten wir den Mittelstand seit 40 Jahren über die so genannte "loi cadre", indem wir Investitionen und Modernisierung- und Adaptationsprozesse u.a. im Handwerk begleiten.
d'Handwierk: Die Rahmengesetzgebung zugunsten des Mittelstandes wurde im Juni 2009 angepasst. Gibt es neue Momente?
Françoise Hetto-Gaasch: Wegen der allgemein dünnen Kapitaldecke sind Investitionen im Handwerk ein wichtiges wenn auch heikles Thema. Deshalb glaube ich, dass die Regierung mit der "loi cadre" über ein wirksames Instrument verfügt, um Modernisierungsprozesse im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zu begleiten. Seit einigen Jahren werden auch die Innovationsbemühungen der Unternehmen und Investitionen in die rationelle Energienutzung und in die Lebensmittelsicherheit finanziell begleitet. Jedes Jahr bearbeiten wir rund 800 Anfragen.
Neu ist in diesem Zusammenhang, dass die Unterstützung bis zu 30 Prozent höher ausfallen kann, wenn der Antrag eingereicht wird ehe das Projekt umgesetzt ist. Heute ist es immer noch so, dass viele Unternehmen zuerst investieren und sich erst anschließend um eine Subventionierung bemühen. Man kann also nur jedem Unternehmen raten, sich frühzeitig an das Mittelstandsministerium zu wenden.
d'Handwierk: In den kommenden Jahren sollen bis zu 1.500 Handwerksunternehmen übernommen werden.
Françoise Hetto-Gaasch: Gemeinsam mit der Handwerkskammer und den betroffenen Berufsorganisationen sind wir dabei das Niederlassungsrecht weiter zu öffnen. Es macht ja nicht viel Sinn auf nationaler Ebene Hürden aufzubauen, die ein Unternehmer, der aus dem Ausland nach Luxemburg kommt erst gar nicht zu nehmen brauch. Das heißt aber auf der anderen Seite nicht, dass Qualität und Sicherheit der Dienstleistungen keine Rolle mehr spielen. Auf diese Weise wird es uns gelingen, den Kreis der potentiellen Betriebsübernehmer zu erweitern und Betriebsgründungen zu vereinfachen. Die SNCI bietet in beiden Fällen Kredite und Beihilfen an, um eventuellen Engpässen auf dem privaten Finanzmarkt entgegen zu wirken. Darüber hinaus unterstützen wir die "Mutualité d'Aide aux Artisans" bei der Gewährung von Bürgschaften. Die Regierung hat zudem beschlossen die Anfangsgehälter im öffentlichen Dienst abzusenken, wodurch eine berufliche Selbständigkeit und eine Beschäftigung in der Privatwirtschaft wieder attraktiver werden.
Viel verspreche ich mir auch von Coaching- und Mentoringprogrammen, die wir mit den Berufskammern umsetzen werden. Erfahrene Unternehmer sollen Einsteiger unter ihre Fittiche nehmen, wodurch Anfängerfehler vermieden werden könnten und Betriebsgründungen von Anfang an auf solideren Füssen stehen würden.
d'Handwierk: Welche Prioritäten sollte das Handwerk in ihren Augen in den kommenden Jahren setzen?
Françoise Hetto-Gaasch: Das Handwerk muss sich wie immer an dem orientieren, was der Kunde wünscht. Neben fachlicher Kompetenz spielt auch der Service eine immer größere Rolle. Dreh- und Angelpunkt in einem Betrieb sind die Mitarbeiter, wodurch berufliche Aus- und Weiterbildung immer wichtiger wird. Als Ministerin möchte ich diesen Prozess positiv begleiten. Das Mittelstandsministerium ist der priviligierte Ansprechpartner für das Handwerk und wird das auch bleiben.
d'Handwierk: Frau Hetto, wir danken für das Gespräch.
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