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Ady Richard: Frau Ministerin, Sie sind als Kooperationsministerin gewissermaßen Luxemburgs "Madame Millennium". Wie realistisch schätzen Sie die doch recht hochgesteckten Ziele ein. Wird der Gipfel in New York ein Erfolg?
Marie-Josée Jacobs: Wir haben in der Kooperationspolitik viel erreicht. Ich will zunächst einmal diese positive Botschaft verbreiten. Als konkretes Beispiel möchte ich Kap Verde nennen. Das Land, in dem sich auch unsere Kooperation engagiert hat, hat es geschafft, sich aus seiner extremen Armut zu befreien. Dies macht Hoffnung. Mir macht es auch Hoffnung für das Erreichen der Millenniumsziele. Ich bin also Optimistin und Realistin zugleich. Das Millennium-Glas ist halb voll, nicht halb leer. Und 2015 ist ja erst die Hälfte des Weges.
Ady Richard: Hat Luxemburg eigentlich seine Hausaufgaben gemacht in Sachen Millenniumsziele?
Marie-Josée Jacobs: Wir liegen zurzeit bei einer Kooperationshilfe von 1,04 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Also weit über den 0,7 Prozent der UN-Millenniumsziele. Doch wir müssen auch sehen, dass das Geld zu den Menschen kommt und nicht bei korrupten Verwaltungen hängen bleibt. Dies tun wir. Mit einer klaren Priorität für die ärmsten Menschen. Und mit klaren Projekten in Schulen, Krankenhäusern, Wasserversorgung oder Mikrofinanzen.
Ady Richard: Luxemburg ist zwar alles andere als arm, steckt aber auch in der Finanz- und Eurokrise. Wird auch Kooperationspolitik damit schwieriger?
Marie-Josée Jacobs: Gerade in dieser Krise stehen wir in Luxemburg in der Pflicht. Denn die Finanzkrise trifft vor allem die Ärmsten der Armen am schlimmsten. Den Zweiflern will ich sagen, dass Kooperations- und Millenniumspolitik auch im wohlverstandenen Eigeninteresse Luxemburgs und Europas ist. Moral und Eigennutz treffen sich hier.
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