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Télécran: Die Grundschule wurde kürzlich erst reformiert und nun planen Sie bereits die Reform des Sekundarunterrichts. Wäre es nicht wichtig, zuerst die Umsetzung der ersten Reform auszuwerten, bevor man zur nächsten Etappe schreitet?
Mady Delvaux-Stehres: Wir müssen sicherstellen, dass die Kohärenz gewährleistet bleibt. Wir können nicht bei der Reform der Grundschule stehen bleiben und die Schüler, die in den Sekundarunterricht wechseln, im Regen stehen lassen. Das System, an das sie dort gewöhnt wurden, muss fortgesetzt werden. Die Reformen sind ja ein Ganzes.
Télécran: Was ist denn die große Gemeinsamkeit?
Mady Delvaux-Stehres: Es ist die Herangehensweise mit Kompetenzsockeln.
Télécran: Gibt es denn bereits Kompetenzsockel für den Sekundarunterricht?
Mady Delvaux-Stehres: Zum Teil. Wir sind im Begriff, daran zu arbeiten. Es wird sogar bereits seit vier Jahren an der Festlegung dieser Sockel gearbeitet.
Télécran: Ihr Ziel ist es, die Zahl der Sektionen zu straffen. Im Laufe der vergangenen Jahre schien genau das Gegenteil anvisiert zu sein. Damals lag der Trend bei der Schaffung von immer mehr Sektionen. Warum wird dies nun schon wieder rückgängig gemacht?
Mady Delvaux-Stehres: Wir haben festgestellt, dass es im klassischen Sekundarunterricht zuviel Sektionen gibt, im technischen Sekundarunterricht hingegen zu wenige. Wir müssen ja sehen, dass es seit den 60er-Jahren keine grundlegende Reform des Sekundarunterrichts mehr gab. Doch die Welt hat sich während dieser Zeit massiv verändert. Wir müssen Sorge tragen, dass unsere Schüler eine umfassende Allgemeinbildung erhalten. Dazu gehört auch die wissenschaftliche Bildung. Wenn man heute über den Klimawandel oder Nanotechnik mitdiskutieren will, dann braucht man dazu ein solides Hintergrundwissen. Unser Land braucht Menschen, die optimal ausgebildet sind. Das ist unsere wichtigste Zukunftschance.
Télécran: Die wissenschaftliche Bildung soll gestärkt werden. Was bleibt noch übrig für die humanistische Bildung?
Mady Delvaux-Stehres: Also die Humanwissenschaften waren stets sehr gut vertreten. Schüler der Mathematiksektion müssen jedenfalls mehr Humanbildung absolvieren als A-Schüler wissenschaftliche Bildung. Auch künftig werden Sprachen auch auf "Premiere" in allen Sektionen, auch der wissenschaftlichen, auf dem Programm stehen.
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