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Journal: Frau Minister, wie war Ihr Urlaub?
Mady Delvaux-Stehres: Urlaub ist immer angenehm.
Journal: Können Sie sich an ihre erste Rentrée erinnern? Als Schülerin und als Professorin. Wie fühlten Sie sich da?
Delvaux-Stehres: Als Schülerin kann ich mich sehr gut erinnern. Es hat schrecklich viel geregnet und ich war furchtbar aufgeregt noch aufgeregter war ich nur noch auf Septima. Meine erste Rentrée als Professorin war hingegen stressig. Nach einer gewissen Zeit bekommt man dann aber Routine und die Aufregung legt sich.
Infrastrukturen: "Wir laufen den Ganzen immer hinterher"
Journal: Was beschäftigt Sie in diesen Tagen der Rentrée am meisten?
Delvaux-Stehres: Angesichts der Tatsache, dass über den Sommer wieder eine ganze Reihe von neuen Kindern ins Land gekommen sind, liegt unser Hauptaugenmerk im Unterrichisministenum momentan auf der Organisation der Schulklassen. Um die jüngeren Kinder kümmern sich ja die Gemeinden, derweil wir für die Schüler ab 12 Jahren verantwortlich zeichnen.
Journal: Vermutlich ein größerer Stressfaktor?
Delvaux-Stehres: Ja.
Journal: Besteht denn ein Mangel an Infrastrukturen?
Delvaux-Stehres: Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Infrastrukturen dazubekommen und wir haben inzwischen keine Schandfiecke mehr. Da wir aber immer mehr Schüler haben, besteht auch eine große Notwendigkeit nach passenden Infrastrukturen. Wir laufen dem Ganzen aber immer hinterher, auch wenn mehrere Schulen dazugekommen sind.
Grundschulreform: Für eine richtige Bilanz ist es zu früh
Journal: Fühlen Sie sich in Ihrem Ressort überhaupt richtig verstanden? Was Sie auch anpacken, entweder sind die Lehrer dagegen, oder aber die Schüler oder Eltern...
Delvaux-Stehres: Das ist doch normal, geht die Schule, die zudem etwas ganz emotionales ist, doch jeden was an. Ich verstehe die Reaktionen, kann manchmal aber nur schwer damit umgehen.
Journal: Wie sieht es mit der Zwischenauswertung der Grundschulreform aus?
Delvaux-Stehres: Für eine richtige Bilanz ist es zu früh. Was wir machen, ist nachzufragen, was funktioniert und was nicht. Bis Ende des Jahres soll die Bilanz vorliegen. Fragen Sie mich aber nicht, was in diesem Papier drin steht, denn das weiß ich nicht.
Im Sekundarunterricht bleibt es beim Punktesystem
Journal: Aber Sie können sich keine Rückkehr zum Punktesystem vorstellen?
Delvaux-Stehres: Im Sekundarunterricht bleibt es beim Punktesystem.
Journal: Brauchen wir eine "école bilingue"?
Delvaux-Stehres: Persönlich bin ich nicht von einer "école bilingue" überzeugt. Dies würde einen radikalen Bruch mit der Luxemburger Tradition bedingen. Luxemburger würden dann in ihrer Mehrheit auf Deutsch alphabetisiert werden und die Ausländer, vor allem die Portugiesen, auf Französisch. Wollen wir das? Wenn ja, dann sollten wir richtig darüber diskutieren, anstelle nur mit solchen Gadgets zu kommen. Ich habe aber nichts gegen Pilotprojekte.
Sekundarunterricht: "Hier wird ganz viel diskutiert"
Journal: Was uns in letzter Zeit auch aufgefallen ist, sind die scharfen Attacken der Elternorganisation FAPEL über die Orientierungsprozeduren für den Sehundarschulunterricht.
Delvaux-Stehres: Es ist gut, dass wir eine FAPEL haben, die mit ihrem Vorschlag nach einer professionellen Orientierung auch einen interessanten Beitrag geleistet hat. Wir wollen diese Funktion auch schaffen, aber so etwas macht sich nicht an einem Tag. Die FAPEL-Kritik ist denn auch eher als positiv denn als negativ zu betrachten. Auch an diesem Dossier arbeiten wir weiter, und: Wir haben noch genügend Dossiers.
Journal: Kommen wir zum Sekundarunterricht...
Delvaux-Stehres: Hier wird in den nächsten Monaten ganz viel diskutiert.
Journal: Was den Fortgang der Reform der Unterstufe anbelangt...
Delvaux-Stehres: Sie müssen verstehen, dass ich hierzu im Moment keine großen Aussagen machen werde. Hier wird in Ruhe weiterdiskutiert. Ein bisschen traurig war ich allerdings über die Reaktion verschiedener Leute, als erste Dokumente aufgetaucht sind. Das lehrt einen, möglichst früh einen Gesetzestextvorschlag als Grundlage für die Diskussion einzubringen. Wir haben uns hier ein Jahr Zeit gegeben, mit den Lehrern, den Schüler, den Eltern und der Zivilgesellschaft zu diskutieren; bis April 2013 soll ein Vorprojekt vorliegen.
Journal: Könnten Sie nicht etwas detaillierter auf das Timing eingehen?
Delvaux-Stehres: Wir haben jetzt eine Reihe von Unterredungen. Wenn hier neue Vorschläge kommen, müssen diese neu diskutiert werden. Ich halte mich an das, wozu ich mich verpflichtet habe. Vorerst bleibt es bei den Trimestern
Journal: Trimester oder Semester? Die Option steht im Regierungsprogramm.
Delvaux-Stehres: Im Regierungsprogramm steht, dass man das studieren sollte. Für mich steht aber fest, dass im Moment die Trimester bleiben. Auch die Schulferien bleiben wie sie sind.
Journal: Wie sieht es mit dem Lehrerprofil aus?
Delvaux-Stehres: Hieran wird gearbeitet. Wahrscheinlich haben wir zu viel ins Profil reingesetzt, das eine Art Wunschliste war. Nicht jeder kann aber Alles; Teamfähigkeit ist hier etwas Neues. Ich bin hier ja aber auch noch mit der Reform des Statuts geplagt, wo wir uns in einem Rechtsstreit mit der APESS und dem SEW befinden. Die Gewerkschaften sagen ganz klar, dass sie nicht mit mir, sondern mit Minister Biltgen diskutieren wollen.
Journal: Stichwort Werteuntemcht. Ist in dieser Legislaturperiode diesbezüglich noch etwas zu erwarten oder hängt das am Koalitionspartner CSV?
Werteunterricht: "Im Moment kein Thema"
Delvaux-Stehres: Für mich stellt der Werteunterricht im Moment kein Thema dar.
Journal: Zu einem gewissen Zeitpunkt, besonders während der großen Protestkundgebungen, hieß es, Sie wären amtsmüde. Sind Sie das bzw. waren Sie das und wollen Sie Ihr Mandat bis zum Ende der Legislatur weiterführen?
Delvaux-Stehres: Ich war müde ja, es war teilweise sehr anstrengend, im Kopf und nervlich, aber amtsmüde war ich nicht. Die Schule zu reformieren, ist für mich immer noch die nobelste Aufgabe die es gibt. Ich weiß aber auch, dass die Schule nicht alles kann und nicht für alles verantwortlich ist. Ich bin definitiv nicht amtsmüde.
Journal: Das heißt, Sie wollen es auch bei den Wahlen von 2014 noch einmal wissen?
Delvaux-Stehres: Das hängt nicht allein von mir ab. Ich weiß nicht, ob die Leute mich noch vertragen. Ich fühle mich jedenfalls noch nicht alt.
Journal: Eine letzte Frage. Wie ist die Stimmung in der Regierung? Premier Juncker ist ja bekanntlich öfters im Ausland als im Inland.
Delvaux-Stehres: Der Premierminister ist mehr hier, als die Leute glauben. Was die Stimmung im Kabinett betrifft, die ist gut.
Journal:LJ: Können Sie sich bei ihren Reformen auf die Unterstützung Ihres Koalitionspartners stützen?
Delvaux-Stehres: In der Regierung auf jeden Fall!
Journal: Das klingt aber nicht gerade, als ob Sie der CSV vertrauen würden.
Delvaux-Stehres: Es ist kein Geheimnis, dass die CSV, die an einem diesbezüglichen Papier arbeitet, offiziell noch immer keine Position bezogen hat. Ich warte mit Spannung auf dieses Dokument, mir wurden aber beruhigende Signale zugetragen.
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