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REVUE: Wo steht Luxemburg im Bezug auf Frauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: In Luxemburg steigen weniger Frauen nach der Babypause wieder in ihren Job ein als in anderen EU-Ländern. Das liegt daran, dass viele Frauen es sich erlauben können, nicht zu arbeiten, da der Mann gut verdient. Wenn ich in den Lycées bin, sagen die meisten Mädchen, sie wollen später, wenn sie Kinder haben, zu Hause bleiben. Das finde ich in Ordnung, aber das sollte ein Paar gemeinsam klären. Deshalb halte ich das Modell, wenn beide Elternteile 75 Prozent arbeiten, für das beste. So haben beide genug Zeit für die Arbeit und für die Familie. Eine Karriere ist aber auch möglich. Dafür müssen die Betriebe aber noch flexibler werden und mehr Telearbeit und flexible Arbeitszeiten zulassen.
REVUE: Welches Arbeitszeitmodell bevorzugen Mütter?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Die meisten arbeiten Teilzeit. Wenn einer der Elternteile zu Hause bleibt, finde ich es in Ordnung. Derjenige, der weiterarbeitet, soll aber die Sozialleistungen des anderen übernehmen. Sonst kann es später bei der Rente oder einer Trennung finanziell schwierig werden. Vielleicht sollten wir auch die Gro3eltern im Rentenalter wieder in die Kinderbetreuung mit einbinden. Die Verantwortung für die Kindererziehung muss aber bei den Eltern liegen. Staat und oder Gemeinden können nur eine Hilfestellung anbieten.
REVUE: Je besser die Ausbildung ist, desto schneller kehren Mütter in den Job zurück?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Junge Frauen, die gut ausgebildet sind, kehren nach der Geburt eines Kindes schnell in den Beruf zurück. Damit signalisieren sie ihrem Chef, ich bin motiviert und will meine Arbeit gut machen. Sogar eine Führungsposition ist meiner Meinung nach mit einer 75-Prozent-Stelle möglich.
REVUE: Was ist in Ihren Augen wichtiger: Eine schnelle Rückkehr als Teilzeitkraft und später vollzeitnah wieder zu arbeiten?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Für das Baby ist Teilzeit mit höchstens 75 Prozent die beste Lösung. Später können Mütter und Väter wieder mehr arbeiten. Diese Lösung ist auch für den Chef gut, denn so kann er besser planen. Wer direkt Vollzeit arbeitet, ist oft gestresster und hat ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Kind, weil man nicht genug Zeit mit ihm verbringt. Abends nach einem Fulltimejob ist es auch schwerer, noch die Energie aufzubringen, sich mit dem Kind zu beschäftigen. Viele Mütter befinden sich in der Teilzeitfalle... Einige Frauen entscheiden sich bewusst für die Teilzeitarbeit. Nicht jede Frau will und kann Karriere machen. Viele werden aber durch ihre Halbtagspräsenz im Betrieb übersehen. Deshalb müssen sich Frauen äul3ern, dass sie mehr Verantwortung übernehmen möchten. Frauen dürfen nicht warten, dass sie entdeckt werden.
REVUE: Wie unterstützt Ihr Ministerium arbeitende Mütter?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Das Ministerium hat einige Kampagnen ins Leben gerufen. Bei den "Actions positives" gehen wir in die Betriebe, bauen mögliche Karrierenachteile für Frauen ab und realisieren eine Gleichbehandlung zwischen den Geschlechtern. Wir arbeiten mit Betrieben zusammen und haben das Projekt "Diversity in Business" initiiert: Hier verpflichten sich Firmen, spezielle Ausbildungen für Frauen anzubieten und ihre Führungsposten vermehrt mit qualifizierten Frauen zu besetzen.
REVUE: Warum nehmen so wenig Väter Congé parental?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Bei einigen Männern und Betrieben ist das nicht gern gesehen. Die junge Generation ab 25 Jahren sieht das anders. Leider ist es nicht möglich, den Congé von einem Elternteil auf den anderen zu übertragen.
REVUE: Was halten Sie von der Frauenquote?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Ein guter Mix von Männern und Frauen in Führungsgremien ist wichtig. Eine Veränderung in der Postenbesetzung muss am besten von selbst, von unten kommen. Dass es keine qualifizierten Frauen gibt, stimmt nicht. Andererseits kann eine Quote zu Beginn etwas bewirken. Wenn diese bei 30 Prozent liegt, geht es wie von selbst. Quotenfrauen haben es schwerer. Das wird sich mit der Zeit legen. Wenn wir in der CSV keine Frauenquote hätten, wäre ich nie gefragt worden für die Wahlen zu kandidieren...
REVUE: Und der Lohnunterschled zwischen Mann und Frau?
FRANCOISE HETTO-GAASCH: Derzeit beträgt das Gefälle hier zehn Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei 18 Prozent. Da schneidet Luxemburg gar nicht schlecht ab. Warum Frauen weniger verdienen, liegt daran, dass sie ihren Job für eine Zeit wegen der Kinder unterbrechen und danach meist lange Teilzeit arbeiten.
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