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Interview
"Ungesunde Lage". Jeannot Krecké au sujet de l'économie luxembourgeoise
"Télécran" du 03-02-2010

Vers le niveau supérieur

Télécran: Die geplante Schließung der Brauerei Diekirch hat eine Schockwirkung in der Bevölkerung erzeugt, weil die Biersorte zum gemeinsamen Kulturgut zählt, obwohl sie längst in ausländischer Hand war. Leben wir in einer Illusion?

Jeannot Krecké: Nein. Aber es ist schwierig, den Industriestandort zu festigen. Und es ist schwierig an den gleichen Erfolg anzuknüpfen, den der Finanzsektor uns brachte.

Télécran: Zu welchem Anteil wird die Luxemburger Wirtschaft noch national gesteuert?

Jeannot Krecké: Sie wird größtenteils vom Ausland gesteuert.

Télécran: Zu wie viel Prozent?

Jeannot Krecké: Das kann man so nicht beziffern. Luxemburger Industriebetriebe sind meist Filialen ausländischer Konzerne. Das gleiche gilt für die Banken. Wir haben es ja erlebt im Rahmen der Finanzkrise, wie Entscheidungen der Mutterhäuser direkte Auswirkungen auf den Finanzplatz hatten. Teilweise in Luxemburger Hand sind hauptsächlich noch Handwerksbetriebe, Geschäfte und das Hotelgewerbe. Es ist eine Illusion zu glauben, dass Luxemburgs Wirtschaft mit Luxemburger Kapital aufgebaut ist.

Télécran: Welchen Spielraum hat der Wirtschaftsminister?

Jeannot Krecké: Er muss verstärkt im Ausland für den Standort Luxemburg werben. Wir versuchen neue Wirtschaftszweige zu entwickeln und hoffen, dass auch Luxemburger Kapital, das es ja trotzdem noch gibt, mitzieht. Das gelingt freilich nicht immer. Dann sind wir auf ausländisches Kapital und ausländisches Input angewiesen.

Télécran: Welche Rolle spielt das Label "Made in Luxembourg"?

Jeannot Krecké: Es zeigt, dass unser Land hochwertige Produkte herstellt. Dies kommt unserem Image zugute.

Télécran: Es ist still geworden um die Zukunft Luxemburgs als Logistikzentrum. Neuerdings werben Sie für den Aufbau von Freihandelszonen. Ist die Diversifizierungspolitik ein "pilotage à vue"?

Jeannot Krecké: Nein. Wir geben Studien in Auftrag, um das Potenzial neuer Wirtschaftsaktivitäten auszuloten. Dann sehen wir ja, was interessant ist und was für uns in Frage kommt. Leider dauert die Umsetzung neuer Projekte immer sehr lange. In Contern haben wir bereits ein Logistikzentrum, das funktioniert. Der Ausbau der WSA hat sich verzögert.

Télécran: Glauben Sie denn noch an die Logistik?

Jeannot Krecké: Auf jeden Fall. Der Welthandel wird wieder anziehen und damit auch die Logistik. Der Schifffahrtssektor entwickelt sich gut. In Sachen Technoparks schlagen wir neue Wege ein. Diese Sparten werden ihre Früchte tragen. Ob sie dem Staat so viel Geld einbringen werden, wie der Finanzsektor, ist ungewiss. Ich glaube eher nicht, und an diese Tatsache müssen wir uns erst gewöhnen.

Télécran: Warum kommt der Ausbau der WSA nur schleppend vorwärts?

Jeannot Krecké: Wegen der langen Prozeduren. Sie wissen ja, dass es hierzulande immer sehr lange dauert, bis Projekte umgesetzt werden können.

Télécran: Sie sitzen ja schon lange in der Regierung und hätten dies ändern können...

Jeannot Krecké: Ich beschwere mich regelmäßig, konnte mich aber noch nicht durchsetzen.

Télécran: Die Firma GE stellt den Betrieb in Echternach ein. Erwarten Sie weitere Hiobsbotschaften?

Jeannot Krecké: Seit zwei Jahren erleben wir zahlreiche Betriebsschließungen. Und es ist noch nicht vorbei. Das Konjunkturkomitee liefert uns einen guten Überblick über die Lage der Betriebe. Unter den Firmen, die aus konjunkturellen Ursachen Kurzarbeit fahren, wird es mit Sicherheit auch welche geben, die mittelfristig aus strukturellen Gründen schließen werden. Die Menschen, die ihren Job verlieren, haben keine Chance auf einen vergleichbaren neuen Job. Deshalb müssen wir um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Die Firma GE wollte nicht in Luxemburg bleiben. Das Ende des Mietvertrags war nur ein Vorwand, wir hatten ihr alternative Infrastrukturen angeboten, aber sie lehnte ab.

Télécran: Auch der InBev wurden Alternativen zur Schließung angeboten, aber sie lehnte ebenfalls ab. Ist die Lage vergleichbar?

Jeannot Krecké: Nein. Für GE gibt es keinen Interessenten. Für die Brauerei in Diekirch schon und sogar mehrere. Die Verhandlungen sind nicht abgeschlossen. Ich habe bereits viele Stunden an diesem Dossier gearbeitet. Aber es sind schwierige Verhandlungen.

Télécran: Wer sind denn die potenziellen Käufer - neben Bofferding? Etwa auch der Staat?

Jeannot Krecké: Nein! Wir machen ja vieles. Aber Braumeister, nein. Diese Richtung werden wir definitiv nicht einschlagen.

Télécran: Welche Rolle spielen Familienbetriebe in der Luxemburger Wirtschaft?

Jeannot Krecké: Es gibt nur noch wenige. Mit diesen Betrieben kann man anders verhandeln. Sie haben ein Gesicht. Man spricht mit Menschen, die man beeinflussen kann. Es ist eine ganz andere Beziehung als etwa mit dem CEO einer anonymen Gruppe, der am anderen Ende der Welt sitzt.

Télécran: Sorgt es Sie, dass die Wirtschaft sich zunehmend von den Menschen entfernt?

Jeannot Krecké: Mich sorgt vor allem ein gesellschaftliches Problem: das Auseinanderklaffen des privaten und des öffentlichen Sektors. In der Privatwirtschaft arbeiten nur wenige Luxemburger, weil die meisten sich für einen gesicherten und gut bezahlten Posten beim Staat entscheiden. Ich sehe eine akute Bedrohung für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Lage ist höchst ungesund.



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