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Marietta Slomka: Der luxemburgische Regierungschef und Chef der Eurogruppe. Guten Abend, Herr Juncker.
Jean-Claude Juncker: Guten Abend.
Marietta Slomka: Deutschland und Frankreich haben sich heute geeinigt und gehen davon aus, dass die anderen Europäer dann am Wochenende oder am Freitag sogar schon folgen werden, das quasi dann abnicken. Stört Sie das?
Jean-Claude Juncker: Das stört mich überhaupt nicht, weil es geht hier nicht um abnicken. Ich stelle fest, dass Deutschland und Frankreich, nachdem einige Divergenzen über Wochen öffentlich vorgetragen wurden, sich auf eine Gesamtschnittmenge geeinigt haben, die auf die Zustimmung der meisten anderen Euromitglieder trifft. Und die meisten anderen Euromitglieder haben im Vorfeld des deutsch-französischen Gipfels über Wochen, wenn nicht Monate, deutlich gemacht, dass wir genau von Frankreich und Deutschland diese Einigung erwarten. Aber sie entspricht exakt dem was wir vorgeschlagen haben und was bislang von einem der beiden immer abgelehnt wurde.
Marietta Slomka: Das heißt, die vorgeschlagenen Vertragsänderungen sind auch ganz in Ihrem Sinne. Bisher klangen Sie da eher zurückhaltend.
Jean-Claude Juncker: Ich war da überhaupt nicht zurückhaltend und die anderen Euro-Mitgliedsstaaten auch nicht. Wir sind mit wenigen Ausnahmen der Auffassung, dass wir diese Vertragsänderungen brauchen. Unter der Voraussetzung allerdings, dass diese Vertragsänderungen kürzesten Zuschnittes sind, keine lange Beratungsdauer in Anspruch nehmen, keine lange Ratifizierungsdauer in Anspruch nehmen. Wir müssen jetzt schnell handeln und die Finanzmärkte und andere Beobachter erwarten von uns, dass wir jetzt die Grundarchitektur des Euroraumes, die Art und Weise wie im Euroraum regiert wird, endgültig festlegen. Das sind Vorschläge die heute in Paris kundgetan wurden, die auf unsere Zustimmung treffen. Und Frau Merkel, vor allem Frau Merkel und auch Herr Sarkozy wissen sehr genau, dass das keinerlei Kampfes bedarf, sondern dass die meisten Euromitgliedstaaten das genau so sehen. Das haben wir wiederholt in den vergangenen Wochen – noch vor einer Woche anlässlich der letzten Tagung der Eurogruppe – selbst in Vorschlag gebracht. Welcome to the club.
Marietta Slomka: Welcome to the club. Das heißt Sie haben das Gefühl die beiden Großen haben sich den anderen angenähert?
Jean-Claude Juncker: Also, es ist nicht so, dass Deutschland und Frankreich uns andere davon überzeugen müssten, dass wir beherzte Schritte in Richtung Stabilitätsunion unternehmen müssten. 9 oder 10, je nach Jahresbetrachtung, der Euromitgliedsstaaten haben weniger hohe Schuldenstände als Deutschland und Frankreich. Man braucht mich als luxemburgischen Premierminister, den niederländischen Kollegen auch nicht, den österreichischen, den finnischen, den slowakischen, den slowenischen und andere nicht davon zu überzeugen, dass wir uns stabilitätskonform benehmen müssen. Das wussten wir schon bevor dieser Zuruf uns ereilte. Wir begrüssen das. Weil das was in Paris vereinbart wurde, entspricht im Kern genau dem, was wir an Stabilitätsgedankengut über die letzten Monate überall anzubringen versuchten.
Marietta Slomka: Herr Juncker, mal hieß es, Deutschland führt zu wenig. Mal heißt es Deutschland will Europa dominieren. Finden Sie, dass jetzt eigentlich alles so richtig balanciert ist?
Jean-Claude Juncker: Ich fühle mich überhaupt nicht dominiert von Jemandem der so denkt, wie ich seit Monaten denke.
Marietta Slomka: Sagt Jean-Claude Juncker. Danke schön für das Gespräch.
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