"Symbol der Erinnerung"

Interview – Publié le

Interview : Journal (Cordelia Chaton)

Cordelia Chaton: Herr Arendt, in letzter Zeit war es still um das Resistenzmuseum geworden. Wo stehen wir? 

Guy Arendt: Erst vergangenen Dienstag wurde die Gründungsurkunde unterschrieben, es läuft also alles nach Plan. Vielleicht ist es sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass das Museum zwar "Musée national de la Résistance" heißt, aber 1956 auf Initiative der LPPD (Ligue des prisonniers politiques déportés) mit Unterstützung der Stadt Esch/Alzette gegründet wurde. Diese hat bislang auch die Ausgaben getragen, obwohl der Staat auch seit einigen Jahren zwei Lehrer der Sekundarstufe zur Verfügung stellt. Jetzt wird die Basis der Träger erweitert. Der Staat trägt 4,55 Millionen Euro zum Bau bei, die "CEuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte" 2,87 Millionen Euro und die Stadt Esch stellt zwei Gebäude bereit und zahlt 1,55 Millionen Euro dazu. Durch die Bereitstellung des Museums und eines Wohnhauses in der rue de l'Alzette kann der Neubau von Architekt Jim Clemes vom Brillplatz aus über den Hof hinweg in Richtung Fußgängerzone erweitert werden. Das Museum verdreifacht somit quasi seine Ausstellungsfläche von 425m2 auf 1.240m2. 

Cordelia Chaton: Gibt es denn so viel mehr auszustellen? 

Guy Arendt: Ja, das jetzige Museum ist viel zu eng für alle vorhandenen Exponate. Schon deshalb gibt es seitlangem Ausbaupläne. Das neue Museum wird von einer Stiftung luxemburgischen Rechtes getragen, in der die drei eben genannten Partner vertreten sind. Es gibt ein neues Ausstellungskonzept, das N-Joy verantwortet. Neben der permanenten Ausstellung auf über 500m2 wird es Platz für Workshops und Wechsel-Ausstellungen geben. 
Das Museum will die Erinnerung aufrechterhalten und sich pädagogischer ausrichten, gleichzeitig aber auch bestehende Menschenrechtsverletzungen thematisieren. 

Cordelia Chaton: Wie schätzen Sie den Bedarf für ein solches Museum ein? 

Guy Arendt: Gerade weil es ein Aufleben von rechtsradikalen Ideen gibt, halte ich es für sehr wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Bald werden Zeitzeugen nicht mehr leben, auch deswegen ist das Museum wichtig, weil es in unserer Epoche auf sozialen Medien und andernorts ein Aufleben braunen Gedankenguts gibt. Und ich glaube, es interessiert die Menschen. Viele Schulen besuchen Konzentrationslager und Gedenkstätten, die Jugendlichen sind danach sehr bewegt. In Luxemburg selbst hat der Historikerstreit zahlreiche Menschen bewegt. 

Cordelia Chaton: Nehmen Sie Einfluss auf den Inhalt der Ausstellungen? 

Guy Arendt:  Nein, darum kümmert sich das Team um Frank Schroeder, begleitet durch einen wissenschaftlichen Beirat und den Verwaltungsrat der neuen Stiftung. In letzterem sitzen jeweils auch zwei Vertreter der Stadt Esch, der Stiftung "CEuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte", meines Ministeriums sowie zwei Vertreter der Zivilgesellschaft. Daneben ist auch das der Ende 2016 gegründete "Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale" vertreten, dessen Gründung im Regierungsprogramm vorgesehen war. Darin befinden sich Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft, der Zwangsrekrutierten und der Widerstandskämpfer. Wir streben natürlich eine Zusammenarbeit mit anderen Museen und Institutionen an, wenn sich dies anbietet. Schließlich soll das Museum ein Symbol für die Erinnerung sein, wenn es hoffentlich Anfang 2020 seine Tore öffnet.