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Interview
"On appuie trop souvent sur le frein", Jeannot Krecké au sujet des efforts entrepris pour améliorer la compétitivité luxembourgeoise
"Luxemburger Wort" du 27-01-2011

Vers le niveau supérieur

Luxemburger Wort: Wie steht es um die Luxemburger Wirtschaft zu Beginn dieses Jahres?

Jeannot Krecké: Das ist abhängig von der jeweiligen Branche. Handel und Handwerk stehen nicht schlecht da. Die Betriebe waren von der Krise nicht in dem Maß betroffen, wie man hätte befürchten können. In der Industrie ist die Situation unterschiedlich. Es gibt Firmen, die konnten wachsen gegenüber 2008. In der Bauwirtschaft sieht es hingegen schwierig aus - übrigens europaweit. Die Stahlbranche ist noch weit entfernt vom Vorkrisenniveau 2008. Die Krise ist also nicht für alle Unternehmen vorbei. 2010 war ein schwieriges Jahr, 2011 wird ein Übergangsjahr, weil sich jetzt erst zeigen wird, wohin die Reise wirklich geht.

Luxemburger Wort: Neben den konjunkturellen Schwierigkeiten gibt es nach wie vor strukturelle Schwächen, die gelöst werden müssen.

Jeannot Krecké: Es bestehen strukturelle Schwierigkeiten, die jedoch nichts mit der Krise direkt zu tun haben, die aber durch die Krise viel stärker in den Vordergrund getreten sind. Beispiel Finanzplatz: Der Bankenplatz orientiert sich grundlegend neu und wird ein anderer sein, stärker auf Produkte statt auf das Bankgeheimnis ausgerichtet. Die Folgen der Krise haben diesen Wandel beschleunigt.

Luxemburger Wort: Gab es - wie viele Menschen glauben möchten - in Luxemburg keine wirkliche Krise?

Jeannot Krecké: Das ist ein großer Irrtum. Wir waren in Luxemburg aus verschiedenen Gründen und Umständen in der glücklichen Lage, die Krise nicht so stark zu spüren wie z.B. unsere Nachbarn. Allerdings steigt trotz besserer Wachstumszahlen in Luxemburg noch immer die Arbeitslosigkeit - das sollte zu bedenken geben. Besonders schwer getroffen hat es die Grenzgänger, die nicht in der Statistik auftauchen. Vor allem die Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen waren vom Stellenabbau betroffen. Inzwischen steigt die Zahl der Verträge auf Zeit wieder. Das ist allerdings ein Hinweis darauf, dass die Unternehmen ihre Zukunft noch immer unsicher sehen.

Luxemburger Wort: Die Regierung hat mit verschiedenen Maßnahmen versucht, die Folgen der Krise abzufedern. Wie sehen Sie diese Entscheidungen im Rückblick?

Jeannot Krecké: Das waren ganz wichtige Instrumente, um größere Entlassungswellen zu verhindern. Das ist gelungen. Inzwischen ist die befristete Arbeitslosigkeit stark zurückgegangen. Im Gegensatz dazu ist es allerdings erstaunlich, dass 2010 wesentlich mehr Betriebe die von der EU-Kommission genehmigten staatlichen Hilfen und Garantien in Anspruch nehmen als 2009. In einzelnen Bereichen wie im Dienstleistungssektor oder bei kleinen Produktionsfirmen scheint die Krise erst jetzt voll durchzuschlagen.

Luxemburger Wort: Wenn man die Windrichtung nicht selbst bestimmen kann, wie muss man seine Segel ausrichten, um trotzdem voranzukommen?

Jeannot Krecké: Es hängt viel davon ab, was außerhalb unserer Grenzen passiert. Die Frage ist also, ob z.B. Deutschlands Konjunktur nachhaltig ansteigt, was wiederum abhängt vom Exportgeschäft. Auch Luxemburg verzeichnet Zuwachs, allerdings sind die Margen viel kleiner geworden. Wir haben immer mehr Unternehmen, die abhängig sind von den internationalen Märkten und damit "Price-Taker" sind. Die wenigen "Price-Maker" sind überwiegend in der Großregion aktiv. Hier können wir die Windrichtung noch beeinflussen. Wir müssen dafür Sorge trägen, dass diese Unternehmen hier bleiben und wachsen können. Große Produktionsunternehmen werden wir nicht ins Land ziehen können.

Luxemburger Wort: Sollte sich Luxemburg angesichts einer sinkenden Bedeutung als Industriestandort nicht ganz auf das Dienstleistungsgeschäft mit all seinen Facetten konzentrieren?

Jeannot Krecké: Solange ich Wirtschaftsminister bin, bleibt Luxemburg ein Industriestandort. Dafür setze ich mich in der ganzen Welt ein. Im Ausland wird man erst ernst genommen, wenn man nachweisen kann, welche Produkte man herstellt.

Luxemburger Wort: Wie lässt sich Luxemburg als Industriestandort erhalten?

Jeannot Krecké: Mit guten Nischenprodukten. Wir müssen es fertig bringen, Produkte herzustellen, die es noch nicht gibt oder deren Qualität weit über vergleichbaren Erzeugnissen liegt. Dafür müssen neue Branchen entwickelt und aufgebaut werden. Das geschieht z. B. im Bereich "Life Sciences" oder grüne Technologien. Dort wollen wir Kompetenzen und Infrastrukturen aufbauen, mit deren Hilfe neue Produkte entstehen. Jedes Nischen-Geschäft ist gut. Es geht nicht darum, andere Aktivitäten zu ersetzen. Die Vielfalt mindert das Risiko.

Luxemburger Wort: Im April vergangenen Jahres hat der Wirtschaftsminister 65 Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit vorgestellt. Was ist davon bislang umgesetzt worden?

Jeannot Krecké: Davon wurden etwa zwei Drittel umgesetzt. Wir haben innerhalb des Ministeriums vor kurzem Bilanz gezogen. Jetzt werden die Ressortkollegen angeschrieben, um ihrerseits die Ergebnisse mitzuteilen.

Luxemburger Wort: Welche Punkte sind noch kritisch?

Jeannot Krecké: Ein langfristiges Projekt betrifft die Gemeindefinanzen. Wir haben 1992 eine Gemeindefinanzreform gemacht, und durchgesetzt, dass Gemeinden mit vielen Betrieben andere mit weniger Gewerbesteuereinnahmen unterstützen. Wir müssten vielleicht einen Anreiz schaffen, Firmn anzuziehen. Das ist ein langer Prozess. Was bereits läuft, ist eine neue Insolvenz-Regelung, die Firmen nach amerikanischem Vorbild z.B. eine Art kontrollierte Weiterführung ermöglichen soll.

Luxemburger Wort: Bis wann ist die Maßnahmen-Liste komplett abgearbeitet?

Jeannot Krecké: Es gibt sicherlich Punkte, die über die Legislaturperiode hinausgehen. In zwei bis drei Monaten lege ich zunächst mal eine vorläufige Bilanz vor. Ich rechne damit, dass bis Ende dieses Jahres etwa 50 Maßnahmen umgesetzt sein könnten.

Luxemburger Wort: Im November 2010 beklagte sich der Wirtschaftsminister öffentlich, dass es ihm an Instrumenten fehle, um Erfolg zu haben. Es war sogar von Rücktritt die Rede.

Jeannot Krecké: Es werden Sachen initiiert oder koordiniert. Jedoch hat man nicht immer alle Hebel in der Hand, um Projekte bis zum Ende voranzutreiben. Als Hürde erweisen sich z.B. der Einspruch einer Gemeinde oder langwierige Genehmigungsverfahren. Wir brauchen mehr Standardregeln, statt sämtliche Eventualitäten steuern zu wollen.

Luxemburger Wort: Sind Sie amtsmüde?

Jeannot Krecké: Ich sagte damals: "Wenn ich mich wirklich ernst nehmen würde, müsste ich zurücktreten". Ich hätte allerdings noch hinzufügen müssen, "den Gefallen werde ich Ihnen nicht tun." Ich war und bin über die Prozessabläufe verärgert. Ich ernte Kritik für Dinge, die ich nicht in der Hand habe. Da müssen wir uns verbessern. Dazu dienen ja auch die 65 Maßnahmen. Ich bin weder amtsmüde noch habe ich die geringste Lust, zurückzutreten. Statt sich über meine Motivation überflüssige Gedanken zu machen, sollten die Probleme, die mich zu dem Satz veranlasst haben, gelöst werden. Wir stehen bei vielen Entwicklungen zu lange auf der Bremse.



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