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Luxemburger Wort: Warum ist die Teilnahme der Kommunen an Interreg-Programmen so gering?
Jean-Marie Halsdorf: Die Hauptbegründung, die in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt wird, ist der administrative Aufwand, den ein Interreg-Projekt mit sich bringt. Dieser Aspekt der Projektverwaltung wird immer zeitaufwändiger und erfordert einiges an Manpower, um allen administrativen Verpflichtungen nachkommen zu können. Der Faktor Zeit wird im Allgemeinen oft unterschätzt. Man kann ein grenzüberschreitendes Projekt nicht einfach nebenher abwickeln, es kostet viel Zeit und Geduld, sich auf seine Partner einzustellen und eine regelmäßige Zusammenarbeit aufzubauen und umzusetzen. Diese notwendige Zeit und Manpower steht neben dem Alltagsgeschäft oft einfach nicht zur Verfügung.
Luxemburger Wort: Was macht die Regierung, um den Kommunen die Arbeit zu vereinfachen?
Jean-Marie Halsdorf: Seit letztem Jahr hat das Interreg- Programm einen Fonds für Mikroprojekte aufgelegt, der sowohl den Gemeinden als auch kleineren Strukturen den Zugang zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erleichtern soll. Hier sind die Rahmenbedingungen einfacher gehalten als bei klassischen Interreg-Projekten und es wurde versucht, die administrativen Anforderungen so gering wie möglich zu halten. Des Weiteren wollen wir in der nächsten Förderperiode darauf hinwirken, den Verwaltungsaufwand proportional zum Projektvolumen zu gestalten.
Luxemburger Wort: Eine neue EU-Förderperiode (2014 bis 2020) ist in Planung. Wie sieht die Zukunft für Interreg- Projekte in der Region aus?
Jean-Marie Halsdorf: Die Europäische Kommission hat Anfang Oktober ihre Vorschläge für die neuen Verordnungen, auf denen die neue Förderperiode basieren wird, veröffentlicht. Diese werden nun mit den Mitgliedsstaaten verhandelt, bevor es zur Verabschiedung durch den Rat und das Europäische Parlament kommt. Das heißt, im Moment gibt es noch mehr offene Fragen als Antworten, was die neuen Rahmenbedingungen angeht. Sicher ist aber, dass es inhaltlich eine stärkere thematische Konzentration geben wird im Hinblick auf die Ziele der Wachstumsstrategie der EU "Europa 2020".
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