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Deutsche Welle: Herr Juncker, Sie schienen nach den Beratungen verärgert zu sein. Woran ist der Gipfel ihrer Meinung nach gescheitert?
Jean-Claude Juncker: Ich glaube, dass wir einen Fehler machen. Und dieser Fehler stößt auf größte Zustimmung in den Mitgliedsstaaten und der öffentlichen Meinung. Der Fehler ist, dass wir zwischen Geber- und Nehmerländern unterscheiden. Ich bin strikt der sehr dezidierten Auffassung, dass alle 27 Mitgliedsstaaten eigentlich Empfängerländer sind. Es tut uns allen gut, Mitglieder der Europäischen Union zu sein. Ich halte diese fast künstliche Unterscheidung zwischen Geberländern und Nehmerländern nicht mehr für zeitgemäß im 21. Jahrhundert.
Deutsche Welle: Was haben Sie heute denn eigentlich gemacht? Die Staats- und Regierungschefs haben sich gegenseitig ihre Positionen vorgetragen und dann?
Jean-Claude Juncker: Ja, das ist ja auch nicht unnormal, dass jeder aus seinem nationalen Blickwinkel und seiner nationalen Ecke heraus für seinen eigenen Haushalt plädierend vorstellig wird. Das gehört zum Meinungsaustausch, damit jeder weiß, was jeder gerne hätte und jeder denkt. Aber die Erfahrung zeigt, dass man über die finanzielle Vorausschau nicht in einer Sitzung zu Potte kommen kann. Das braucht mehrere Sitzungen und alle müssen in ihren nationalen Parlamenten die Geschichte voranbringen.
Deutsche Welle: Sie wollen sich ja in wenigen Wochen schon wieder zu Haushaltsberatungen treffen. Glauben Sie, dass sich die Positionen in dieser kurzen Zeit wirklich annähern können?
Jean-Claude Juncker: Es wird Sache von Ratspräsident Van Rompuy sein, zu befinden, wann wir uns wieder zusammensetzen sollen. Ich glaube nicht, dass das schon in einigen Wochen der Fall sein wird. Ich glaube eher, dass das Ende Januar oder im Februar der Fall sein wird.
Deutsche Welle: Kürzungen soll es ja auch beim Entwicklungsfonds der Europäischen Union geben, also bei den Geldern, die für die ärmsten Länder der Welt vorgesehen sind. Was halten Sie davon?
Jean-Claude Juncker: Ich bin der Auffassung, dass es uns nicht gut zu Gesichte steht, jetzt auf Kosten der Ärmeren in der Welt Einsparungen vorzunehmen. Das ist einfach, weil die ja hier nicht sitzen. Die 24.000 Kinder, die jeden Tag den Hungertod sterben, die sitzen nicht im Saal. Ich bin dagegen, dass man dies tut.
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