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Luxemburger Wort: Wie ist das Verhältnis zu Amerika?
Jeannot Krecké: Wir haben weiterhin ein privilegiertes Verhältnis zu Amerika, auch wirtschaftlich gesehen. In den 60er und 70er-Jahren haben wir eine Diversifikationspolitik durchgeführt, und die amerikanischen Unternehmen waren damals die ersten, die die neuen Möglichkeiten in Luxemburg nutzen wollten. Ich habe persönlich kaum Kontakte mit der amerikanischen Regierung. Die Zusammenarbeit erfolgt vornehmlich mit den Unternehmen. Die amerikanische Regierung will die Unternehmen nicht beeinflussen oder ihnen diktieren, was sie zu tun haben. Dies ist ein großer Unterschied zu den anderen Ländern, aber das klappt gut.
Luxemburger Wort: Und das Verhältnis zu Kanada?
Jeannot Krecké: Kanada haben wir ein wenig vernachlässigt. Wir haben uns mehr mit Amerika auseinandergesetzt. Ich war in Montreal und Toronto; es ist ein sehr interessantes Terrain, aber ein kleines Land wie Luxemburg kann nicht alles abdecken. Ich habe mir vorgenommen, mich in nächster Zeit darum zu kümmern, aber Kanada ist ein sehr großes Land, und ich werde mich auf zwei, drei Städte konzentrieren müssen. Das Land ist nicht zu unterschätzen, es besitzt sehr viele Möglichkeiten, und es wird erfolgreich bleiben, auch wegen seiner Ressourcen, die wir in Europa nicht mehr haben.
Luxemburger Wort: Sind wir auf dem Radar dieser Länder?
Jeannot Krecké: Wir sind dort wahrscheinlich bekannter als in anderen Ländern. Die großen Konzerne kennen Luxemburg, aber je kleiner der Betrieb, desto weniger wissen die Unternehmen über Luxemburg. Die Consultingfirmen, die für diese Unternehmen arbeiten, haben Luxemburg längst auf dem Radar und bringen uns ins Gespräch.
Luxemburger Wort: Warum ist Amerika für Luxemburger Unternehmen interessant?
Jeannot Krecké: Amerika ist trotz allem immer noch die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Es läuft nach wie vor nichts, wenn das Land es nicht mitträgt. Und wenn Amerika hustet, hustet der Rest der Welt mit, vor allem Europa. Die USA beheimatet die großen Unternehmen, aber es gibt auch sehr viele kleine Unternehmen, die extrem aktiv und innovativ sind. Dementsprechend bleibt es ein sehr interessantes Zielgebiet für Luxemburg.
Luxemburger Wort: Welche Luxemburger Unternehmen sind schon in Nord-Amerika aktiv? Welche wollen es noch werden?
Jeannot Krecké: Wir sind in Amerika nicht so stark aufgestellt. Vor allem die ganz großen Unternehmen wie Cargolux und ArcelorMittal sind dort sehr aktiv. Kleinere Unternehmen haben Schwierigkeiten, dort Fuß zu fassen. Viele Unternehmen im Automobilbereich liefern Teile an amerikanische Autobauer. Es gibt aber nicht den großen "Rush", um sich in Amerika niederzulassen.
Luxemburger Wort: Gibt es neue Unternehmen, die den Sprung nach Luxemburg wagen wollen?
Jeannot Krecké: In Kalifornien ziehen die Aktivitäten wieder stark an. Es war ein bisschen ruhiger, aber das Interesse für Luxemburg ist auf der Westseite wieder steigend. In letzter Zeit sind es eher relativ kleine Unternehmen, die in Frage kommen.
Luxemburger Wort: Welche Rolle spielen die Repräsentationsbüros?
Jeannot Krecké: Über die Repräsentationsbüros in New York und San Francisco bekomme ich regelmäßig Informationen, wenn Unternehmen nach Europa wechseln wollen. Wenn ein Unternehmen in unseren Rahmen passt, versuchen wir, es zu überzeugen, nach Luxemburg zu kommen. Die Generalkonsule Luxemburgs und Direktoren des Luxemburger "Trade and Investment Office" Francois Knaff (New York) und Georges Schmit (San Francisco), nehmen Kontakt mit den Unternehmen auf und präsentieren den Standort Luxemburg. Dann wird analysiert, was machbar ist und was nicht. Wenn das Interesse vorhanden ist, dann versuche ich bei einer nächsten Wirtschaftsmission, das Unternehmen zu besuchen.
Luxemburger Wort: Können sie uns mehr von den Wirtschaftsmissionen in Amerika erzählen?
Jeannot Krecké: Ich gehe mindestens zweimal pro Jahr nach Amerika, um die Ost- oder die Westküste zu besuchen. Ich werde im Oktober auch wieder dort sein, wenn der Business Award in New York verliehen wird. Dieses Jahr wird Husky geehrt, vor zwei Jahren war es Delphi. Auch bei diesem Event kann ich Kontakte mit Unternehmen knüpfen.
Luxemburger Wort: Geben amerikanische Unternehmen auch an, warum sie Luxemburg auswählen?
Jeannot Krecké: Für die Unternehmen, die im e-Commerce tätig sind zum Beispiel, war unsere niedrige Mehrwertsteuer der Startpunkt. Das ist jetzt nicht mehr so. Heute kommen diese Unternehmen nach Luxemburg, weil wir hervorragende Infrastrukturen haben und ihnen interessante Möglichkeiten bieten. Unsere zentrale Lage in Europa ist ebenfalls wichtig, daher müssen wir unsere Verbindungen zu den anderen europäischen Wirtschaftszentren im Auge behalten. Wir haben uns bemüht, unsere Kommunikationsnetze auszubauen und damit haben wir auch großen Erfolg. Auch die zur Verfügung stehenden Datencenter und die Einsatzbereitschaft der Enovos in puncto Energiezufuhr ist nicht zu unterschätzen. Da haben wir so manches zu bieten. Außerdem gibt es für jedes Unternehmen, das nach Luxemburg kommen will, einen designierten Ansprechpartner im Ministerium, der seine Anliegen betreut.
Luxemburger Wort: Würden einige große Unternehmen die schon seit Jahren hier sind, heute noch Luxemburg wählen?
Jeannot Krecké: Wir haben dies noch nie mit den Unternehmen besprochen. Wir müssen aber weiterhin attraktiv bleiben. Die anderen Länder schlafen nicht. Wir bekommen starke Konkurrenz aus Holland, Irland und der Schweiz. Vor allem Holland, das stark im Bereich der Logistik aufgestellt ist, ist immer auf der Short-list der ausländischen Unternehmen.
Luxemburger Wort: Hat das Verhältnis zwischen Luxemburg und Nord-Amerika in letzter Zeit gelitten?
Jeannot Krecké: Luxemburg hat einen guten Ruf in Nordamerika. Mit den Problemen in der Bankenwelt hat es zwar einen kleinen Knacks gegeben, denn wir waren schon unter Druck der G8, aber ich hoffe, dass das gute Verhältnis weiterhin bestehen bleibt.
Luxemburger Wort: Sehen die Amerikaner Europa wirklich als die "alte Welt"?
Jeannot Krecké: Sie sehen Europa vor allem als eine wenig dynamische Welt. Auch die Wachstumsperspektiven sind hier nicht mehr so interessant. Man spürt in den Unternehmen, dass Europa wohl noch ein Zielgebiet ist, aber nicht mehr die erste Wahl. Es scheint mir, dass viele Unternehmen ihre Prioritäten umstellen, um mehr mit Süd-Ostasien zu arbeiten, und das ist bedenklich.
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