|
Claude Clemens: Herr Minister, Ihr Vorgänger sagte bei seinem letzten COSL-Kongress, er sei dort bei Freunden. Mit welcher Einstellung gehen Sie nach neun Monaten Amtszeit am Samstag zu Ihrem ersten COSL-Kongress?
Romain Schneider: "In diesen neun Monaten gab es schon sehr viele Kontakte mit der Welt des Sports. Die Chemie war gut, es stimmte fachlich und menschlich. Im Dezember hatte ich die letzte größere Zusammenkunft mit dem COSL. Ich würde mal sagen, ich gehe noch nicht zu Freunden, aber zu guten Bekannten und Gleichgesinnten."
Claude Clemens: Aufgeregt?
Romain Schneider: "Nein, nicht als Politiker auf diesem Niveau. Außerdem komme ich aus dem Sport und kenne jetzt alle Dossiers. Aber ich werde mich schon anders vorbereiten, der Wichtigkeit angemessen. Und dann gleich noch einmal, für Sonntag, für meinen letzten Kongress als Partei-Generalsekretär."
Claude Clemens: Wir machten vor kurzem eine ausführliche Bestandsaufnahme aller zu bauenden Sportstätten (siehe Tageblatt vom 26. Februar). Dabei angeschnitten wurde das Dossier Sportlycee. Wie sieht es hier mit dem Gesetzestext aus, damit das Lyzeum endlich eine rechtliche Basis hat?
Romain Schneider: "Das Gesetz ist so gut wie fertig, diese Woche war eine der letzten gemeinsamen Sitzungen von Sport und 'education nationale. Das Konzept musste aus der bestehenden Praxis in Gesetzesform umgeschrieben werden, das bedurfte einiger Feinarbeit. Dann muss es auf den Instanzenweg."
Claude Clemens: Das Sportlycee ist eines der wichtigsten Projekte von Jeannot Krecké gewesen. Ihr Vorgänger hat, nach einer Flaute, viel bewegt. Ist für Sie noch Platz für eigene Initiativen, oder gilt es "nur" weiterzuführen und fertigzustellen?
Romain Schneider: "Jeannot Krecké sagte auf dem letzten COSL-Kongress, es sei noch viel zu erledigen. Und in kurzer Zeit wurde nun schon vieles abgehakt. In Stichworten: Sportlycée, "Oeuvre Grande-Duchesse Charlotte" und COSL, die erste Liste des Fünfjahresplans für Sport-Infrastrukturen, Ehrenamt, Luxemburg als Sitz großer internationaler Verbände, der Sport im Lissabon-Vertrag etc. Im Regierungsprogramm steht über Sport eigentlich nicht so viel, das muss nun mit Leben erfüllt werden. Für meine Tätigkeit als Minister sehe ich vier wichtige Sockel, auf denen der Sport stehen muss: die absoluten Top-Sportler, der Sport auf einem internationalen oder europäischen Wettkampf-Niveau, der Amateursport in Luxemburg, und schließlich der Freizeit- und Schulsport, der Sport unter seinem gesundheitlichen und vorbeugenden Aspekt. Meiner Meinung nach der wichtigste Sockel, der Grundgedanke des Sports. Nicht nur gesunde Finanzen sind wichtig für ein Land, sondern auch gesunde Bürger! Und die Elite-Sportler sind die Lokomotiven für den Breitensport."
Claude Clemens: Im Kontext Schule: Es sind bekanntermaßen zu viele Sportlehrer "auf dem Markt". Es gab die Idee, diese im Sportunterricht in der Grundschule einzusetzen. Wie weit ist diese Idee fortgeschritten?
Romain Schneider: "Es gibt eine inter-ministerielle Arbeitsgruppe Sport - Bildung, die sich mit vielen Themen befasst. Auch mit diesem. Der Bedarf in der Grundschule ist da, das ist klar, der angesprochene Überschuss ist auch eine Realität. Wie ein 'Zusammenführen' beider Probleme in der Praxis aussehen könnte, darüber wird in der Tat weiter nachgedacht."
Claude Clemens: Sie bekleiden "zweieinhalb" Ministerposten. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für den Sport? Genug Zeit?
Romain Schneider: "Die Landwirtschaft mit allem, was dranhängt, ist die Hauptsache, die beiden anderen gehen nebenher. Der Anfang meiner Amtszeit mit der Milchkrise war schwierig, aber mit guten Mitarbeitern ist das zu bewältigen. Ich reserviere einen Tag der Woche ganz dem Sport, dazu kommen dann fast alle Wochenenden mit dem praktischen Kontakt zur Sportwelt."
Claude Clemens: Viel Zeit widmeten Sie auch dem Streit Coque - Marathon. Eine (Zwischen-) Bilanz?
Romain Schneider: "Der Streit hat den Minister eigentlich schon zu viel Energie gekostet - er ist nicht der Organisator. Da ich neu war, wollte ich aber noch einmal versuchen, zu vermitteln."
Claude Clemens: Fischen wir noch zwei Punkte aus dem Regierungsprogramm heraus, über die bisher kaum bis gar nicht geredet wurde: die Revision der gesetzlichen Bestimmungen betreffendden "congé sportif", bzw. die Revision des Gesetzes von 1988 "portant Organisation de la structure administrative de l'éducation physique et des sports". Was hat es damit auf sich?
Romain Schneider: "Eher Routine. Es wird festgehalten, wie viel 'conge sportif momentan bewilligt wird, ob dies genug ist, wo noch Bedarf herrscht. Auch bei der Eneps (Ecole nationale de Peducation physique et des sports, d.Red.) wird eine Art 'Ist-Zustand' erhoben, das Funktionieren der Institution analysiert. In beiden Bereiche gilt es, zu sehen, wie sie funktionieren, und gegebenenfalls Verbesserungen vorzunehmen."
Claude Clemens: Drei Stichworte in eine Frage gepackt, da sie zumindest entfernt zusammenpassen: "cheques-service accueil" (CSA), Ehrenamt, neues Asbl-Gesetz ...
Romain Schneider: "Zu Letztgenanntem: Anpassungen sollen vorgenommen werden, aber ich meine, dass es bereits in der aktuellen Form nicht zu viele Änderungen für den Sport geben wird (das Interview wurde vor der Biltgen-Pressekonferenz dieser Woche geführt, d.Red.). Ich sehe eher Chancen für den Sport. Man muss das jetzt weiter verfolgen. Die CSA sind eine Riesen-Chance für den Sport zu einer Qualitätssteigerung in der Betreuung. Viele Vereine haben die Möglichkeit auch schon ergriffen. Es ist eine Anerkennung und eine Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements. Im Bereich Benevolat gab es schon zwei konkrete Maßnahmen: die teilweise Rückerstattung vom Ministerium der Beiträge für Kaskoversicherungen an die Vereine sowie als moralische Unterstützung sozusagen die Aktion 'benevole de l'annee'. Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgt im April. In den nächsten Monaten wird zudem eine Kampagne für verstärktes ehrenamtliches Engagement gestartet werden."
Claude Clemens: Ein weiteres Stichwort, quasi obligatorisch: Doping. R.S.: "Ich glaube, dass wir da in Luxemburg gut aufgestellt sind. Die ALAD macht gute Arbeit, hat gute internationale Kontakte und ist immer auf dem Laufenden über die neuesten Entwicklungen. Die richtigen und die nötigen Kontrollen werden durchgeführt. Als Prinzip gilt natürlich weiterhin: null Toleranz."
Claude Clemens: Mit dem Lissabonner EU-Vertrag, wo der Sport erstmals seinen Platz hat, dürfte es in Zukunft auch formelle Sportminister-Treffen auf EU-Ebene geben. Dasjenige vom 20./21. April ist noch informell. Wie sieht's in diesem Dossier aus?
Romain Schneider: "Der Sport soll seine eigene Politik machen, seine eigenen Ausrichtungen verfolgen. So steht es im Vertrag. Nun gibt es aber z.B. in der EU-Kommission keinen eigenständigen Kommissar für Sport ... Hier muss noch vieles definiert werden, sowie eine ganze neue technische Organisation - Arbeitsabläufe, Arbeitsgruppen, vorbereitende Konferenzen, wie soll ein 'richtiger' Sportminister-Rat überhaupt funktionieren etc. - aufgebaut werden. Das alles soll in Madrid auf der Tagesordnung stehen."
Claude Clemens: Zum Abschluss kann ein Thema in diesen Zeiten nicht ausbleiben: das Geld. Muss auch der Sportminister sparen?
Romain Schneider: "Jedes Ministerium wird seinen Obolus leisten müssen. Auch wir müssen unsere 'frais de fonctionnement' und Investitionen überprüfen. Der Vorteil: Unser Budget ist ohnehin klein. Und unser Ministerium investiert nicht viel, sondern subventioniert vor allem, über den Fünf jahresplan für Sportstätten. Da muss dann der Sportminister, und nur er, seine Prioritäten setzen."
|